Turn on the Closed Captions (CC) to know the countries where the images were filmed and the first name of the interviewees.
What
is it that makes us human? Is it that we love, that we fight ? That we
laugh ? Cry ? Our curiosity ? The quest for discovery ?
Driven by
these questions, filmmaker and artist Yann Arthus-Bertrand spent three
years collecting real-life stories from 2,000 women and men in 60
countries. Working with a dedicated team of translators, journalists and
cameramen, Yann captures deeply personal and emotional accounts of
topics that unite us all; struggles with poverty, war, homophobia, and
the future of our planet mixed with moments of love and happiness.
The VOL.1 deals with the themes of love, women, work and poverty.
In order to share this unique image bank everywhere and for everyone,
HUMAN exist in several versions :
A theatre version (3h11) , a tv version (2h11) and a 3 volumes version for the web
CONTACTS
Office Yann Arthus-Bertrand : Yann2@yab.fr
Project manager: jessica@human-themovie.org
Head of international screenings and distribution : lara@human-themovie.org
French events and non-commercial distribution : event@human-themovie.org
Official website HUMAN : http://www.human-themovie.org
For further contents, visit http://g.co/humanthemovie
Enjoy and share #WhatMakesUsHUMAN
Watch the full film from September 12 at https://www.youtube.com/channel/UCJy4...
All these shoots were carbon-offset through the GoodPlanet Foundation’s United Carbone Action program: http://www.goodplanet.org/en/united-c...
Dienstag, 22. November 2016
HUMAN Extended version VOL.1
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Dienstag, 8. November 2016
Racial_Ethnic Profiling
Stop Racial_Ethnic Profiling from Benjamin Weiss.
Der Begriff «Rassistisches Profiling» bezeichnet alle Formen von
diskriminierenden Personen- und Fahrzeugkontrollen gegenüber
Personengruppen, welche von den Polizisten/-innen als ethnisch oder
religiös «andersartig» wahrgenommen werden. Die folgenden Ausführungen
erläutern diese Definition.
Der Ausdruck «Racial Profiling» stammt aus den USA, wo vor allem Afroamerikaner/innen und Personen lateinamerikanischer Abstammung von überdurchschnittlich vielen polizeilichen Personenkontrollen betroffen sind. Es wird auch von «Ethnic Profiling» gesprochen. Im europäischen Kontext sind neben Schwarzen auch Personen aus der Balkanregion (insbesondere Roma) sowie aus arabischen Ländern und Musliminnen und Muslime von ungerechtfertigten Personen- und Fahrzeugkontrollen betroffen.
Weil in Europa das Adjektiv «rassisch» keine sachliche Bedeutung hat, sondern als Element von rassistischen Ideologien aufgefasst wird, verwenden wir im vorliegenden Themendossier ausschliesslich den Ausdruck «rassistisches Profiling». Dabei beziehen wir uns auf den Begriff des Rassismus in der weiten Bedeutung, welche auch alle Formen der kulturalisierenden Unterordnung umfasst.
Mehr Informationen zu Racial Profiling finden Sie im Themendossier „Rassistisches Profiling“ von humanrights.ch.
Racial Profiling
Der Ausdruck «Racial Profiling» stammt aus den USA, wo vor allem Afroamerikaner/innen und Personen lateinamerikanischer Abstammung von überdurchschnittlich vielen polizeilichen Personenkontrollen betroffen sind. Es wird auch von «Ethnic Profiling» gesprochen. Im europäischen Kontext sind neben Schwarzen auch Personen aus der Balkanregion (insbesondere Roma) sowie aus arabischen Ländern und Musliminnen und Muslime von ungerechtfertigten Personen- und Fahrzeugkontrollen betroffen.
Weil in Europa das Adjektiv «rassisch» keine sachliche Bedeutung hat, sondern als Element von rassistischen Ideologien aufgefasst wird, verwenden wir im vorliegenden Themendossier ausschliesslich den Ausdruck «rassistisches Profiling». Dabei beziehen wir uns auf den Begriff des Rassismus in der weiten Bedeutung, welche auch alle Formen der kulturalisierenden Unterordnung umfasst.
Mehr Informationen zu Racial Profiling finden Sie im Themendossier „Rassistisches Profiling“ von humanrights.ch.
