Turn on the Closed Captions (CC) to know the countries where the images were filmed and the first name of the interviewees.
What
is it that makes us human? Is it that we love, that we fight ? That we
laugh ? Cry ? Our curiosity ? The quest for discovery ?
Driven by
these questions, filmmaker and artist Yann Arthus-Bertrand spent three
years collecting real-life stories from 2,000 women and men in 60
countries. Working with a dedicated team of translators, journalists and
cameramen, Yann captures deeply personal and emotional accounts of
topics that unite us all; struggles with poverty, war, homophobia, and
the future of our planet mixed with moments of love and happiness.
The VOL.1 deals with the themes of love, women, work and poverty.
In order to share this unique image bank everywhere and for everyone,
HUMAN exist in several versions :
A theatre version (3h11) , a tv version (2h11) and a 3 volumes version for the web
CONTACTS
Office Yann Arthus-Bertrand : Yann2@yab.fr
Project manager: jessica@human-themovie.org
Head of international screenings and distribution : lara@human-themovie.org
French events and non-commercial distribution : event@human-themovie.org
Official website HUMAN : http://www.human-themovie.org
For further contents, visit http://g.co/humanthemovie
Enjoy and share #WhatMakesUsHUMAN
Watch the full film from September 12 at https://www.youtube.com/channel/UCJy4...
All these shoots were carbon-offset through the GoodPlanet Foundation’s United Carbone Action program: http://www.goodplanet.org/en/united-c...
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Dienstag, 22. November 2016
HUMAN Extended version VOL.1
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Dienstag, 30. August 2016
Ethics of Consumption - cultural capitalism
In this RSA Animate, renowned philosopher Slavoj Zizek investigates the surprising ethical implications of charitable giving.
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Montag, 19. Oktober 2015
Privatisierte Gemeinwesen
Privatisierte Gemeinwesen
Die Stadt als Festung
Originalartikel: http://www.nzz.ch/feuilleton/kunst_architektur/die-stadt-als-festung-1.18629764
Überall auf der Welt entstehen derzeit luxuriöse Privatstädte, die einer breiteren Öffentlichkeit keinen Zutritt bieten. Was bedeutet diese Entwicklung für das Gemeinwesen?
Überall auf der Welt entstehen derzeit luxuriöse Privatstädte, die einer breiteren Öffentlichkeit keinen Zutritt bieten. Was bedeutet diese Entwicklung für das Gemeinwesen?
- von Adrian Lobe
Es
ist ein spektakulärer Plan: Der US-Ökonom Paul Romer will in der
Dritten Welt ganze Städte neu gründen. «Charter Cities» heisst seine
Vision. Das Konzept ist ebenso simpel wie radikal: Ein Entwicklungsland
stellt eine nicht besiedelte Fläche zur Verfügung und schliesst mit
einem Investor bzw. einer Industrienation einen Gründungsvertrag ab,
eine Charta, in der das gesamte Rechtssystem der Stadt festgelegt ist.
Mit frischem Wagniskapital und schlanken Staatsstrukturen soll so eine
prosperierende Metropole aus dem Boden gestampft werden: gleichsam eine
Stadt als Startup. Der Ökonom ist überzeugt, man könne ein zweites
Hongkong überall auf der Welt implantieren, es müssten nur die
Rahmenbedingungen stimmen.
Man kann die Charter City auf die Formel bringen: Die armen Länder liefern das Land, die reichen Know-how und Gesetze. Die Menschen entkleiden sich ihrer demokratischen Mitsprache, in der Hoffnung, einen Arbeitsplatz zu finden. Job gegen Stimmzettel – das ist der Deal. Unter dem Statut der Zede würde zwar das Selbstbestimmungsrecht formal erhalten bleiben, doch die Rechte würden massiv eingeschränkt. Alles würde dem Ziel der Investoren untergeordnet.
Dabei stellt sich die Frage, wem die Stadt eigentlich gehört. Den Bewohnern oder den Geldgebern? In seinem Buch «City of Quartz» zeichnete der amerikanische Historiker und Stadtsoziologe Mike Davis schon 1990 am Beispiel von Los Angeles das Bild einer Hochsicherheitsstadt mit privatisierten Enklaven und Wohnanlagen, die von der Polizei bewacht und geschützt werden. Die Stadt wird zu einer Festung. Solche abgeschotteten Siedlungen sind vielerorts bereits Realität – in Kalifornien genauso wie in Brasilien oder Malaysia. Diejenigen, die es sich leisten können, ziehen sich in die isolierte Welt von Gated Communities zurück. Der grenzenlose Wille zur Sicherung der Stadt, argumentiert Davis, führe zwangsläufig zu einer Abwertung öffentlicher Räume. Das eigentliche öffentliche Leben findet hinter verschlossenen Mauern statt. In Dubai gibt es bereits ganze Stadtteile, deren glitzernde Konsumtempel und Luxuswohntürme grösstenteils im Besitz privater Investoren sind.
Die Occupy-Aktivistin Naomi Colvin sagte gegenüber dem «Guardian»: «Es ist eine Vision einer Gesellschaft, in der man arbeiten und einkaufen kann. Und in Zeiten, wo man weder arbeitet noch shoppt, kann man in Restaurants gehen.» Aus Bürgern werden Konsumenten – ähnlich wie bei Paul Romers Charter City. Hierin zeigt sich die Vorstellung einer konsumistischen Gesellschaft, in der der Einzelne lieber Geld ausgeben als demonstrieren soll. Auf der von Thomas Heatherwick projektierten Garden Bridge in London, einem künftigen städtischen Themenpark, soll dereinst politischer Protest verboten werden und sollen Gruppen von mehr als acht Personen nur nach vorangegangener Reservierung zugelassen werden – und dies, obwohl die öffentliche Hand an diesem Privatprojekt beteiligt ist. Die Verbreitung von gesicherten und privatisierten Plätzen macht das städtische Erlebnis vergleichbar mit einem Besuch in einem exquisiten Klub mit edlem Ambiente. Alles ist schön und gut, aber man muss es sich leisten können.
Nachdem bereits vor zwanzig Jahren die Walt Disney Company die kleine, nach ihren Vorstellungen verwaltete «Idealstadt» Celebration in Florida realisiert hat, entsteht derzeit vor den Toren der nigerianischen Megastadt Lagos ein weit radikaleres Projekt: «Eko Atlantic City». Auf einer künstlichen Insel werden luxuriöse Wohnblöcke, palmengesäumte Avenuen und Wolkenkratzer gebaut. Hier sollen dereinst 250 000 Menschen wohnen und 150 000 Arbeitsplätze in Bürotürmen entstehen, die für Banken aus Afrika, Europa und den USA in den Himmel wachsen werden. Das Projekt könnte eine Vorbildfunktion für die Zukunft übernehmen: eine privatisierte Enklave für Wohlhabende, die sich räumlich von den Slums abgrenzt und über ein eigenes Versorgungsnetz (Strom, Wasser, Gas usw.) verfügt. Die Separation zwischen Arm und Reich gab es ja schon immer. Neu ist hingegen, dass sich Reiche ihre eigenen Städte bauen. In diesen privaten Städten vollzieht sich eine moralische und soziale Sezession von der Gesellschaft. Die idealtypische Polis, die Keimzelle der Demokratie, gerät unter Druck, und der öffentliche Raum verschwindet mehr und mehr.
