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Samstag, 6. August 2016

Wer den Wind sät… Was westliche Politik im Orient anrichtet | Michael Lüders


https://www.youtube.com/watch?v=syygOaRlwNE

Michael Lüders untersucht in seinem Vortrag die Folgen westlicher Politik in der arabisch-islamischen Welt. Er beginnt mit dem von britischen und amerikanischen Geheimdiensten inszenierten Putsch gegen die demokratisch gewählte Regierung von Mossadegh im Iran 1953, die als "Ursünde" westlicher Interventionen in der Region angesehen werden kann. Denn auf Mossadegh folgte die Diktatur des Schah, die wiederum durch die Islamische Revolution 1979 hinweggefegt wurde. Ohne Putsch gegen Mossadegh keine islamische Revolution - in dieser Einschätzung sind sich die Historiker weitgehend einig. Doch der Westen hat aus seinen Fehlern nichts gelernt, wie Lüders aufzeigt. So hatte das Eingreifen in den Krieg in Afghanistan, das 1979 von den Sowjets besetzt worden war, ebenfalls weitreichende Folgen. Aus der Unterstützung für die Mudschahedin, die Glaubenskämpfer, die gegen die Sowjets kämpften, erwuchsen später Al-Qaida und Osama bin Laden. Der Aufstieg des "Islamischen Staates" wiederum ist nicht zu erklären ohne die US-geführte Militärintervention zum Sturz Saddam Husseins 2003. Was also tun? Wie kann eine konstruktive Politik in der Region aussehen? Wie ist das Erstarken radikaler islamistischer Strömungen zu bekämpfen?

Mehr Infos: http://www.tele-akademie.de/begleit/video_ta150412.php

Dienstag, 1. März 2011

Die vergessene Ölpest

Während die Weltöffentlichkeit gebannt auf die BP-Katastrophe im Golf von Mexiko starrt, gehört die Ölpest in Nigeria zum Alltag.

Wie Blutspuren ziehen sich die braunen Flecken den einsamen Strand beim Fischerdorf Iwuo-Okpom entlang. Erdöl treibt die Wirtschaft Nigerias an und macht seine Strände kaputt. Regelmässig schwappt es an Land, sagen die Dorfbewohner, ruiniert ihren Fang und ihren kargen Lebensunterhalt.

Während die Weltöffentlichkeit gebannt auf die BP-Katastrophe im Golf von Mexiko starrt, gehört die Ölpest in Nigeria zum Alltag. Seit 50 Jahren fördern hier ausländische Konzerne das leicht zu raffinierende nigerianische Öl. Nach Schätzung von Umweltschützern sind seither zwei Milliarden Liter davon ins Nigerdelta geflossen - das ist ungefähr einem Tankerunglück wie bei der «Exxon Valdez» jährlich vergleichbar.

Schwarzes Rohöl verpestet die Sümpfe, die Mangroven und Wasserläufe im Nigerdelta, ein Gebiet etwa so gross wie Portugal. Doch wer ist verantwortlich, wer müsste saubermachen? Die Antworten sind so trübe wie das Wasser.

6800 Ölunfälle in 25 Jahren

«Sie zahlen, wenn in ihrem eigenen Land etwas ausläuft. Alle diese Ölfirmen kommen aus Ländern der Weissen», sagt Pastor Samuel Ayadi, der für die Fischer spricht. «Aber in unserem Land, da lassen sie die Fischer leiden.»

Nigerias Aufstieg zur Ölmacht begann 1956 mit der ersten erfolgreichen Bohrung von Royal Dutch Shell im Nigerdelta. Andere Konzerne folgten, darunter Chevron und Exxon Mobil, Total und Eni. Alle arbeiten mit der staatlichen nigerianischen Ölgesellschaft zusammen.

Die OPEC beziffert die tägliche Fördermenge auf zwei Millionen Barrel. Nach amtlichen Angaben gab es in Nigeria von 1976 bis 2001 6800 Ölunfälle, bei denen fast 500 Millionen Liter beziehungsweise drei Millionen Barrel Öl ausliefen. Umweltschützern zufolge ist darin noch nicht die Menge enthalten, die in entlegenen und gefährlichen Gebieten sowie bei Überfällen Radikaler austritt, die ein grösseres Stück des Kuchens für die Deltaregion fordern.

