Turn on the Closed Captions (CC) to know the countries where the images were filmed and the first name of the interviewees.
What
is it that makes us human? Is it that we love, that we fight ? That we
laugh ? Cry ? Our curiosity ? The quest for discovery ? Driven by
these questions, filmmaker and artist Yann Arthus-Bertrand spent three
years collecting real-life stories from 2,000 women and men in 60
countries. Working with a dedicated team of translators, journalists and
cameramen, Yann captures deeply personal and emotional accounts of
topics that unite us all; struggles with poverty, war, homophobia, and
the future of our planet mixed with moments of love and happiness.
The VOL.1 deals with the themes of love, women, work and poverty.
In order to share this unique image bank everywhere and for everyone, HUMAN exist in several versions : A theatre version (3h11) , a tv version (2h11) and a 3 volumes version for the web
CONTACTS Office Yann Arthus-Bertrand : Yann2@yab.fr Project manager: jessica@human-themovie.org Head of international screenings and distribution : lara@human-themovie.org French events and non-commercial distribution : event@human-themovie.org
Bangladesch
Tausende protestieren nach Feuer in Textilfabrik
(Video: Reuters, Foto: AP)
Die Frauen nähen wie Getriebene, sie werden beleidigt, sexuell
belästigt, geschlagen. Die Textilproduktion für westliche Konzerne in
Billiglohnländern fußt auf der Ausbeutung von Frauen. Wenn Menschen bei
der Herstellung von Billigtextilien sterben wie jetzt in Bangladesch,
ist der Aufschrei jedes Mal groß. Doch an der Situation ändert sich
nichts.
Von Karin Steinberger und Stefan Weber
Jetzt werden wieder alle aufschreien. So wie im September 2012, als in Pakistan zwei Fabriken abbrannten und mehr als 300 Menschen in den Trümmern erstickten.
Es sind immer die gleichen Bilder: verschmurgelte Nähmaschinen, Männer,
die mit bloßen Händen nach ihren Frauen oder Töchtern graben. Es sind
immer die gleichen Probleme: abgesperrte Notausgänge, vergitterte
Fenster, gefälschte Sicherheitszertifikate, korrupte Fabrikbesitzer. Es
sind immer die gleichen Ausreden: der Druck der Weltwirtschaft.
Jetzt kommen die Bilder also aus Bangladesch.
Jetzt graben die Männer in Savar nach den Resten ihrer Frauen, sammeln
Sandalen und bunte Schals aus der Asche. Mehr als 112 Menschen sind am
Wochenende in der Tazreen-Fashion-Fabrik gestorben, in der jeden Monat
eine Million T-Shirts, 800.000 Polo-Shirts und 300.000 Fleecejacken
produziert wurden, unter anderem für C&A, Carrefour, Kik und
Walmart. Fliederfarben, orange, wie es die Branche gerade wünscht. Jeder
neue Trend in Europa bedeutet, dass die Frauen in Bangladesch
Überstunden machen.
In Bangladesch trauerten sie, Nationalflaggen im ganzen
Land wurden auf Halbmast gesetzt, in den Tempeln beteten die Menschen,
Politiker sagten, was zu sagen ist. Dann schlug die Trauer um in Wut.
Tausende Arbeiter gingen in den vergangenen Tagen auf die Straße,
bewarfen Fabrikgebäude mit Steinen, zerstörten Autos und blockierten
Straßen. Hunderte Fabriken wurden geschlossen.
Ein Mindestlohn von 46 Euro im Monat
Es herrscht eine Stimmung wie im Sommer 2010,
als Zehntausende durch die Straßen der Hauptstadt Dhaka zogen und für
eine bessere Bezahlung in der Branche demonstrierten. Damals kämpften
sie für einen Mindestlohn von 5000 Taka im Monat, 46 Euro. Sie hatten es
satt, mit einem Drittel davon abgespeist zu werden. Sie hatten es satt,
ihr Leben zu riskieren für so wenig Geld. Nichts hatte man von ihnen
gehört in all den Jahren, nichts gelesen außer dem kleinen Schild hinten
in zahllosen T-Shirts und Hosen, in Millionen von knappen
Sommerkleidchen und dicken Winterpullovern: Made in Bangladesch.