Der Ökonomieprofessor Alexander T. Tabarrok vom James M. Buchanan Center for Political Economy der George Mason University in Fairfax, Virginia, ist einer der wenigen Intellektuellen, die sich für die Privatstadt engagieren. Im Gespräch sagt er: «Die meisten neuen Städte werden in Entwicklungsländern gebaut, und dort haben die Regierungen beim Thema Armut versagt. Wenn Städte kein Wasser, keinen Strom und keine Kanalisation zu liefern imstande sind, können die Reichen diese Aufgabe durch private Alternativen ersetzen – die Armen können das nicht.» Ein System privater, kompetitiver Städte eröffne die besten Chancen für die effiziente Erbringung öffentlicher Daseinsvorsorge.
Als Beispiel nennt er die indische Stadt Jamshedpur («Steel City»). Sie wurde 1908 von Tata Steel als Arbeiterstadt gegründet. Im Gegensatz zu russigen Schwerindustrierevieren anderswo ist Jamshedpur eine recht ansehnliche Stadt mit grosszügigen Parkanlagen und einem intakten Strassennetz. Die Steel City zählt zu den wohlhabendsten Städten Indiens. «Wir brauchen mehr Städte wie Jamshedpur», fordert Tabarrok. Die Stadt hat insofern exklusiven Charakter, als sie ausschliesslich Mitarbeitern der Tata-Gruppe Zugang zu günstigem Wohnraum verschafft – ähnlich wie einst die Bata-Städte.
Autonome Modellstädte
Im Jahre 2011 verhandelte Romer mit der honduranischen Regierung über die Schaffung von Sonderwirtschaftszonen (Zonas Especiales de Desarrollo Económico, kurz: Zede), die das Land aus dem Klammergriff der Kriminalität und Korruption befreien sollen. Der Kongress erliess ein Dekret, das den «Modellstädten» vollständige Autonomie, ja fast schon Souveränität gewährte. Gegen die Pläne aber regte sich Widerstand. Namentlich die Volksgruppe der Garifuna, die für den Bau einer Investorenstadt hätte umgesiedelt werden müssen, protestierte gegen das Projekt. Noch bevor die Bagger anrollten, erklärte das Verfassungsgericht die Charter City für verfassungswidrig. Das Projekt unterminiere die nationale Souveränität. Romer zog sich zurück. Unter dem jetzigen konservativen Präsidenten Juan Orlando Hernández soll eine abgespeckte Version in Form einer Sonderverwaltungszone in der Stadt Amapala geschaffen werden, gewissermassen eine «Charter City light». Südkorea hat für das Projekt bereits 40 Milliarden Dollar Unterstützung zugesagt.Man kann die Charter City auf die Formel bringen: Die armen Länder liefern das Land, die reichen Know-how und Gesetze. Die Menschen entkleiden sich ihrer demokratischen Mitsprache, in der Hoffnung, einen Arbeitsplatz zu finden. Job gegen Stimmzettel – das ist der Deal. Unter dem Statut der Zede würde zwar das Selbstbestimmungsrecht formal erhalten bleiben, doch die Rechte würden massiv eingeschränkt. Alles würde dem Ziel der Investoren untergeordnet.
Dabei stellt sich die Frage, wem die Stadt eigentlich gehört. Den Bewohnern oder den Geldgebern? In seinem Buch «City of Quartz» zeichnete der amerikanische Historiker und Stadtsoziologe Mike Davis schon 1990 am Beispiel von Los Angeles das Bild einer Hochsicherheitsstadt mit privatisierten Enklaven und Wohnanlagen, die von der Polizei bewacht und geschützt werden. Die Stadt wird zu einer Festung. Solche abgeschotteten Siedlungen sind vielerorts bereits Realität – in Kalifornien genauso wie in Brasilien oder Malaysia. Diejenigen, die es sich leisten können, ziehen sich in die isolierte Welt von Gated Communities zurück. Der grenzenlose Wille zur Sicherung der Stadt, argumentiert Davis, führe zwangsläufig zu einer Abwertung öffentlicher Räume. Das eigentliche öffentliche Leben findet hinter verschlossenen Mauern statt. In Dubai gibt es bereits ganze Stadtteile, deren glitzernde Konsumtempel und Luxuswohntürme grösstenteils im Besitz privater Investoren sind.
Bürger werden Konsumenten
Städte verkaufen mittlerweile nicht nur Immobilien, sondern auch öffentliche Orte. In Athen soll der alte Flughafen Ellinikon privatisiert und in ein Spielkasino umgewandelt werden, das an die Marina Bay in Singapur erinnert. Der 2012 eröffnete Granary Square in London ist in den Händen eines Investors. Und der Paternoster Square gehört der Mitsubishi Estate Company. Als Mitglieder der Protestbewegung Occupy auf dem Platz nahe der St. Paul's Cathedral demonstrieren wollten, erwirkte Mitsubishi eine einstweilige Verfügung, die den öffentlichen Zugang untersagte. Der Paternoster Square sei ein privater Ort, auf dem das Recht auf Demonstrationsfreiheit keine Anwendung finde, urteilte der High Court. Ein verstörender Vorgang: Ein Konzern darf in einer Stadt über Grundrechte disponieren.Die Occupy-Aktivistin Naomi Colvin sagte gegenüber dem «Guardian»: «Es ist eine Vision einer Gesellschaft, in der man arbeiten und einkaufen kann. Und in Zeiten, wo man weder arbeitet noch shoppt, kann man in Restaurants gehen.» Aus Bürgern werden Konsumenten – ähnlich wie bei Paul Romers Charter City. Hierin zeigt sich die Vorstellung einer konsumistischen Gesellschaft, in der der Einzelne lieber Geld ausgeben als demonstrieren soll. Auf der von Thomas Heatherwick projektierten Garden Bridge in London, einem künftigen städtischen Themenpark, soll dereinst politischer Protest verboten werden und sollen Gruppen von mehr als acht Personen nur nach vorangegangener Reservierung zugelassen werden – und dies, obwohl die öffentliche Hand an diesem Privatprojekt beteiligt ist. Die Verbreitung von gesicherten und privatisierten Plätzen macht das städtische Erlebnis vergleichbar mit einem Besuch in einem exquisiten Klub mit edlem Ambiente. Alles ist schön und gut, aber man muss es sich leisten können.
Nachdem bereits vor zwanzig Jahren die Walt Disney Company die kleine, nach ihren Vorstellungen verwaltete «Idealstadt» Celebration in Florida realisiert hat, entsteht derzeit vor den Toren der nigerianischen Megastadt Lagos ein weit radikaleres Projekt: «Eko Atlantic City». Auf einer künstlichen Insel werden luxuriöse Wohnblöcke, palmengesäumte Avenuen und Wolkenkratzer gebaut. Hier sollen dereinst 250 000 Menschen wohnen und 150 000 Arbeitsplätze in Bürotürmen entstehen, die für Banken aus Afrika, Europa und den USA in den Himmel wachsen werden. Das Projekt könnte eine Vorbildfunktion für die Zukunft übernehmen: eine privatisierte Enklave für Wohlhabende, die sich räumlich von den Slums abgrenzt und über ein eigenes Versorgungsnetz (Strom, Wasser, Gas usw.) verfügt. Die Separation zwischen Arm und Reich gab es ja schon immer. Neu ist hingegen, dass sich Reiche ihre eigenen Städte bauen. In diesen privaten Städten vollzieht sich eine moralische und soziale Sezession von der Gesellschaft. Die idealtypische Polis, die Keimzelle der Demokratie, gerät unter Druck, und der öffentliche Raum verschwindet mehr und mehr.