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Mittwoch, 19. Oktober 2016
Reich ist, wer bequem von den Zinsen leben kann
Original aus work, 18.11.2010
: http://www.workzeitung.ch/tiki-read_article.php?articleId=1321
3 Prozent besitzen so viel wie die restlichen 97 Prozent. Unter den 300 Superreichen wächst jetzt die Angst vor dem sozialen Aufstand. Interview mit dem Soziologen Ueli Mäder: Oliver Fahrn |
work: Ueli Mäder, wann ist man wirklich reich?
Ueli Mäder: Wenn man von den Zinsen seines Vermögens bequem leben kann. Dafür genügt eine Million heute nicht mehr. Es braucht schon ein paar Millionen. Aber wenn Sie einen Superreichen fragen, lautet seine Antwort: Ab 30 Millionen beginnt man reich zu sein.
Ein Haufen Geld, den man mit Lohnarbeit nicht verdienen kann.
Wie sagte einer meiner Gesprächspartner, der mit Finanzgeschäften schon jung sehr viel Geld gemacht hatte: «Wer arbeitet, hat keine Zeit, Geld zu verdienen.» Wir haben weit über 100 Reiche interviewt. Aber längst nicht alle würden über die Arbeitenden so verächtlich sprechen.
Also: Wie wird man reich?
Vor allem auch, indem man erbt. Die Hälfte der 300 Reichsten in der Schweiz ist als Sohn, Tochter oder über Heirat reich geworden. 2010 werden mindestens 40 Milliarden vererbt. Mehr als die Hälfte davon geht an Millionäre. Nur zehn Prozent der Erben erhalten drei Viertel aller Erbschaften.
Noch mehr Geld kommt zu schon sehr viel Geld?
Die fehlende Erbschaftssteuer treibt die enorme Konzentration der Vermögen in der Schweiz noch voran. Aber das ist nur ein Element. Zwischen 1989 und 2009 stieg das Vermögen der 300 Reichsten von 86 Milliarden auf 449 Milliarden Franken.
Trotz Krise?
Diese 300 Superreichen haben nur 10 Milliarden von 459 Milliarden verloren. Das war 2009. Inzwischen haben sie das längst mehr als wettgemacht.
In der kleinen Schweiz lebt, so lesen wir, jeder zehnte Milliardär der Welt.
Ja, wenn wir auch jene einbeziehen, die keinen Schweizer Pass haben. Die sozialen Unterschiede wachsen bei uns wie sonstwo kaum. Die Kluft zeigt sich sogar bei den verfügbaren Einkommen, mit denen auch die CS rechnet. Unter 165 Ländern landet die Schweiz in der Rangliste gerechter Vermögensverteilung auf dem drittletzten Platz. Schlechter sind nur Singapur und Namibia. Und seit kurzem wissen wir, dass in Basel 3 Promille der Steuerpflichtigen mehr Vermögen haben als die anderen 99,7 Prozent. Diverse Untersuchungen bestätigen das. Sie finden die Daten auf www.reichtumin- der-Schweiz.ch.
Die Schweiz ist also eine Oligarchie, eine Herrschaft von wenigen Superreichen? Das deckt sich gar nicht mit dem Bild, das wir von diesem Land haben.
Im Gegensatz zu vielen dieser Länder sichern das durchschnittliche Einkommen plus die Sozialversicherungen bei uns meist ein anständiges Leben. Die Einkommen sind etwas gerechter verteilt als die Vermögen. Und doch haben wir auch in der Schweiz fast eine halbe Million Menschen, die in Haushalten von Working Poor leben. Das sind Arbeitende, die vom Lohn die Familie nicht ernähren können. Das Bild von demokratisch gerechter Reichtumsverteilung täuscht.
Weil der generelle Lebensstandard in der Schweiz relativ hoch ist, nehmen wir die wachsende soziale Ungleichheit gar nicht richtig wahr?
Genau. Aber da gibt es noch ein anderes Problem. Die kleine Minderheit mit viel Reichtum und Macht tut auch viel dafür, dass sich in unseren Köpfen falsche Bilder halten. An Vorträgen frage ich das Publikum immer wieder, ob in der Schweiz mehr Menschen unter 20 Jahren oder mehr Menschen über 65 leben. Fast alle sind jeweils sicher, dass die Alten in der Mehrheit sind. Tatsächlich aber leben hier mehr unter 20jährige. Die wenigsten wissen, dass die Sozialausgaben zwar steigen, aber seit 2004 im Verhältnis zum Bruttoinlandprodukt abnehmen. Falsche Bilder sind hartnäckig, weil sie endlos wiederholt werden. In allen Medien, auf allen Kanälen. Die falschen Vorstellungen von der eigenen Gesellschaft dienen offenbar Interessen. Hier zum Beispiel jenen von Versicherungen und Sozialabbauern.