Jetzt standen sie auf der Straße, die meisten von ihnen
Frauen. Mit glitzernden Ohrringen und golddurchwirkten Saris. Es war
das erste Mal, dass sie aufbegehrten. Die Fabrikdirektoren jammerten,
dass sie die Forderungen ihrer westlichen Auftraggeber nicht werden
erfüllen können. Es gab Verletzte, Tote. Dann war wieder Ruhe.
Bangladesch
Erneut Brand in einer Textilfabrik
Nur drei Tage nach dem tödlichen Großbrand in einer Textilfabrik
ist in einem weiteren Betrieb in Bangladesch ein Feuer ausgebrochen.
Derweil gingen Tausende Arbeiter auf die Straße, um ihrer Wut über den
verheerenden Großbrand vom Wochenende Luft zu machen.
Millionen von Menschen arbeiten in den
Bekleidungsfabriken Bangladeschs. Die Textilindustrie ist der wichtigste
Industriezweig des Landes. Knapp zehn Prozent aller Textilimporte von
Europa kommen aus Bangladesch, das nach China und der Türkei der
drittgrößte Exporteur von Kleidung nach Europa ist. In einer Umfrage
unter den Einkaufschefs großer Modeunternehmen nannten mehr als drei
Viertel der Befragten Bangladesch als das am stärksten aufstrebende
Einkaufsland für Textil. Aber zu welchem Preis?
Nach Angaben der "Kampagne für Saubere Kleidung" starben in Bangladesch
seit 2006 mehr als 470 Menschen bei Bränden in Textilfabriken. Die
Sicherheitsmaßnahmen aber sind meist noch genau so lausig wie schon
immer. Elektrokabel hängen ungeschützt von der Decke, Notausgänge sind
verschlossen, wenn es überhaupt welche gibt. Fenster sind vergittert.
Übungen zum Brandschutz? Meist unbekannt.
Gisela Burckhardt von der "Kampagne für Saubere
Kleidung" kämpft seit Jahren für bessere Arbeitsbedingungen, für eine
bessere Bezahlung und für bessere Sicherheitsmaßnahmen in der Branche.
Sie hat Diagramme erstellen lassen, in denen gezeigt wird, wie sich der
Preis der Kleider zusammensetzt: 50 Prozent Gewinn und Kosten des
Einzelhandels, 25 Prozent Markenwerbung, 13 Prozent Fabrikkosten, 11
Prozent Transport und Steuern. Und nur ein Prozent Lohnkosten.
Vor ein paar Jahren hat sie Arbeiterinnen aus
Bangladesch nach Deutschland eingeladen. Sie sollten der Ausbeutung ein
Gesicht geben und den deutschen Käufern zeigen, wer den Preis zahlt für
Kleidungsstücke, die so billig sind, dass man sich schämen muss.
Suma Sarker stand in ihrem glitzernden Gewand im
Neonlicht eines Kik-Discounters in Mannheim und fuhr mit der Hand über
die bunten Nähte kleiner Kinderhosen. Winzige Reisverschlüsse, zierliche
Hosentaschen. 60 bis 70 dieser Taschen näht sie in der Stunde. Dann sah
sie das Preisschild: 4,99 Euro. Und konnte es selbst nicht glauben, wie
billig ihre Arbeit ist.
Die Frauen nähen wie Getriebene. Und auch das:
Sie werden beleidigt, sexuell belästigt, geschlagen. Wer einer
Gewerkschaft beitritt, riskiert es, den Job zu verlieren. Gisela
Burckhardt kennt das schon, wenn ihre Telefone nicht mehr stillstehen
nach einer Katastrophe wie dieser. Und in der Zeit dazwischen? Hat sie
Mühe, das Thema zu den Menschen zu bringen.
Brandschutzabkommen werden von H&M und Gap verhindert
Sie sagt: "Es ist dringend notwendig, das Brandrisiko
branchenweit zu bekämpfen. Nur wenn man Gewerkschaften vor Ort mit
einbindet, wird sich etwas ändern." Immerhin: Tchibo und die
US-Bekleidungsfirma PVH, zu der Marken wie Tommy Hilfiger und Calvin
Klein gehören, haben ein Brandschutzabkommen mit
Arbeitnehmervertretern vereinbart.