Der Ökonomieprofessor Alexander T. Tabarrok vom James M. Buchanan Center for Political Economy der George Mason University in Fairfax, Virginia, ist einer der wenigen Intellektuellen, die sich für die Privatstadt engagieren. Im Gespräch sagt er: «Die meisten neuen Städte werden in Entwicklungsländern gebaut, und dort haben die Regierungen beim Thema Armut versagt. Wenn Städte kein Wasser, keinen Strom und keine Kanalisation zu liefern imstande sind, können die Reichen diese Aufgabe durch private Alternativen ersetzen – die Armen können das nicht.» Ein System privater, kompetitiver Städte eröffne die besten Chancen für die effiziente Erbringung öffentlicher Daseinsvorsorge.
Als Beispiel nennt er die indische Stadt Jamshedpur («Steel City»). Sie wurde 1908 von Tata Steel als Arbeiterstadt gegründet. Im Gegensatz zu russigen Schwerindustrierevieren anderswo ist Jamshedpur eine recht ansehnliche Stadt mit grosszügigen Parkanlagen und einem intakten Strassennetz. Die Steel City zählt zu den wohlhabendsten Städten Indiens. «Wir brauchen mehr Städte wie Jamshedpur», fordert Tabarrok. Die Stadt hat insofern exklusiven Charakter, als sie ausschliesslich Mitarbeitern der Tata-Gruppe Zugang zu günstigem Wohnraum verschafft – ähnlich wie einst die Bata-Städte.
Gemeinwohl oder Profit
Die Stadt Sandy Springs im US-Bundesstaat Georgia hat 2005 sämtliche Verwaltungsaufgaben an ein privates Unternehmen ausgegliedert. Das Unternehmen übernimmt alle wichtigen Aufgaben. Die 90 000 Einwohner zählende Stadt beschäftigt (abgesehen von Feuerwehr und Polizei, die nicht privatisiert wurden) lediglich acht Mitarbeiter. Sandy Springs werde effektiver verwaltet als andere Städte und generiere sogar Überschüsse, sagen Experten. Doch ein Unternehmen ist nicht in erster Linie am Gemeinwohl interessiert, sondern an Profit. Evan McKenzie warnte bereits 1994 in seinem Buch «Privatopia: Homeowner Associations and the Rise of Residential Private Government» vor den unkontrollierbaren Folgen einer Privatisierung. Die Frage ist, ob man alles auf dem Altar des Gewinnstrebens opfern sollte. Wenn ganze Innenstadtbezirke in die Hände privater Investoren fallen, dürfte dies das Gemeinwesen nachhaltig verändern. Die Bürger werden die Privatisierung der Städte nicht nur mit höheren Mietpreisen bezahlen, sondern auch mit dem Verlust von politischer Mitsprache – und letztlich auch von Identifikation.
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Donnerstag, 8. Oktober 2015
STOP TTIP - Freier Handel oder freie Bürger (Arte Doku 2015)
TTIP – der Freihandel der EU mit den USA – werde der “größte Wirtschaftsdeal der Geschichte” schwärmen Politiker: Wachstum, Wohlstand und mehr Jobs für 800 Millionen Menschen, dazu faire Regeln für die Globalisierung. Doch Kritiker warnen: Durch das TTIP werden nicht nur Verbraucher-, Umwelt- und Datenschutz dem Kapitalismus geopfert, sondern auch Grundrechte der Demokratie.
„Wir schaffen Wachstum, Arbeitsplätze – gemeinsam mit den USA setzen wir die Regeln für die Globalisierung!“, schwärmt EU-Top-Handelsbürokrat Jean-Luc Demarty über das transatlantische Freihandelsabkommen TTIP. Auch in Washington träumt man von einem Markt von Hawaii bis zum Baltikum für 800 Millionen Menschen. Der Westen soll die Führung übernehmen, bevor China und andere es tun.
Kritiker sehen den EU-Kanada-Freihandelsvertrag CETA als Blaupause und warnen vor einer Absenkung von Umwelt-, Verbraucher- und Datenschutz im Interesse internationaler Konzerne. Auch Befürworter räumen ein: Es geht den USA um „Big Data“ – die Erhebung und Auswertung von Daten für Werbung und Kulturindustrie sowie um Exporte ihrer High-Tech Agrarindustrie.
Damit öffnet die EU-Kommission neuen gentechnisch veränderten Lebensmitteln Tür und Tor. Sie verhandelt über Klagerechte von Unternehmen gegen unsere demokratische Gesetzgebung, die etwa im Datenschutz wirksam werden könnte. Besonders brisant ist für viele EU-Bürger, dass einheitliche transatlantische Produktionsstandards fernab jeder demokratischen Öffentlichkeit vorangetrieben werden.
Ein „Staatsstreich in Zeitlupe“ sei der Freihandel, glaubt die US-Bürgerrechtlerin Lori Wallach. Frankreichs Regie-Ikone Costa-Gavras fordert, Europa solle aus der eigenen kulturellen Vielfalt heraus seine Stärke schöpfen. Am Horizont erscheint die neue Leitfrage: Was zählt mehr – der freie Handel oder der freie Bürger – Kapitalismus oder Demokratie?
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Donnerstag, 20. September 2012
Goldman Sachs - Eine Bank lenkt die Welt
Die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs ist in den letzten Jahren zum Symbol für Maßlosigkeit und ausufernde Spekulationen im Finanzbereich geworden. Ihre Geschäfte mit der Zahlungsunfähigkeit amerikanischer Privathaushalte haben sie zwar an den Rand des Bankrotts gebracht, aber letztlich wurde sie dank ihrer politischen Verbindungen vor dem Aus bewahrt. Auch gegen den Euro soll Goldman Sachs spekuliert haben und an der Wirtschaftskrise Griechenlands nicht unbeteiligt sein.
Der Dokumentarfilm gibt Einblicke in die Mechanismen der finanziellen und politischen Machenschaften der Bank.
Seit fünf Jahren steht die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs für sämtliche Exzesse und Entgleisungen der Finanzspekulation. Durch hochspekulative Geschäfte mit der Zahlungsunfähigkeit der amerikanischen Privathaushalte konnte sich die Bank an der aktuellen Finanzkrise bereichern und wurde dank ihrer politischen Verbindungen selbst vor dem Bankrott bewahrt. Als die amerikanische Krise über den Atlantik nach Europa schwappte, wurde Goldman Sachs zu einem der Protagonisten der Euro-Krise: Die Bank soll gegen die europäische Einheitswährung spekuliert und die griechische Staatsschuldenbilanz mit Hilfe komplexer und undurchsichtiger Währungsgeschäfte geschönt haben. Als die europäischen Regierungen nacheinander dem Zorn der Wähler zum Opfer fielen, nutzte Goldman Sachs die Gunst der Stunde, um ihr komplexes Einflussgeflecht auf den alten Kontinent auszuweiten.
Goldman Sachs ist mehr als eine Bank. Sie ist ein unsichtbares Imperium, dessen Vermögen mit 700 Milliarden Euro das Budget des französischen Staates um das Zweifache übersteigt. Sie ist ein Finanzimperium auf der Sonnenseite, das die Welt mit seinen wilden Spekulationen und seiner Profitgier in ein riesiges Kasino verwandelt hat. Mit weltweit einzigartigen Verflechtungen und einem Heer aus 30.000 Bankern konnte Goldman Sachs auch in den letzten fünf Krisenjahren kräftige Gewinne einstreichen, seine Finanzkraft weiter ausbauen, seinen Einfluss auf die Regierungen stärken und sich vonseiten der amerikanischen und europäischen Justiz völlige Straffreiheit zusichern.