«Alles wird schwarz»

Von Iwuo-Okpom aus, einem Küstenort mit 7.000 Einwohnern, ist am Horizont eine winzige Flamme zu sehen: eine Bohrinsel von Exxon Mobil. Hier an der Atlantikküste kam es im Januar 1998 zu einem der schwersten Ölunfälle Nigerias, als aus einer geborstenen Mobil-Pipeline sechs Millionen Liter ins Meer liefen. Der Ölteppich breitete sich bis zur 200 Kilometer entfernten Millionenstadt Lagos aus.

Tade Amuwa räuchert in Iwuo-Okpom Fische. Die in Ortsnähe gefangenen liessen sich schlecht verarbeiten, klagt die 35-Jährige. «All das Zeug, alles wird schwarz», sagt sie und zeigt auf öldurchtränktes Treibholz und mickrige, verfärbte Fische.

Die nigerianische Tochterfirma von Exxon Mobil erklärt, sie habe Ölflecken der letzten Zeit mit Lösungsmitteln besprüht, doch sei «bedauerlicherweise etwas Öl an die Küstengebiete gelangt». Auch seien den Einheimischen Arbeitsverträge angeboten worden, beim Säubern zu helfen. Die Dorfältesten sagen, sie wüssten nichts davon.

Keine Vögel, keine Fische

Über 7000 Kilometer Pipelines laufen durch das Delta, manche jahrzehntealt, verrostet und anfällig. Nicht alle Öllecks sind den Konzernen anzulasten. Seit 2006 greifen militante Gruppen die Leitungen an, verschleppen Ölarbeiter und kämpfen gegen Regierungssoldaten. Aus Furcht vor Überfällen und Entführungen zögern die Firmen, Personal zu den Lecks zu schicken. Häufig sind die Beschäftigten auf die Bohrinseln oder militärisch bewachte Unterkünfte beschränkt.

Im Ogoniland probten die Einheimischen in den 90er Jahren den Aufstand und verjagten die Ölfirmen. Doch immer noch verlaufen Shell-Pipelines durch das Sumpfgebiet im Delta. In Bodo City im Ogoniland triefen bei Ebbe die freiliegenden Mangrovenwurzeln vor Öl. Es gibt keine Vögel am Himmel, keine Fische im Wasser. «Die sind eingegangen», sagt Mike Vipene, ein Jugendvertreter des Orts. «Die kommen nicht wieder.»

Raffinerie im Busch

Die Einheimischen geben einer lecken Shell-Pipeline die Schuld. Das Unternehmen möchte sich zu Einzelfällen nicht äussern. Einem Umweltbericht der Firma zufolge waren nahezu alle Fälle austretenden Öls vergangenes Jahr, über 15 Millionen Liter, auf Sabotage zurückzuführen.

In entlegenen Gegenden werden Pipelines öfters von kriminellen Banden angezapft. Amtlichen Schätzungen zufolge stehlen sie bis zu 15 Prozent des Öls aus dem Delta. Es wird für den Schwarzmarkt verschifft oder gleich im Busch raffiniert und am Strassenrand als Treibstoff verscherbelt. Das Motiv der Diebe ist ganz einfach, sagt Young Kibara von der Bewegung für das Überleben des Ogoni-Volks: «Armut - jeder will überleben.»

Vom Konflikt zur Krise zum Krieg

Im Gegensatz zu den Diebstählen haben die Überfälle in den vergangenen Monaten nach einem Amnestieangebot der Regierung nachgelassen. Der neue Präsident Goodluck Jonathan stammt selbst aus dem Delta und hat versprochen, sich vorrangig um eine Friedenslösung zu kümmern. Doch die Amnestie scheint an Zugkraft zu verlieren, und die vom Öl Betroffenen verlangen weiterhin Entschädigung.

Der Dorfvorsteher von Iwuo-Okpom, Okon Sunday, verlangt von Exxon Mobil Milliardensummen für seine Gemeinde. Wenn die Entschädigungsforderungen nicht ernst genommen würden, werde das unausweichlich zu Gewalt führen, warnt er: «Da wird ein Konflikt zur Krise, eine Krise zum richtigen Krieg.»

(jak/Jon Gambrell, dapd)

Das Öl-Business für Dummies

Von Markus Diem Meier.
1.3.2011

Was treibt die Erdölpreise hoch und wie bedrohlich ist das für die Wirtschaft? Die fünf wichtigsten Fragen und Antworten rund ums Öl.

Die fünf wichtigsten Fragen

1. Was treibt die Ölpreise hoch?
2. Was bedeuten steigende Ölpreise für die Weltwirtschaft?
3. Worin liegen die Gefahren durch steigende Ölpreise?
4. Welche Rolle spielt die Politik?
5. Was bedeuten steigende Ölpreise für die Schweiz?