Es kann allerdings erst in Kraft treten, wenn
mindestens vier große Modefirmen mitmachen. Firmen wie H&M und Gap
weigern sich bis jetzt. Gisela Burckhardt hofft nun auf Metro (Real,
Kaufhof) und Lidl. Beide hat die "Kampagne für Saubere Kleidung" vor
kurzem aufgefordert, das Brandschutzabkommen zu unterzeichnen. Bis jetzt
- keine Antwort.
Das Problem ist nicht, dass es keine
Zertifizierungssysteme gibt. Im Gegenteil. Allein deutschen Unternehmen
stehen etwa 80 verschiedene Instrumente zur Verfügung. Viele Firmen
haben außerdem selbst einen Code of Conduct oder Compliance-Richtlinien
festgelegt. Aber Aufträge werden von Subunternehmer zu Subunternehmer
weitergereicht. Die wenigsten Firmen kennen ihre Lieferkette. Gisela
Burckhardt macht das wütend, wie sich die große Firmen seit Jahren
herausreden. Sie will verhindern, dass es so ist wie immer: Es werden
alle aufschreien.
Aber passieren wird - nichts.
Nirgendwo sonst in Afrika wird so viel Kupfer produziert wie in
Mufulira. Der Schweizer Rohstoffkonzern Glencore betreibt in dieser
Stadt in Sambia mehrere Untertageminen und eine riesige Kupferhütte.
Mufulira heisst zu Deutsch „Ort des Reichtums“. «Reporter» zeigt ein
Portrait der Minenstadt und geht der Frage nach, wie die Einwohner vom
Rohstoffreichtum profitieren.
Glencore hat die Mine in Sambia
2001 übernommen und die Kupferproduktion massiv gesteigert. Dabei sind
die Schwefeldioxid-Emissionen des Werks derart angestiegen, dass sie
Gesundheitsschäden verursachen, wie der Chefarzt des Spitals, Makasa
Sichela, erzählt: „Wenn die Fabrik viel Abgase ausstösst, werden hier
Neugeborene mit Atemnot und Lungeninfektionen eingeliefert.“
Die
Schweizer Besitzer sind daran die Kupferhütte zu erneuern. Dabei werden
einige der Umweltprobleme nicht gelöst, sondern verlagert, wie Reporter
Res Gehriger in Mufulira feststellt.
von: Martin Vetterli, Beobachter,
Zuletzt aktualisiert:
30.07.2012
Bodenschätze: Wie Glencore Afrika ausnimmt
Entwicklungsländer exportieren immer mehr
Bodenschätze. Doch reich werden damit nur die weltweit tätigen
Rohstoffkonzerne. Zum Beispiel der Schweizer Riese Glencore im Kongo.
Meinrad SchadeWillis D.
Vaughn
Er fördert wie Tausende andere in Handarbeit Rohstoffe für den
Westen: selbständiger Schürfer in Kamatanda, Kongo
Das Operationsfeld sind Staaten, die so schwach und korrupt
sind, dass sie keine Gegenwehr leisten. Dort lassen Männer wie Glencore-Chef
Ivan Glasenberg Erze in rauen Mengen abbauen. Die Milliardengewinne versteuern
sie aber andernorts, wo die Steuersätze gegen null tendieren. Auf der Strecke
bleiben Länder wie die Demokratische Republik Kongo, eines der ärmsten Länder
der Welt. Auf dem Wohlstandsbarometer der Uno steht es auf Rang 187 von 187,
auf dem Korruptionsindex auf Platz 168 von 182.
Für Entwicklungspolitiker ist der Kongo ein Alptraum. Nach drei
Bürgerkriegen ist die Infrastruktur zerstört, der Staat ein Wrack. Vier von fünf
Kongolesen leben von weniger als 20 Rappen am Tag. Vier von fünf haben keinen
Zugang zu medizinischer Versorgung. Vier von fünf sind unterernährt. Die
Jugendarbeitslosigkeit beträgt 70 Prozent. Jedes achte Kind stirbt vor dem
ersten Geburtstag, eines von vier besucht die Schule. Das Land zählt 10'000
Festnetzanschlüsse – und 71 Millionen Einwohner.
Meinrad SchadeWillis D.