Das Geschäftsgebaren der Bank ist überaus diskret. Ihr Einfluss reicht weit in den Alltag der Bürger hinein - vom Facebook-Börsengang über die Ernennung des Präsidenten der Europäischen Zentralbank bis hin zum Lobbying gegen die Regulierung des Finanzsektors. Der Arm der Bank ist lang, und sie befindet sich stets auf der Gewinnerseite.
Der Dokumentarfilm gibt Einblicke in die Mechanismen der finanziellen und politischen Machenschaften der Bank.
Seit fünf Jahren steht die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs für sämtliche Exzesse und Entgleisungen der Finanzspekulation. Durch hochspekulative Geschäfte mit der Zahlungsunfähigkeit der amerikanischen Privathaushalte konnte sich die Bank an der aktuellen Finanzkrise bereichern und wurde dank ihrer politischen Verbindungen selbst vor dem Bankrott bewahrt. Als die amerikanische Krise über den Atlantik nach Europa schwappte, wurde Goldman Sachs zu einem der Protagonisten der Euro-Krise: Die Bank soll gegen die europäische Einheitswährung spekuliert und die griechische Staatsschuldenbilanz mit Hilfe komplexer und undurchsichtiger Währungsgeschäfte geschönt haben. Als die europäischen Regierungen nacheinander dem Zorn der Wähler zum Opfer fielen, nutzte Goldman Sachs die Gunst der Stunde, um ihr komplexes Einflussgeflecht auf den alten Kontinent auszuweiten.
Goldman Sachs ist mehr als eine Bank. Sie ist ein unsichtbares Imperium, dessen Vermögen mit 700 Milliarden Euro das Budget des französischen Staates um das Zweifache übersteigt. Sie ist ein Finanzimperium auf der Sonnenseite, das die Welt mit seinen wilden Spekulationen und seiner Profitgier in ein riesiges Kasino verwandelt hat. Mit weltweit einzigartigen Verflechtungen und einem Heer aus 30.000 Bankern konnte Goldman Sachs auch in den letzten fünf Krisenjahren kräftige Gewinne einstreichen, seine Finanzkraft weiter ausbauen, seinen Einfluss auf die Regierungen stärken und sich vonseiten der amerikanischen und europäischen Justiz völlige Straffreiheit zusichern.
Das Geschäftsgebaren der Bank ist überaus diskret. Ihr Einfluss reicht weit in den Alltag der Bürger hinein - vom Facebook-Börsengang über die Ernennung des Präsidenten der Europäischen Zentralbank bis hin zum Lobbying gegen die Regulierung des Finanzsektors. Der Arm der Bank ist lang, und sie befindet sich stets auf der Gewinnerseite.
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Dienstag, 4. September 2012
Das Geheimnis des Bienensterbens
2006 machte die Nachricht aus den USA Schlagzeilen, Milliarden von Bienen seien verendet. Viele Bienenzüchter fanden leere Bienenstöcke vor. Die US-Regierung beauftragte eine Gruppe von Wissenschaftlern mit der Untersuchung dieses mysteriösen Sterbens, das sogleich einen eigenen Namen bekam: Colony Collapse Disorder (CCD; auf Deutsch: "Völkerkollaps"). Über die Ursachen gibt es bisher nur Vermutungen - Genmutation, neue Pestizide, Mobilfunkstrahlungen, ein Virus -, aber keine endgültige Erkenntnis. Seit vier Jahren investieren Regierungen und verschiedene wissenschaftliche Einrichtungen beachtliche Mittel in die Erforschung und mögliche Beseitigung der Ursache dieser programmierten Katastrophe. Hat die Wissenschaft eine Antwort gefunden? Kann sie die Bienen überhaupt retten?
Um diese Fragen zu beantworten, verfolgte der Dokumentarfilm "Das Geheimnis des Bienensterbens" die Arbeit verschiedener Wissenschaftlerteams, die mit unterschiedlichen Hypothesen die Ursachen der weltweiten Bedrohung der Honig- und Wildbienen zu verstehen versuchen. Der Film geht auch der Frage nach, wie es zu den radikalen Veränderungen im Verhältnis von Mensch und Biene kam, das sich lange Zeit im Gleichgewicht befand. Lange bevor das Colony Collapse Disorder in die Schlagzeilen geriet, hatten Wissenschaftler und Bienenzüchter den Schwund der Bienen und anderer Bestäuber festgestellt.
Bisher gibt es keine genauen Diagnosen der Wissenschaftler. Aber selbst wenn die Forschung die Ursachen dingfest macht, ist damit noch kein Heilmittel gefunden. Die Wissenschaft bleibt machtlos, solange landwirtschaftliche Produktionsmethoden nicht hinterfragt und verändert werden. Aber ist die Menschheit bereit, sich dieser Herausforderung zu stellen?
(Frankreich, Kanada, 2010, 89mn) ARTE F
Alternativer Link: https://www.youtube.com/watch?v=jL1e5v83EDI
Donnerstag, 21. Juni 2012
Kapitalismus der Dinge
reblog von: http://keimform.de/2012/kapitalismus-der-dinge/
Kapitalismus der Dinge
Von Stefan Meretz
Für mich waren die Commons in vielerlei Hinsicht eine Erleuchtung. Wenn Commons nicht bloß eine »Sache« ist, sondern vor allen die soziale Art und Weise, eine »Sache« herzustellen und zu erhalten, dann gilt das auch für die kapitalistische Elementareinheit, die Ware. Auch die Ware liegt nicht bloß im Regal und wartet darauf gekauft zu werden, sondern sie steht für die soziale Beziehung, die erforderlich ist, sie herzustellen (um Erhalten geht es selten).
Wenn das so ist, dann müsste man die »Sozialität« den Waren oder den Commons als Sachen auch ansehen. Sie müssten die sozialen Beziehungen, die »in sie geflossen sind« auch in ihrer Gestalt zeigen, dachte ich mir. Es ist so. Auf drastische Weise zeigt das der Film Behind the Screen.
Wieso soll man den Handy- und Computer-Waren ihre »Sozialität« ansehen, sie sehen doch im allgemeinen ganz schick aus, oder? Eben. So wie über die unmenschlichen Arbeitsbedingungen der Mantel des Schweigens gedeckt wird, erhält die Ware eine schickes Outfit. Do not open! Nicht hingucken und nicht reingucken.
Und schließlich das Ende der Waren. Ungefähr drei Viertel des Elektronikschrotts landet im Süden — deklariert als Gebrauchtgeräte, denn Müllexport ist verboten. Kinder brennen aus dem Schrott einige Metalle heraus, Kupfer und anderes, und setzen dabei Gifte frei, die sie töten werden: »Eine Menge der Kinder, die hier arbeiten, werden ihren 20. Geburtstag wohl nicht erleben«. Auch das zeigt der Film.
Ökonomen nennen die gemacht-unerwünschten Effekte Externalitäten. In Wikipedia-Worten sind es die »unkompensierten Auswirkungen ökonomischer Entscheidungen auf unbeteiligte Marktteilnehmer«. Unkompensiert, eine Verniedlichung, die das gängige Denkmuster zeigt. Denn wäre durch Kompensation etwas gewonnen? Wenn die Umwelt bereits zerstört ist und die Menschen schwer erkrankt oder gestorben sind? Sicher könnte man etwas »ausbessern« und »helfen«, im Nachhinein, aber eine Lösung wäre das nicht, eher eine Befestigung des schlechten Zustands.