1. Was treibt die Ölpreise hoch?

Die unmittelbare Ursache der Preisausschläge sind die Ereignisse in den arabischen Ländern. In Ägypten machte sich die Sorge breit, der Versorgungsweg durch eine wichtige Pipeline und den Suez-Kanal könnte gefährdet sein. Im Fall von Libyen besteht die Gefahr des Produktionsausfalls von einem der wichtigsten Ölproduzenten für Europa. Die in London gehandelte Ölsorte Brent hat sich seit Anfang Jahr bis letzte Woche um fast 26 Prozent auf knapp unter 120 Dollar pro Fass verteuert. Mittlerweile hat sich der Preis wieder etwas erholt und liegt bei 112 Dollar, was noch immer einem Anstieg von beinahe 20 Prozent seit Jahresbeginn entspricht. Weniger ausgeprägt war der Preisanstieg an der Börse von New York, wo die Sorte «West Texas Intermediate» oder «Crude» gehandelt wird. Weltweit haben die Börsen auf die Preisausschläge reagiert, erst deutlich mit Abschlägen, nach dem leichten Nachgeben der Preise dann wieder mit leichten Gewinnen.

Obwohl die Unsicherheit zum Ausgang in Libyen weiter anhält, hat vor allem die Ankündigung Saudiarabiens, die eigene Produktion weiter hochzuschrauben, für die kleine Entspannung an den Märkten gesorgt. Dies obwohl das saudische Öl qualitativ nicht mit dem libyschen mithalten kann und die Fähigkeiten von Saudiarabien nicht unumstritten sind, die eigene Produktion überhaupt ausreichend hochfahren zu können. So hat der bekannte Rohstoff-«Guru» Jim Rogers auf Bloomberg die Saudis offen der Lüge bezichtigt.

Der starke Anstieg der Preise in den letzten Tagen und Wochen geht weniger auf unmittelbar veränderte Ölströme zurück, sondern hat mehr mit der Spekulation darauf zu tun, dass die Versorgungsunsicherheit gefährdet bleiben oder noch zunehmen könnte. Der Grund dafür ist die wachsende Unsicherheit in der ganzen Region der wichtigsten Erdöl produzierenden Länder. Diese Unsicherheiten dürften daher auch für weitere Schwankungen der Preise sorgen. Für einen weiteren langfristigen Anstieg der Ölpreise sprechen aber auch andere Gründe: Auf der Nachfrageseite der wachsende Bedarf in boomenden aufstrebenden Volkswirtschaften und auf der Angebotsseite die von vielen behauptete Verknappung der leicht zugänglichen Ölvorräte.

2. Was bedeuten steigende Ölpreise für die Weltwirtschaft?

Steigende Ölpreise sind Gift für die Wirtschaft. Das gilt ganz besonders für Länder, die bisher wenig getan haben, um ihre Abhängigkeit vom schwarzen Gold zu reduzieren – vor allem die USA. Das Schreckbeispiel sind die 70er-Jahre, als der so genannte «Ölschock» nicht nur dieses Land, sondern gleich die ganze westliche Welt in Rezessionen gestürzt hat. Die USA, deren Wirtschaft noch immer wichtiger ist für die Weltwirtschaft als jede andere, haben die Auswirkungen der Finanzkrise noch immer nicht überwunden und befinden sich auf einem sehr fragilen Erholungspfad mit einer anhaltend hohen Arbeitslosigkeit von 9 Prozent. Weiterhin deutlich steigende Erdölpreise haben daher das Potenzial, das Land erneut in die Krise zurückzuwerfen. Da steigende Ölpreise das gesamte Preisniveau hinaufdrücken, sind aber aktuell auch stark wachsende, so genannte aufstrebende Volkswirtschaften wie zum Beispiel China gefährdet, da sich dort die Teuerungsraten ohnehin schon auf einem ungemütlich hohen Niveau bewegen.