Weil wir nicht genau hinschauen, können die Superreichen ungestört walten?
Einer meiner Interviewpartner war Novartis- Chef Daniel Vasella. Er wurde von rund 100 Reichen unserer Studie als eine der acht mächtigsten Personen des Landes genannt. Ich habe ihn, der auch schon einen möglichen Wegzug der Novartis ins Ausland angedeutet hatte, auf seine Macht angesprochen. Vasella antwortete: «Wenn Sie mir das sagen, dann nehme ich das als Gegebenheit und Wahrnehmung gewisser Leute wahr.» Dann fragte er sinngemäss: Geht es den Menschen in der Region etwa nicht gut?
Die Untertanen sind zufrieden, wen stört meine Macht?
Das ist zu scharf ausgedrückt. Was aber stimmt: So bleiben viele wichtige Fragen unter dem Deckel. Etwa die Frage, ob eine solche Ballung von Macht und Geld vernünftig und sozial verträglich sei. Oder ob die Bürgerinnen und Bürger überhaupt noch eine Chance hätten, über ihr Leben und die Zukunft des Landes frei zu entscheiden.
Wir wundern uns, dass die Reichen und Mächtigen alle mit dem kritischen Soziologen Mäder sprechen wollten.
Es stimmt, kaum jemand hat ein Interview abgelehnt. Und viele der Befragten haben erfreulicherweise sehr offen gesprochen. Rolf Soiron zum Beispiel, einer der besonders einflussreichen und stark unterschätzten Köpfe, hat ungeschminkt über die Wendungen in seinem Leben gesprochen. Dagobert Kuster, früher Direktor der Volksbank und Firmengründer, sprach sich für einen sozial attraktiveren Kapitalismus aus – und für die Einführung einer nationalen Erbschaftssteuer! Ex-UBS-Banker und Ex-Ascom-Chef Urs Hägeli hat unter anderem über die Boni-Abzocker gesagt: «Mit ihrem egozentrischen System gefährden sie unseren sozialen Frieden.»
Der Banker Paul Feuermann, der bei Vontobel und UBS war, hat Ihnen Albträume gestanden. Er spricht von Volksaufständen, Verelendung und «dramatischen Veränderungen».
Er ist nicht der Einzige. Erstaunlicher ist, dass viele daraus keine weiterführenden Schlüsse ziehen möchten. Herr Vasella hält übrigens die Möglichkeit grösserer Umbrüche für durchaus wahrscheinlich. Das zeige auch ein Blick in die Geschichte.
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Donnerstag, 29. September 2016
The Choice is Ours (2016) by The Venus Project
Produced/Directed by Roxanne Meadows and Joel Holt
Script by Roxanne Meadows
Editor Joel Holt, assisted by Roxanne Meadows & Nathaniel Dinwiddie
Original Score by Kat Apple
This film series explores many aspects of our society. To rethink what is possible in our world, we need to consider what kind of world we want to live in. Although we refer to it as civilization, it is anything but civilized. Visions of global unity & fellowship have long inspired humanity, yet the social arrangements up to the present have largely failed to produce a peaceful and productive world. While we appear to be technically advanced, our values and behaviors are not. The possibility of an optimistic future is in stark contrast to our current social, economic, and environmental dilemmas. The Choice Is Ours includes interviews with notable scientists, media professionals, authors, and other thinkers exploring the difficulties we face.
Part I provides an introduction and overview of cultural & environmental conditions that are untenable for a sustainable world civilization. It explores the determinants of behavior to dispel the myth of “human nature”, while demonstrating how environment shapes behavior. The science of behavior is an important - yet largely missing - ingredient in our culture.
Part II questions the values, behaviors, and consequences of our social structures, and illustrates how our global monetary system is obsolete and increasingly insufficient to meet the needs of most people. Critical consideration of the banking, media, and criminal justice systems reveals these institutions for what they really are: tools of social control managed by the established political and economic elite. If we stay the present course, the familiar cycles of crime, economic booms & busts, war, and further environmental destruction are inevitable.