Eine Lösung braucht eine neue Produktionsweise. Doch dieser Gedanke liegt völlig ausserhalb des ökonomischen Denkens. Wie eine Produktionsweise ohne destruktive Externalitäten aussehen kann, habe ich anderswo vorgestellt.
Für mich haben die Commons einen wichtigen Beitrag geleistet, um zu verstehen, dass es nicht reicht, innerhalb der bestehenden Produktionsweise andere Waren herzustellen, sondern dass die Produktion von Waren selbst das Problem ist. Warenproduktion ist nicht neutral, sondern sie verkörpert im unmittelbaren stofflichen Sinne — in den Produktionsmitteln und den Produkten — wozu sie dient: aus Geld mehr Geld zu machen. Der Film Behind the Screen liefert das (unkommentierte) Anschauungsmaterial.
Warenproduktion ist getrennte Privatproduktion. Diese Trennung erzeugt die Externalitäten, unter denen wir letztlich alle leiden (unbesehen der erheblichen Unterschiede). Commons bedeuteten im Kern Aufhebung der Trennung und Vermittlung der unterschiedlichen Bedürfnisse bevor produziert wird. Das ist ein Unterschied ums Ganze. Diese Potenz der Commons gilt es allerdings erst noch zu entfalten, aber sie wird auch weltweit immer mehr erkannt.
Wenn das so ist, dann müsste man die »Sozialität« den Waren oder den Commons als Sachen auch ansehen. Sie müssten die sozialen Beziehungen, die »in sie geflossen sind« auch in ihrer Gestalt zeigen, dachte ich mir. Es ist so. Auf drastische Weise zeigt das der Film Behind the Screen.
Wieso soll man den Handy- und Computer-Waren ihre »Sozialität« ansehen, sie sehen doch im allgemeinen ganz schick aus, oder? Eben. So wie über die unmenschlichen Arbeitsbedingungen der Mantel des Schweigens gedeckt wird, erhält die Ware eine schickes Outfit. Do not open! Nicht hingucken und nicht reingucken.
Was man sieht, wenn man mal hinguckt
… davon handelt der Film Behind the Screen. Er zeigt die zwei Seiten der Warenproduktion: vor der Nutzung durch einen Käufer und danach. Vor der Nutzung geht es um werbewirksame Leistung und Outfit. Für Handys und Computer werden weltweit seltene Rohstoffe eingekauft, die unter für Mensch und Umwelt unvollstellbar zerstörerischen Methoden gewonnen werden. Der Zusammenbau erfolgt in abgeschotteten Fabriken, die nur dann Schlagzeilen machen, wenn die Selbstmordrate der Arbeiterinnen ein gewisses Maß überschreitet.Und schließlich das Ende der Waren. Ungefähr drei Viertel des Elektronikschrotts landet im Süden — deklariert als Gebrauchtgeräte, denn Müllexport ist verboten. Kinder brennen aus dem Schrott einige Metalle heraus, Kupfer und anderes, und setzen dabei Gifte frei, die sie töten werden: »Eine Menge der Kinder, die hier arbeiten, werden ihren 20. Geburtstag wohl nicht erleben«. Auch das zeigt der Film.
Was man sieht, wenn man reinguckt
… dazu muss man schon den eigenen Blick schärfen. Sieht ja alles so schick aus, auch unter der Haube. Doch was sehen wir dort: Extrem hohe Integration der kleinsten Bauteile. Die Ware ist ein monolithischer Klotz. Unreparierbar mit in der Regel inkompatiblen Komponenten, sobald man die Grenzen des Geräts verlässt, und das soll auch so sein. Neukaufen bringt Profit, nicht selbst reparieren. Modularität, Kompatiblität, Interkonnektivität, Langlebigkeit, Wiederverwendbarkeit, Recyclebarkeit sind Fremdworte.Ökonomen nennen die gemacht-unerwünschten Effekte Externalitäten. In Wikipedia-Worten sind es die »unkompensierten Auswirkungen ökonomischer Entscheidungen auf unbeteiligte Marktteilnehmer«. Unkompensiert, eine Verniedlichung, die das gängige Denkmuster zeigt. Denn wäre durch Kompensation etwas gewonnen? Wenn die Umwelt bereits zerstört ist und die Menschen schwer erkrankt oder gestorben sind? Sicher könnte man etwas »ausbessern« und »helfen«, im Nachhinein, aber eine Lösung wäre das nicht, eher eine Befestigung des schlechten Zustands.
Eine Lösung braucht eine neue Produktionsweise. Doch dieser Gedanke liegt völlig ausserhalb des ökonomischen Denkens. Wie eine Produktionsweise ohne destruktive Externalitäten aussehen kann, habe ich anderswo vorgestellt.
Für mich haben die Commons einen wichtigen Beitrag geleistet, um zu verstehen, dass es nicht reicht, innerhalb der bestehenden Produktionsweise andere Waren herzustellen, sondern dass die Produktion von Waren selbst das Problem ist. Warenproduktion ist nicht neutral, sondern sie verkörpert im unmittelbaren stofflichen Sinne — in den Produktionsmitteln und den Produkten — wozu sie dient: aus Geld mehr Geld zu machen. Der Film Behind the Screen liefert das (unkommentierte) Anschauungsmaterial.
Warenproduktion ist getrennte Privatproduktion. Diese Trennung erzeugt die Externalitäten, unter denen wir letztlich alle leiden (unbesehen der erheblichen Unterschiede). Commons bedeuteten im Kern Aufhebung der Trennung und Vermittlung der unterschiedlichen Bedürfnisse bevor produziert wird. Das ist ein Unterschied ums Ganze. Diese Potenz der Commons gilt es allerdings erst noch zu entfalten, aber sie wird auch weltweit immer mehr erkannt.
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Dienstag, 18. Oktober 2011
Foodwatch-Die Hungermacher Report 2011
http://www.fr-online.de/blob/view/11025054,7603625,data,foodwatch-Report_Die_Hungermacher_Okt-2011_ger.pdf.pdf
Einen Auszug daraus:
1. Hunger durch hohe Lebensmittelpreise
Wenn Menschen 80 Prozent ihres Einkommens für Lebensmittel ausgeben müssen –
und nicht nur 10 bis 20 Prozent, wie in den reichen Industrieländern –, dann sind Preissteigerungen für Getreide, Brot und andere Grundnahrungsmittel für sie eine existenzielle Bedrohung. 2011 waren Weizen, Mais und Reis im weltweiten Durchschnitt nach Abzug der Inflation 150 Prozent teurer als im Jahr 2000. Allein 2010 wurden durch höhere Nahrungsmittelpreise 40 Millionen Menschen zusätzlich zu Hunger und absoluter Armut verdammt.
Die Spekulationen mit Lebensmitteln wie Mais, Soja und Weizen an Rohstoffbörsen stehen im dringenden Verdacht, diese Armut und den Hunger mitverursacht zu haben. Das geht uns alle an. Denn wenn wir in einen Pensionsfonds oder eine Lebensversicherung einzahlen, finanzieren wir über unsere Altersvorsorge möglicherweise auch die Spekulation auf steigende Lebensmittelpreise. Obwohl Banken und Versicherungen jeden Verdacht von sich weisen: Es gibt immer mehr stichhaltige Belege, dass die Geldanlage auf den Märkten für Rohstoffe und Lebensmittel Hunger verursacht.