Vaughn
Auch die Gewinne werden exportiert: Kupfermine im Kongo
Glencore weiss, wie man Steuern umgeht
Dabei ist der Kongo mit Bodenschätzen gesegnet: Gold, Diamanten
und das für die Computerindustrie wichtige Erz Coltan. In der Südprovinz Katanga
liegen 80 Prozent der Kobalt- und 10 Prozent der weltweiten Kupferreserven. Vor
30 Jahren stammten 70 Prozent der Steuereinnahmen der Provinz aus dem Bergbau,
2006 waren es noch 7 Prozent. In Katanga baut auch der Zuger Branchengigant
Glencore Kupfer ab. Sein Konzerngewinn liegt aktuell bei 4,1 Milliarden Dollar.
Die Steuerquote ist ein Witz. 2010 fiel sie unter zehn Prozent – dank einer
Unternehmensstrategie, die konsequent auf Steuervermeidung zielt.
Wie Glencore vorgeht, haben die christlichen Hilfswerke
Fastenopfer und Brot für alle im Kongo recherchiert. Das erstaunliche Ergebnis:
Die dortigen Glencore-Firmen schreiben rote Zahlen. Den Gewinn streichen die
Glencore-Filialen ein, die Büros in Steuerparadiesen haben.
Die Hilfswerke werfen dem Rohstoffmulti vor, den Kongo in den
letzten zwei Jahren um bis zu 196 Millionen Dollar geprellt zu haben. Gelder,
die das Land für den Wiederaufbau dringend nötig hätte. Glencore verwendet es
lieber anders. Etwa, um die Manager des Bergbaukonzerns Xstrata mit einem
370-Millionen-Franken-Almosen für eine Fusion gefügig zu machen. Das Vorhaben
wurde Ende Juni vertagt; der Staatsfonds von Qatar, zweitgrösster
Xstrata-Aktionär, will mehr Geld sehen.
Auch die kongolesische Glencore-Filiale Kamoto Copper Company
(KCC) schreibt Verlust – zumindest offiziell. Laut einem Firmeninsider
deklarierte sie 2011 gegenüber dem kongolesischen Staat 225 Millionen Dollar
Verlust – eine Zahl, die sie nie öffentlich machte. Gemäss dem konsolidierten
Bericht der Mutterfirma verdiente KCC aber 110 Millionen.
Die Gewinne flossen durch das Glencore-Firmensystem ab. Das
funktioniert, weil KCC zu drei Vierteln fünf Glencore-Töchtern gehört, die eins
gemeinsam haben: einen Firmensitz in einer Steueroase. Diese fünf sind im Besitz
der in Toronto kotierten Katanga Mining. Die wiederum ist zu 75 Prozent in
Glencore-Hand (siehe nachfolgende Grafik).
Meinrad SchadeWillis D.
Vaughn
Das System Glencore: Steuern sparen nach Zuger Art
Die Minenfirma Kamoto Copper Company weist gegenüber dem
kongolesischen Staat Verluste aus – und muss deshalb nur ein Promille des
Umsatzes versteuern. Die Gewinne streichen Glencore-Filialen in Steueroasen und
der Mutterkonzern in der Schweiz ein.
Zehn Konzerne, 6000 Tochterfirmen
Die Glencore-Filialen hängen eng zusammen. So arbeitet die
Zuger Katanga Mining Services für KCC. Dafür kassierte sie einen beträchtlichen
Teil der 202,8 Millionen Dollar (2010: 111,5 Millionen), die das
Minenunternehmen für «andere Serviceleistungen» ausweist. Ob diese zu
marktüblichen Preisen verrechnet werden, lässt sich kaum überprüfen. Das gilt
auch für die letztes Jahr bezahlten 208,3 Millionen Dollar Zinsen (2010: 190,2
Millionen), die KCC verschiedenen Glencore-Töchtern zahlte.
Im Kongo, wo die Unternehmenssteuern 30 Prozent betragen,
fallen nur Verluste an. Versteuern muss KCC gemäss Minengesetz so nur ein
Promille des Umsatzes. Zudem kann sie ihre Milliardeninvestitionen beschleunigt
abschreiben und Verluste über fünf Jahre von späteren Gewinnen abziehen: 2008
beendete die Firma mit einem Minus von 1,25 Milliarden Dollar. Der Kupferpreis
war eingebrochen, die Erträge sanken, man stufte den Wert der Kupferreserven
ab, schob Projekte auf die lange Bank. Der Buchverlust ist eine Garantie, dass
KCCs Steuerlast leicht bleibt.