Part III explains the methods and potential of science. It proposes solutions that we can apply at present to eliminate the use of non-renewable sources of energy. It depicts the vision of The Venus Project to build an entirely new world from the ground up: a “redesign of the culture”, where all enjoy a high standard of living, free of servitude and debt, while also protecting the environment.
Part IV explains how it is not just architecture and a social structure that is in desperate need of change, but our values which have been handed down from centuries ago. They too need to be updated to our technological age, which has the potential to eliminate our scarcity-driven societies of today. Our problems are mostly of our own making, but we can still turn things around before the point of no return. It’s not too late for an optimistic outlook on the fantastic possibilities that lie before us.
Jacque Fresco-Futurist, Industrial Designer, Social Engineer, Founder of The Venus Project
Jeffery A. Hoffman Ph.D - Prof. Aeronautics & Astronautics MIT, Former NASA Astronaut
Henry Schlinger, Ph.D., BCBA-D - Prof. Psychology CAL State University
Abby Martin - Journalist & Host "The Empire Files"
Karen Hudes - Economist, Lawyer, World Bank Whistleblower
Erin Ade - Reporter & Host "Boom Bust" – RT
Paul Wright - Founder & Director of Human Rights Defense Center, Editor of Prison Legal News, Author
Dylan Ratigan - Author & TV Host "The Dylan Ratigan Show"
Mark Jacobson, Ph.d - Prof. Civil & Env. Engineering, Stanford University. www.thesolutionsproject.org
Erik Brynjolfsson, Ph.D - Prof. of Management-MIT Sloan School of Management, Dir. MIT Initiative on the Digital Economy, Author
Lawrence M. Krauss, Ph.D - Foundation Prof. School of Earth and Space Exploration, and director of Origins Project, Arizona State University. Author "A Universe from Nothing".
Paul Hewitt - Author "Conceptual Physics"
Roxanne Meadows - Co-Founder The Venus Project
*special thanks also to Alexander "Obraz" ...Obraz.io who created the many 2d motion depictions (plus the sound fx!) of concepts such as the "hamburgers and fried chicken" segment and many others which are Alexander's inimitable work style and atteniton to details where we needed very specific illustrations of key points.
The Venus Project proposes an alternative vision of what the future can be if we apply what we already know in order to achieve a sustainable new world civilization. It calls for a straightforward redesign of our culture in which the age-old inadequacies of war, poverty, hunger, debt and unnecessary human suffering are viewed not only as avoidable, but as totally unacceptable. Anything less will result in a continuation of the same catalog of problems inherent in today's world.
Learn more at www.thevenusproject.com
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Donnerstag, 15. September 2016
Dirty Diesel wird gefördert von Schweizer Händerln
von: https://www.dirtydiesel.ch/
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Dienstag, 13. September 2016
Gebildet, aber kurzsichtig
Immer mehr Menschen sehen schlecht in die Ferne. Mitschuldig daran scheint der Schulunterricht. Mit einfachen Mitteln liesse sich die Beeinträchtigung eindämmen.
original: http://www.tagesanzeiger.ch/wissen/medizin-und-psychologie/gebildet-aber-kurzsichtig/story/25460713Jedes Kind in der Grundschule im chinesischen Wuhan hat einen Metallbügel unter dem Kinn, egal, ob es lesen oder schreiben soll. Die gebogene Stütze soll verhindern, dass die Kinderaugen Büchern und Heften zu nah kommen, aus Angst, sie könnten später kurzsichtig werden. In vielen Ländern Asiens wird derzeit nahezu alles versucht, um der Augenerkrankung entgegenzuwirken – zum Beispiel mit Massen-Sehtests bei Schülern. Seit Jahrzehnten steigt die Zahl der Kurzsichtigen. In Ländern wie China, Korea und Singapur sind oft 80 Prozent der Schüler und Studenten kurzsichtig, in Städten wie Seoul und Shanghai beinahe 100 Prozent. Jeder Fünfte ist mit mehr als minus sechs Dioptrien hochgradig fehlsichtig.