2. Rohstoffhandel als Kapitalanlage
Seit Beginn des vergangenen Jahrzehnts sind die Rohstoffmärkte – von Metallen über Rohöl bis hin zu Weizen, Mais und Soja – ein bevorzugtes Ziel von Kapitalanlegern. Eine wachsende Weltbevölkerung und die weltweite wirtschaftliche Expansion würden stetige Nachfrage nach Rohstoffen schaffen und deshalb den Kauf von Rohstoffen zu einem lohnenden Geschäft machen – so lauten die Werbeversprechen der Finanzinstitute, und mit dieser Erwartung investieren die Anleger. Mittlerweile haben Pensionsfonds, Versicherungen, Stiftungen und eine große Zahl von individuellen Investoren mehr als 600 Milliarden Dollar an den Rohstoffbörsen angelegt.
3. Börsen brauchen Spekulanten
Allerdings handelt es sich bei diesen Investitionen nicht etwa um die Beteiligung an Rohstoffunternehmen oder Agrarbetrieben.
Die Anleger kaufen vielmehr die an den Rohstoffbörsen gehandelten sogenannten Futures. Dabei handelt es sich um Verträge über Rohstoffkäufe oder -verkäufe, die zu einem Termin in der Zukunft abgewickelt werden.
Traditionell dienen diese Verträge den Anbietern und Verarbeitern von Rohstoffen zur Preisabsicherung zukünftiger Geschäfte. Nur so können sie mit Produkten, die – wie Rohstoffe – starken Preisschwankungen unterliegen, sicher kalkulieren. Ein Brotfabrikant kann sich so zum Beispiel eine Weizenlieferung in sechs Monaten zu einem festen Preis reservieren, damit er für seine Brotproduktion keine Verluste fürchten muss.
Damit Käufer und Verkäufer immer genug Abnehmer und Anbieter für Geschäfte in der Zukunft finden, ist es erforderlich, dass es genügend Akteure gibt, die ausschließlich mit diesen Futures handeln und damit Geld verdienen wollen, und die mit dem eigentlichen physischen Geschäft nichts zu tun haben. Diese Rolle füllen die Spekulanten aus. Sie sind – in einer gewissen Anzahl – unverzichtbar, damit Börsen überhaupt funktionieren können.
4. und noch viel mehr...
Einen Auszug daraus:
1. Hunger durch hohe Lebensmittelpreise
Wenn Menschen 80 Prozent ihres Einkommens für Lebensmittel ausgeben müssen –
und nicht nur 10 bis 20 Prozent, wie in den reichen Industrieländern –, dann sind Preissteigerungen für Getreide, Brot und andere Grundnahrungsmittel für sie eine existenzielle Bedrohung. 2011 waren Weizen, Mais und Reis im weltweiten Durchschnitt nach Abzug der Inflation 150 Prozent teurer als im Jahr 2000. Allein 2010 wurden durch höhere Nahrungsmittelpreise 40 Millionen Menschen zusätzlich zu Hunger und absoluter Armut verdammt.
Die Spekulationen mit Lebensmitteln wie Mais, Soja und Weizen an Rohstoffbörsen stehen im dringenden Verdacht, diese Armut und den Hunger mitverursacht zu haben. Das geht uns alle an. Denn wenn wir in einen Pensionsfonds oder eine Lebensversicherung einzahlen, finanzieren wir über unsere Altersvorsorge möglicherweise auch die Spekulation auf steigende Lebensmittelpreise. Obwohl Banken und Versicherungen jeden Verdacht von sich weisen: Es gibt immer mehr stichhaltige Belege, dass die Geldanlage auf den Märkten für Rohstoffe und Lebensmittel Hunger verursacht.
2. Rohstoffhandel als Kapitalanlage
Seit Beginn des vergangenen Jahrzehnts sind die Rohstoffmärkte – von Metallen über Rohöl bis hin zu Weizen, Mais und Soja – ein bevorzugtes Ziel von Kapitalanlegern. Eine wachsende Weltbevölkerung und die weltweite wirtschaftliche Expansion würden stetige Nachfrage nach Rohstoffen schaffen und deshalb den Kauf von Rohstoffen zu einem lohnenden Geschäft machen – so lauten die Werbeversprechen der Finanzinstitute, und mit dieser Erwartung investieren die Anleger. Mittlerweile haben Pensionsfonds, Versicherungen, Stiftungen und eine große Zahl von individuellen Investoren mehr als 600 Milliarden Dollar an den Rohstoffbörsen angelegt.
3. Börsen brauchen Spekulanten
Allerdings handelt es sich bei diesen Investitionen nicht etwa um die Beteiligung an Rohstoffunternehmen oder Agrarbetrieben.
Die Anleger kaufen vielmehr die an den Rohstoffbörsen gehandelten sogenannten Futures. Dabei handelt es sich um Verträge über Rohstoffkäufe oder -verkäufe, die zu einem Termin in der Zukunft abgewickelt werden.
Traditionell dienen diese Verträge den Anbietern und Verarbeitern von Rohstoffen zur Preisabsicherung zukünftiger Geschäfte. Nur so können sie mit Produkten, die – wie Rohstoffe – starken Preisschwankungen unterliegen, sicher kalkulieren. Ein Brotfabrikant kann sich so zum Beispiel eine Weizenlieferung in sechs Monaten zu einem festen Preis reservieren, damit er für seine Brotproduktion keine Verluste fürchten muss.
Damit Käufer und Verkäufer immer genug Abnehmer und Anbieter für Geschäfte in der Zukunft finden, ist es erforderlich, dass es genügend Akteure gibt, die ausschließlich mit diesen Futures handeln und damit Geld verdienen wollen, und die mit dem eigentlichen physischen Geschäft nichts zu tun haben. Diese Rolle füllen die Spekulanten aus. Sie sind – in einer gewissen Anzahl – unverzichtbar, damit Börsen überhaupt funktionieren können.
4. und noch viel mehr...
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Darwin's nightmare
Darwin’s Nightmare ist ein französisch-belgisch-österreichischer Dokumentarfilm des österreichischen Regisseurs Hubert Sauper aus dem Jahr 2004. Der vielfach preisgekrönte Film dokumentiert die ökologische und wirtschaftliche Katastrophe am ostafrikanischen Viktoriasee, die angeblich durch das Aussetzen des Nilbarsches erfolgt. Der Titel Darwins Alptraum wurde lediglich in Deutschland verwendet, in Österreich und der Schweiz lief der Film unter seinem Originaltitel Darwin’s Nightmare. Filmpremiere war am 20. Januar 2005.
Links
Alternative Playlist: http://www.youtube.com/playlist?list=PLB9754BA0BA7DC2EBhttp://de.wikipedia.org/wiki/Darwin’s_Nightmare
http://www.imdb.com/title/tt0424024/
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Montag, 17. Oktober 2011
Plastic Planet
Werner Boote reist um die Welt, beobachtet und befragt Menschen bei ihrem Leben inmitten von Plastik: von Familien in ihren Einfamilienhäusern in Österreich und den USA bis hin zu solchen in einfachsten Hütten in Kolkata. Er führt Interviews mit Sprechern der Kunststoffindustrie und mit Wissenschaftlern, die über die gesundheitlichen Gefahren von Zusatzstoffen - insbesondere Weichmachern - sprechen.