Steuersparen mit komplexen Firmenstrukturen gehört zum
Geschäft der Rohstoffbranche. Den zehn grössten Konzernen gehören 6038
Tochterfirmen. Jede dritte hat den Firmensitz in einer Steueroase. Bei Glencore
ist fast die Hälfte der 46 Töchter in einem Steuertiefstland zu Hause.
Fastenopfer und Brot für alle vermuten auch, dass Glencore die
Umsatzzahlen im Kongo manipuliert. Mutanda Mining, die andere
Glencore-Minengesellschaft vor Ort, wies für 2011 eine Produktionsmenge von
63'700 Tonnen Kupfer aus. Eine Quelle, die die Zahlen kennen muss, sagt: Es
waren 10'000 Tonnen mehr. Der Kongo verurteilte Katanga Mining Anfang Mai zu
Steuernachzahlungen und einer Busse von 14,5 Millionen Dollar. Die Firma hatte
im ersten Quartal zu tiefe Kupferexporte angegeben.
«Glencore hält sich an die Vorschriften»
Laut den Hilfswerken beschäftigt KCC zudem im Kongo 136
Ausländer zu 100 Prozent – diese besitzen aber Beraterverträge ausländischer
Glencore-Filialen. Für die Angestellten der perfekte Deal. Sie müssen im Kongo
deutlich weniger als die sonst fälligen 25 Prozent an den Staat abliefern. Auch
damit entgehen dem Land Millionen.
Der Kongo ist nicht das einzige Land, in dem Glencore
aggressiv Steuern optimiert. Im benachbarten Sambia wies ihre Minengesellschaft
Mopani zwischen 2000 und 2008 konstant Verluste aus. Externe Prüfer entdeckten
Unregelmässigkeiten, etwa aufgeblasene Betriebskosten. Jetzt ermittelt eine
Kommission des britischen Parlaments.
Für Glencore ist trotzdem «nicht nachvollziehbar», auf welcher
Grundlage die Vorwürfe der beiden Hilfsorganisationen basieren. «Glencore hält
sich an sämtliche Steuer- und anderen Vorschriften der Demokratischen Republik
Kongo», teilt Sprecher Bernhard Schmid dem Beobachter mit. KCC und Mutanda
hätten letztes Jahr dem Kongo 166 Millionen Dollar Steuern abgeliefert. Und die
Steuerleistungen würden «in den nächsten Jahren substantiell wachsen, weil das
gegenwärtig hohe Investitionsniveau entsprechende Einnahmen zu generieren
beginnt». Auch habe die Zahl ausländischer Mitarbeiter «signifikant
abgenommen». Man versuche, «wo immer möglich kongolesische Staatsangehörige zu
beschäftigen».
USA und EU handeln, die Schweiz wartet ab
Die Konsequenzen aggressiver Steuervermeidung spüren alle
Förderländer. Obwohl sich der Preis von Gold, Silber und Nickel verdreifachte,
jener von Kupfer, Platin und Zinn auf das Vierfache kletterte, Blei fünfmal
teurer wurde, blieben ihre Einnahmen zwischen 2003 und 2008 praktisch gleich.
Laut Schätzungen der OECD entgehen den Entwicklungsländern jährlich 160
Milliarden Dollar Steuereinnahmen. Das ist deutlich mehr als die 125 Milliarden,
die alle OECD-Länder zusammen in die Entwicklungszusammenarbeit investieren.
Gegen diese Form der Steuerflucht gäbe es ein wirksames
Mittel: transparentere Konzernrechnungen. Müssten die Firmen wichtige
Kennziffern wie Umsatz, Gewinn, Steuerkosten länderweise ausweisen, kämen
unsaubere Steuerpraktiken eher ans Licht. Wenn etwa eine auf den Bahamas
beheimatete Tochterfirma ohne Personal 10 Prozent des Konzerngewinns erzielt,
liegt der Verdacht nahe, dass es sich um eine Briefkastenfirma handelt.
In den USA und in der EU gibt es Anstrengungen, dieses
«Country-by-Country-Reporting» einzuführen, die Schweiz wartet jedoch ab.
Glencore hält solche Pläne gar für «nicht nützlich». Die Kosten für eine
Rechnungslegung nach Ländern stünden in keinem Verhältnis zum Erkenntnisgewinn,
sagt ihr oberster Steuerexperte Tim Scott.