Auch in Europa ist die Fehlsichtigkeit ein wachsendes Problem. Das European Eye Epidemiology Consortium schätzt, dass ein Drittel der Europäer kurzsichtig ist. Für 2050 prognostiziert das Brien Holden Vision Institute, dass die Hälfte aller Menschen kurzsichtig sein wird, jeder Fünfte hochgradig. Für die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist es ein globales Problem. In Entwicklungsländern und ländlichen Regionen fehlen Tausende Augenärzte und damit der Zugang zu Behandlungen und Sehhilfen.
Wenn nichts passiert, kann das für viele Länder teuer werden und für Betroffene weitreichende Folgen haben. Die WHO schätzt, dass etwa 158 Millionen Menschen wegen ihrer Kurzsichtigkeit nur einfachste Aushilfsberufe ausüben können. Das bedeute Einkommensverluste zwischen 90 und 300 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Experten wie Norbert Pfeiffer von der Augenklinik Mainz halten das Leiden für unterschätzt, weil Folgeerkrankungen drohen. «Hochgradig Kurzsichtige leiden zehnmal so häufig an Netzhautablösungen», sagt Pfeiffer. Grüner oder grauer Star treten häufiger und schwerer auf.
Schuld an den Problemen sind nur wenige Millimeter, die der Augapfel bei Kurzsichtigen länger gewachsen ist. Ein Millimeter entspricht 2,7 Dioptrien. Hornhaut und Linse des Auges brechen das Bild dann so, dass es vor der Netzhaut liegt und alles in der Ferne unscharf wird. Bei den meisten Menschen fängt es mit acht Jahren an, bis fünfzehn nimmt Kurzsichtigkeit schnell zu. Je später die Fehlsichtigkeit auftritt, desto langsamer schreitet sie fort.
Ruin der Augen
Über die möglichen Ursachen der Kurzsichtigkeit diskutieren Wissenschaftler schon lange: der Zeitpunkt der Geburt, das Stadtleben, sozialer Status, UV-Strahlung und Lichtfarben. Das meiste ist kaum belegt. Mittlerweile dominieren drei Thesen die Diskussion: Der Sehabstand ist zu kurz. Die Menschen halten sich in zu dunklen Räumen auf. Oder die Genetik ist schuld. Wahrscheinlich ist es eine Mischung aus diesen Faktoren. Zumindest finden Forscher dafür seit einigen Jahren belastbare Hinweise.
Die Orinda-Studie in den USA hat Hunderte Schulkinder bis zu sieben Jahre lang begleitet und untersucht, wie sehr die Augenerkrankung davon abhängt, ob die Eltern kurzsichtig sind. Die Fehlsichtigkeit tritt dann tatsächlich mit höherer Wahrscheinlichkeit auf. Verhalten und Umwelt scheinen aber eine grössere Rolle zu spielen als die Gene.
Die These wird schon sehr lange diskutiert. Bis 1867 untersuchte etwa der Augenheilkundler Hermann Cohn über mehrere Jahre Tausende Schüler. Etwa 60 Prozent der Jugendlichen waren kurzsichtig. Mit einem Fotometer versuchte er, die Helligkeit der Räume zu messen, in denen sie unterrichtet wurden. Cohn kam zu dem Schluss, dass die Naharbeit, also das Lesen und Schreiben, und dunkle Schulräume schuld seien am «Ruin der Augen».
Heutige Untersuchungen bestätigen Cohns Ergebnisse. Mit der Gutenberg-Studie aus Mainz etwa, die zwischen 2007 und 2012 mehr als 15 '000 Probanden untersuchte, konnte Norbert Pfeiffer zeigen, dass Kurzsichtigkeit mit der Zahl der Schuljahre zunimmt. Nach dreizehn Jahren Schule waren jeder Zweite und beinahe doppelt so viele kurzsichtig wie nach neun Jahren.
Den Zusammenhang zwischen Helligkeit und Kurzsichtigkeit hat auch Frank Schaeffel von der Universität Tübingen untersucht. Der Neurobiologe setzte für seine Experimente Hühnern Streulinsen auf und liess sie so künstlich kurzsichtig werden. Eine Gruppe hielt er bei typischer Bürobeleuchtung (500 Lux), eine bei tageslichtähnlicher Beleuchtung (15'000 Lux). Die anderen durften raus auf den Balkon ans Tageslicht (mehr als 30'000 Lux). Die Augen der Balkonhühner waren nach dem Versuch weniger kurzsichtig. Schaeffel führt das auf die lichtabhängige Freisetzung von Dopamin aus der Netzhaut zurück. Der Botenstoff soll das Augenwachstum hemmen. Viel Licht führt zu viel Dopamin und verhindert so Kurzsichtigkeit.