Alternativer Link: http://youtu.be/DoNu8hTOBag
"Kein Heim für Plastik", wie lebt es sich ohne Plastik: http://www.keinheimfuerplastik.at/
Die Holzzahnbürste, ein Testbericht: http://biosfaire.wordpress.com/2011/08/31/kampf-dem-plastik-3testbericht-3-holzzahnburste/
kann man ua hier kaufen: Link
weitere Plastik-Doku "Plastik über alles":
Alternativer Link: http://youtu.be/TKI3h5vy8Wk
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Freitag, 14. Oktober 2011
Schmutzige Schokolade
Diese Dokumentation zeigt, dass die Schokoladen-Industrie Kinderhandel und Kinderarbeit zumindest duldet. Denn sonst müssten die Hersteller mehr unternehmen, und wirklich nur von Herstellern kaufen, bei denen garantiert keine Kinder arbeiten.
Ferrero, Guylian, Hofbauer, Lindt, Mars, Milka, Nestlé, Storck oder Suchard schneiden weiterhin bei Ökologie, Soziales und Tierschutz nur mit „Kritisch" oder „Ungenügend" ab.
http://www.thedarksideofchocolate.org/
Alternative Playlist: http://www.youtube.com/view_play_list?p=62B54258E85B0C2E
Ferrero, Guylian, Hofbauer, Lindt, Mars, Milka, Nestlé, Storck oder Suchard schneiden weiterhin bei Ökologie, Soziales und Tierschutz nur mit „Kritisch" oder „Ungenügend" ab.
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Dienstag, 20. September 2011
Der Ikea-Check
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Freitag, 19. August 2011
Abfall vs Hunger
Mehr als die Hälfte unserer Lebensmittel landet im Müll.
Frisch auf den Müll / Taste The Waste
Die globale Lebensmittelverschwendung
Ein Film von Valentin Thurn
und im noch im Kino am 8.September 2011: http://www.tastethewaste.de/
Frisch auf den Müll / Taste The Waste
Die globale Lebensmittelverschwendung
Ein Film von Valentin Thurn
Hunger (Extra): Frisch Auf Den Müll ARD (43 Min.) from Nebel CC on Vimeo.
Hunger ARD (88 Min.) from Nebel CC on Vimeo.
und im noch im Kino am 8.September 2011: http://www.tastethewaste.de/
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Montag, 20. Juni 2011
The Corporation
Samstag, 21. Mai 2011
Spain's salad growers are modern-day slaves, say charities
link: http://www.guardian.co.uk/business/2011/feb/07/spain-salad-growers-slaves-charities
Investigation uncovers plight of migrant workers who live in appalling conditions and are paid half of legal minimum wage.
The Costa del Sol is famous for its tourists and beaches but just behind them is a hidden world of industrial greenhouses where African migrants work in extreme conditions Link to this video
The exploitation of tens of thousands of migrants used to grow salad vegetables for British supermarkets has been uncovered by a Guardian investigation into the €2bn-a-year (£1.6bn) hothouse industry in southern Spain.
Charities working with illegal workers during this year's harvest claim the abuses meet the UN's official definition of modern-day slavery, with some workers having their pay withheld for complaining. Conditions appear to have deteriorated further as the collapse of the Spanish property boom has driven thousands of migrants from construction to horticulture to look for work.
The Guardian's findings include:
• Migrant workers from Africa living in shacks made of old boxes and plastic sheeting, without sanitation or access to drinking water.
• Wages that are routinely less than half the legal minimum wage.
• Workers without papers being told they will be reported to the police if they complain.
• Allegations of segregation enforced by police harassment when African workers stray outside the hothouse areas into tourist areas.
The situation of migrants working in the tomato, pepper, cucumber and courgette farms of Almeria is so desperate that the Red Cross has been handing out free food to thousands of them. Its local co-ordinator described conditions as "inhuman". Anti-Slavery International said the Guardian's evidence was "deeply disturbing", and raised the "spectre of de facto state sanctioning of slavery in 21st century Europe".
Mohammed's story is typical of thousands of Africans working under the sweltering heat of plastic greenhouses.
He arrived illegally in southern Spain from Morocco in 2004 to work in the hothouses, having paid €1,000 to smugglers to bring him in a fishing boat. He said back then he could earn €30 for an eight-hour day. Now he's lucky to get €20 a day.
The legal minimum wage for a day's work is currently more than €44, but the economic crisis has created a newly enlarged surplus of migrants desperate for work, enabling farmers to slash wages.
Mohammed's home is a shack in the hothouse area that runs into the tourist town of Roquetas de Mar on the Costa del Sol. It is crudely knocked together from the wooden pallets used to transport the crops and covered with a layer of old agricultural plastic. There is no drinking water or sanitation.
There are 100 or so shacks like this next to Mohammed's. Jobs are sporadic, and come not with contracts but by the day or even by the hour. Sometimes, when he and his compatriots have been without work for weeks, there is no food, unless the Red Cross makes one of its food parcel deliveries. "We live like animals scavenging. No work, no money, no food," he said.
Jawara came from Gambia in 2008 with 85 others who were packed like cargo on a small fishing boat. He felt lucky to have survived the trauma of the journey; some of those with him drowned or died on the boat. Released from detention after 40 days to go and find work, he now lives with 10 others from Sub-Saharan Africa in an abandoned farm building among the hothouses near the Almerian market town San Isidro.
The men sleep in the part that still has the semblance of a roof. They are crammed into three small rooms that are sour with the smell of dampness and stale food, the walls blackened by the camping stove they use to cook. The bathroom is the outbuilding next door, its roof long gone and its bricks reduced to rubble. The sitting room is a salvaged sofa leaning against broken walls. There is no sanitation here either and the men live in between the farm jobs they find on the tomato crop, charity handouts and Red Cross parcels.
Jawara came to San Isidroto to join his brother and had just three months of reunion with him before his brother died from kidney problems. Without papers, they had been too frightened to go to the doctor and they couldn't afford medicines. His father died too while he has been away. Like many of those we interviewed Jawerea spoke of his shame at the conditions, the racism he encountered everywhere and how little they are now paid. He did not want to be filmed in case his family back home saw how he lived.
Sang, also from Gambia, considers himself relatively well off sharing an abandoned farmhouse with about 40 others from west Africa. A local farmer rents it to them illegally, as although it has a roof and electricity, it has no running water.
In addition to rent, the migrants must pay €600 a month to have a tanker deliver water to an old borehole in the yard. Sang, who has been supporting about 30 family members in Gambia with his wages, has also been reduced to working a few hours at a time on the salad harvest in the past year, as the recession hit.
Almeria used to be Spain's poorest region but the boom in horticulture since the late 1980s has helped transform the area, which sits just behind the Costa del Sol. Although British holidaymakers rarely see it, less than a mile from the tourist hotels on the beach a vast industrial landscape of plastic hothouses has taken over 400 square km of the coastal plain.
The trade in vegetables grown in the region meets UK demand for all year-round fresh salad. It is worth €2bn a year to the Spanish economy, according to José Ángel Aznar, professor of applied economics at the university of Almeria. Nearly all the leading retailers across northern Europe, including British supermarkets, source salad crops from the region when their own season ends. They buy at auction from the co-operatives to which the farmers belong.
But the boom has only been possible thanks to migrants. The hothouses have needed a large supply of cheap labour that can be turned on and off at a moment's notice. The work is irregular and arduous, and with temperatures reaching 40C-45C is unattractive to the local population. So it has sucked in thousands of illegal workers, first from Morocco, then from eastern Europe and sub-Saharan Africa.