Ganz anders sieht es Andreas Missbach von der Erklärung von
Bern: «Entwicklungsländer brauchen mehr als nur ausländische Hilfe, um
dauerhafte Fortschritte in der Armutsbekämpfung zu machen. Sie müssen rasch ihre
Steuereinnahmen erhöhen und den Kapitalabfluss eindämmen.» Steueroptimierung à
la Glencore sei nur möglich, solange jede Tochterfirma separat besteuert werde.
«Die Fiktion der Selbständigkeit verkennt, dass viele dieser Konstrukte einzig
dem Zweck dienen, die Steuerzahlungen der Muttergesellschaft zu drücken.»
François Mercier von Fastenopfer sagt: «Wir wollen mit neuen
Rechnungslegungsvorschriften ein Stück Transparenz schaffen.» Wenn klar werde,
wie transnationale Konzerne Gewinne ins Ausland schaffen, könnten betroffene
Länder besser reagieren – und etwa die Exporte stärker besteuern. «Wir sagen
nicht, die Rohstoffkonzerne müssten raus aus dem Kongo. Sie sollen dort nur
endlich fair Steuern zahlen.»
Heute zum Thema "Beitragen statt tauschen" was etwas institutionalisierter unter dem Namen "Peer-Production" bekannt ist.
Peer-Produktion ist die freiwillige Kooperation zwischen Gleichberechtigten (englisch: peers), die zu einem gemeinsamen Ziel beitragen. Bezahlt werden sie dafür nicht.
In den letzten Jahrzehnten ist eine neue Produktionsweise entstanden, die auf Kooperation und Teilen beruht. Diese Produktionsweise hat ausgereifte Betriebssysteme wie GNU/Linux sowie unzählige andere Freie Softwareprogramme hervorgebracht. Auch riesige Wissenssysteme wie die Wikipedia, eine große Bewegung Freier Kultur, und die sogenannte Blogosphäre – ein neues, dezentralisiertes Medium für die Verbreitung und Diskussion von Nachrichten und Wissen – sind auf ihrer Grundlage entstanden.
Bislang wird diese neue Produktionsweise – Peer-Produktion genannt – allerdings nur bei Informationsgütern praktiziert. In diesem Buch wird die Frage diskutiert, ob diese Beschränkung notwendig ist oder ob das Potential der Peer-Produktion weiter reicht. Ist eine Gesellschaft möglich, in der Peer-Produktion die dominierende Produktionsweise ist?
Wie könnte eine Gesellschaft aussehen, wo die Bedürfnisse, nicht der Profit bestimmen, was und wie produziert wird? Wo es keinen Bedarf gibt, irgendetwas zu verkaufen, und somit auch keine Arbeitslosigkeit? Wo Konkurrenz eher ein Spiel ist als ein Kampf ums Überleben? Wo es keinen Unterschied mehr zwischen Menschen mit und Menschen ohne Kapital gibt? Eine Gesellschaft, die keine Knappheit braucht und in der es dumm wäre, Ideen und Wissen geheim zu halten statt sie zu teilen?
Inzwischen glaube ich auch, dass die formelle Ebene des Aufwand-Abrechnens typischerweise ganz verzichtbar sein dürfte. Bei Freier Software und anderen heute verbreiteten Formen von Peer-Produktion funktioniert es ja auch ohne Aufwands-Abrechnung, und ich denke inzwischen, dass Ähnliches auch in der materiellen Welt möglich ist. Darüber schreibe ich in meinem neuen Text über „Selbstorganisierte Fülle“.
Diese Dokumentation zeigt, dass die Schokoladen-Industrie Kinderhandel und Kinderarbeit zumindest duldet. Denn sonst müssten die Hersteller mehr unternehmen, und wirklich nur von Herstellern kaufen, bei denen garantiert keine Kinder arbeiten.
Ferrero, Guylian, Hofbauer, Lindt, Mars, Milka, Nestlé, Storck oder Suchard schneiden weiterhin bei Ökologie, Soziales und Tierschutz nur mit „Kritisch" oder „Ungenügend" ab.
Workingman’s Death ist ein Dokumentarfilm von Michael Glawogger aus dem Jahr 2005. Er zeigt fünf Beispiele körperlicher Schwerstarbeit unter extremen Bedingungen an verschiedenen Orten der Erde.