3. Worin liegen die Gefahren durch steigende Ölpreise?

Steigende Ölpreise gefährden die Wirtschaft von zwei Seiten: Erstens allein deshalb, weil sie ganz generell zu höheren Kosten führen. Das bremst Konsum und Investitionen. Zweitens können sie zu dem führen, was als «Lohn-Preis-Spirale» bekannt ist. Wenn durch das teurere Öl das Preisniveau steigt und die Beschäftigten für diesen Aufschlag einen entsprechend höheren Lohn fordern, verteuern sich die Produktionskosten gleich noch einmal und auch die Inflation steigt weiter. Das führt zu dem, was Ökonomen eine Stagflation nennen: eine stagnierende oder sogar rückläufige Wirtschaftsleistung bei gleichzeitiger Teuerung. Gewöhnliche Rezessionen haben wenigsten den Vorteil, dass die Inflation zurückgeht oder tief ist, weil sie durch eine sinkende Nachfrage ausgelöst werden. In einer Stagflation liegt die Ursache dagegen beim Angebot an Gütern und Diensten, diese geht wegen höheren Kosten zurück.

4. Welche Rolle spielt die Politik?

Die Politik im Umgang mit gefährdeten Erdöl produzierenden Ländern spielt eine wichtige Rolle dabei, ob die Preise in nächster Zeit weiter ansteigen. So werden westliche Länder bei ihren Aktivitäten und Äusserungen sehr darauf bedacht sein, keine Reaktion zu provozieren, die in irgendeiner Weise die Erdölversorgung gefährden könnte. Schon der Erdölschock der 70er-Jahre ging auf militärisch-politische Auseinandersetzungen im arabisch-israelischen Konflikt zurück. Angesichts der unsicheren aktuellen Lage ist allerdings die Gefahr von Fehlentscheiden und entsprechenden Reaktionen hoch.

Entscheidend ist aber auch die Wirtschaftspolitik. Sie muss auf jeden Fall darauf bedacht sein, eine Lohn-Preis-Spirale zu verhindern. Dabei dürfen die höheren Energiepreise nicht auf die Teuerungserwartungen durchschlagen. Zeichnet sich eine solche Entwicklung ab, treten Notenbanken in der Regel bei ihrer Geldversorgung der Wirtschaft hart auf die Bremse. Eine solche Rosskur, die eine angesichts steigender Kosten und Preisen schon schwächelnde Wirtschaft weiter in die Krise drückt, hat zu Beginn der 80er-Jahre Paul Volcker, der damalige Notenbankchef der USA, angewandt. Damit hat er dem Land zwischenzeitlich eine Rekordarbeitslosigkeit von beinahe 11 Prozent beschert, aber gleichzeitig die Inflationsrate von 13,5 Prozent als Folge einer Lohn-Preisspirale innert zweiter Jahre wieder auf das Niveau von 3,2 Prozent hinuntergedrückt. Trotz den angestiegenen Ölpreisen befindet sich die entscheidende Kerninflation in den USA wie auch in der Schweiz allerdings noch immer auf tiefem Niveau. Die Kerninflation schliesst unter anderem Energiepreise aus. Beginnt sie auszuschlagen, wäre das ein Anzeichen für so genannte Zweitrundeneffekte. Damit ist gemeint, dass die Erdölpreise die Löhne und weitere Produkte verteuern. Die noch immer schwache Nachfrage dämpft bisher in den USA den Preisdruck

Angesichts der noch immer schwachen Wirtschaftslage und den anhaltenden Problemen im Finanzsektor ist die US-Notenbank ohnehin nicht daran, eine drohende Teuerung zu bekämpfen. Mit ihrem im letzten Jahr beschlossenen zweiten «Quantitative Easing»-Programm pumpt sie insgesamt 600 Milliarden Dollar über Käufe von US-Staatsanleihen in die Wirtschaft. Viele sehen in der dadurch geschaffenen Liquidität ebenfalls einen Grund für spekulative Erdöl- und andere Rohstoffkäufe. Ausserdem spiegelt sich allein der dadurch geschwächte Dollar in den höheren Preisen des Öls.

5. Was bedeuten steigende Ölpreise für die Schweiz?

Die Schwäche des US-Dollars ist für die Schweiz zumindest in Bezug auf die Erdölpreise ein Vorteil. Der Preisanstieg beim Öl wurde durch einen Absturz der US-Währung begleitet, die auf historischen Tiefstständen notiert. Dennoch hat der Ölpreis in den letzten Wochen prozentual deutlich stärker zugelegt, als der Dollar sich abgeschwächt hat – seit Mitte Februar ist er von 97 Rappen auf rund 93 Rappen gefallen. Das heisst, dass ein anhaltender Preisanstieg des Öls auch den Aufschwung in der Schweiz bedrohen kann. Das gilt umso mehr, als Prognoseinstitute im laufenden Jahr auch einen dämpfenden Einfluss durch schwächere Exporte als Folge der Frankenstärke erwarten.

Quelle: Tagesanzeiger.ch/Newsnetz