Die Naharbeit in der Schule und die Helligkeit spielen also wahrscheinlich eine Rolle. Aber wie genau? «Bisher gibt es keine eindeutigen Beweise, wir sprechen davon, dass die Faktoren mit dem Problem assoziiert sind», sagt Pfeiffer. Für Frank Schaeffel hingegen ist die Datenlage überzeugend. Man könnte also erste Massnahmen ergreifen – mehr Licht in Schulen etwa.
In China gibt es nun dazu Versuche. Vor kurzem ist in der Stadt Yanxi eine Studie zu Ende gegangen, bei der Schulklassen in einem verglasten Raum unterrichtet wurden. Die Forscher haben die Helligkeit im Raum gemessen und wollen die Werte nun mit den Dioptrien der Schüler in Verbindung bringen. Sie sprechen von «ermutigenden» Ergebnissen.
Politik agiert kurzsichtig
Es könnte auch einfacher gehen. Mehrere Studien mit Hunderten Kindern belegen mittlerweile, dass Zeit im Freien die Folgen von Naharbeit kompensieren kann. 45 Minuten bei Tageslicht verringern die Häufigkeit von Kurzsichtigkeit um etwa 30 Prozent, 80 Minuten um circa 60 Prozent. Bisher werden diese Erkenntnisse aber kaum in Empfehlungen oder Vorschriften umgesetzt. Angesichts der drohenden Kosten und Verluste, die die WHO prognostiziert, verhält sich die Politik kurzsichtig.
Nur Taiwan ist offenbar entschlossen. 1999 rief die damalige Regierung einen Aktionsplan im Kampf gegen Kurzsichtigkeit aus. Innerhalb von fünf Jahren sollte der Anteil kurzsichtiger Grundschüler von 55 auf 10 Prozent sinken. Kindergärten und Schulen sollten Naharbeit einschränken, die Kinder eine aufrechte Sitz- und Lesehaltung lernen. Mehr als 15 Jahre später ist das ambitionierte Projekt gescheitert und doch ein Erfolg. Seit 2012 müssen sich taiwanesische Schüler täglich mindestens zwei Stunden draussen aufhalten. Die «3010-Regel» schreibt zudem nach jeder halben Stunde Naharbeit zehn Minuten Pause vor. Bis 2015 war die Häufigkeit der kurzsichtigen Erstklässler dennoch nur um drei Prozent gesunken.
Womöglich liegt das am Leistungsdruck. «Viele Kinder lernen bis zu zwölf Stunden am Tag und sind vielleicht pro Woche zwei Stunden draussen», sagt Pfeiffer. Und selbst wenn Kinder heute ihre Hausaufgaben beiseitelegen, sind Smartphones und Tablets zur Hand. Wie und ob Handys Kurzsichtigkeit verstärken können, ist wissenschaftlich aber noch nicht geklärt. Trotzdem: Taiwan ist das erste Land, in dem die Zahl kurzsichtiger Primarschüler sinkt. Ähnliche Massnahmen zur Vermeidung der Fehlsichtigkeit gibt es in anderen Ländern bislang nicht. Man beschränkt sich auf die Korrektur der Sehschwäche, sinnvoller wäre es, sie zu verhindern.
Schon Hermann Cohn forderte Ruhetage für das Auge. Kurzsichtige sollten daher das Lesen und Schreiben einige Wochen im Jahr ruhen lassen. Schaeffel und Pfeiffer raten, die Kinder einfach rauszuschicken. Es funktioniert ja, man weiss nur nicht, warum. «Selbst wenn es keinen Effekt auf die Kurzsichtigkeit hat, dann senkt es das Risiko für Diabetes, Haltungsschäden und vieles andere», sagt Pfeiffer. Das wäre doch auch was.
(Tages-Anzeiger)
(Erstellt: 14.03.2016, 23:40 Uhr)
Dienstag, 30. August 2016
Ethics of Consumption - cultural capitalism
In this RSA Animate, renowned philosopher Slavoj Zizek investigates the surprising ethical implications of charitable giving.
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