Estimates of the total number working in the hothouses vary, but Juan Carlos Checa, researcher in social anthropology at the university, put the number of migrant workers in April 2010 at 80,000-90,000.
Spitou Mendy, who was himself an illegal migrant from Senegal until he gained his papers in an amnesty, now helps run Sindicato de Obreros del Campo (SOC), a small union for migrants. He thinks the numbers have swollen to more than 100,000 due to the recession.
The Spanish government allows those who can prove they have worked for more than three years to apply to become regularised and many have done so, but tens of thousands are still in Almeria illegally, making them easy to exploit. Conditions that were already appalling have deteriorated further in the past two years, according to Mendy.
Farmers argue that the supermarkets have squeezed their margins even harder during the downturn, while costs for fuel and fertiliser have gone up. They have no choice but to cut wages, which is the one element of their production costs they can control. Farmers trying to employ people legally and at the proper rate find it hard to compete or make a profit.
In Mendy's eyes the conditions are slavery. "You don't find the sons of Spain in the hothouses, only the blacks and people from former colonies," he says. "The farmers only want an unqualified, malleable workforce, which costs absolutely nothing. Only one part of the business is benefiting from this. It's the big agribusiness that wins. It's the capitalists that win. And humanity is killed that way. This is slavery in Europe. At the door to Europe, there is slavery as if we were in the 16th century."
Cherif, who used to be a teacher of French and German in Senegal but now supports two children on what he earns picking tomatoes a few days a month, has found farmers only too happy to take advantage of illegal workers. "You have to shut your mouth about the conditions. It's very, very hot; there's no water to drink and it's back-breaking. They pay me only €20-€25 a day and I don't feel free. The police watch me if I go to the wrong places."
Like many we spoke to, Cherif had experience of farmers refusing to pay for work that had been done. "One farmer didn't want to pay me and another African. He owed me €200. The other man had a fight with him and got his money but I didn't want to fight. So I walked to his house every day for two months until he gave it to me, but even then he shortchanged me by €5."
Tensions between migrants and local communities have been growing in recent months. SOC fears a repeat of the violence and rioting that occurred in 2000, in the horticultural town of El Ejido. Mendy explained that they had seen the warning signs in San Isidro last October when a farmer was murdered in his hothouse store and locals immediately pointed the finger at migrants. Thousands protested in the streets following his funeral, brandishing racist placards picturing Africans as black sheep and saying: "Immigrants: behave or get out". It later transpired that the police were investigating the farmer's links to organised crime.
Most of the time the two communities are completely segregated, however. The only black people seen in tourist areas are a few hawkers selling trinkets on the beaches, while Africans and Moroccans live hidden away in slums among the hothouses. They come into the agricultural towns at daybreak to queue by main roads for casual work, but are expected to melt away afterwards. Several of those we interviewed described being harassed by police if they strayed outside the hothouse areas at other times.
Sister Purification, or Puri, as she is known, is one of four Catholic nuns from the order of the Merciful Sisters of Charity who live in San Isidro. She recalled how the first black Africans had come to the town in 2002.
The detention centres in the Canaries that received migrants arriving illegally in boats from Africa were full. In order to process new arrivals, the Spanish authorities began flying those already there out to mainland airports to disperse them to areas where labour was needed. They hired a coach to take about 30 Africans from Madrid airport to the centre of San Isidro, where the driver was instructed to open the doors in Plaza Colonización, the main square, and simply release them. "That was the first time black people came here.
"The government gave them absolutely nothing; no money, no papers, nothing, just told them, off you go. No one here knew they were coming. The local authorities washed their hands of them. The people in the town didn't want anything to do with them. We had no idea what to do," Puri explained.
In the end, the nuns took the African men to a disused hothouse. Others began arriving and started building cardboard hovels under its dilapidated structure, until more than 300 people were living there in a makeshift slum without sanitation. "The conditions were terrible, horrible, not human," Puri recalled.
As more and more people came, the nuns began to worry about health problems. They found TB, Aids and hepatitis among the migrants, but knew they couldn't get proper medical help. They began taking those who were ill to abandoned farmhouses nearby to isolate them from the rest. "We didn't have the means to provide more. The government was doing next to nothing."
Then in September 2005 a huge fire broke out. Hundreds of Africans were driven out of the slum as the plastic burned. The fire brigade and police arrived, but once the fire was out they just left again and refused to help, according to Puri.
The nuns used their own small cars to begin distributing about 300 plus men, to places they knew migrants were already sheltering in the area – in old farm buildings and underground wells. But by 2am, there were still 120 men with nowhere to go and it was decided that they should sleep in the main square, with the nuns accompanying them for solidarity. "We were there three days. The town did nothing. The government did nothing. I was crying with rage, with impotence and with indignation," says Puri.
Today the nuns run a feeding centre where they hand out food and clothes to migrants. They have more than 4,000 recipients registered on their computer in this one small agricultural community of 7,000 inhabitants alone.
"There have been five deaths of migrants in the last year here from traffic accidents at night," Puri added. "About 18 months ago an African worker died in one of the hothouses – he had fallen into the water tank and couldn't get out. There was no punishment for the farmer, no police questions," Puri told us. "I am very conscious what we are doing is not a real solution. But they know that at least if they are sick or desperate, we are here to hold their hand."
The conditions are not just confined to Almeria. As the olive harvest was about to begin just before last Christmas in the region of Jaén, thousands of migrants moved there desperately trying to find work. With no money and no shelter, most were being fed once a day at a centre run by the Red Cross. They were allowed to stay at the centre for three days but then had to leave. Most were sleeping rough. Those with papers could apply for a free bus pass at the Red Cross centre each morning to get themselves to the olive groves to tout for work.
The Red Cross in Jaen did not return our calls but its co-ordinator in Almeria, Francisco Vicente, said it estimates that there are between 15,000 and 20,000 homeless migrants in his province alone, of which some 5,000 live in abandoned houses and shacks without running water or electricity. "These are more 'established' communities, which the Red Cross can at least reach. But the others are spread throughout town, sleeping near bank cash machines, or just on the streets. This is not human," he added.
Mendy told us there was a conspiracy of silence about the conditions. "Everyone knows this system exists, this is untamed neoliberalism. But people have closed their ears to it."
Vincente agreed: "This is being hidden, people are not interested in making this public. I am not referring to only politicians. Sometimes it's the society itself – the people – who don't stand up," he told us.
The Spanish government's ministry of interior was asked for comment but failed to respond.
Anti-Slavery International's director, Aidan McQuade, said: "The evidence obtained by the Guardian suggests we could be seeing the emergence of a new form of slavery, which is deeply disturbing.
"The fact that the Spanish authorities have moved irregular migrants to areas of the country where labour is needed and also where migrant workers are routinely paid half the legal minimum wage and threatened with deportation for complaining about their working conditions, establishes a prima facie case of official collusion in the trafficking of migrant workers to the agricultural farms of southern Spain.
"This raises the spectre of de facto state sanctioning of slavery in 21st century Europe."
Investigation uncovers plight of migrant workers who live in appalling conditions and are paid half of legal minimum wage.
The Costa del Sol is famous for its tourists and beaches but just behind them is a hidden world of industrial greenhouses where African migrants work in extreme conditions Link to this video
The exploitation of tens of thousands of migrants used to grow salad vegetables for British supermarkets has been uncovered by a Guardian investigation into the €2bn-a-year (£1.6bn) hothouse industry in southern Spain.
Charities working with illegal workers during this year's harvest claim the abuses meet the UN's official definition of modern-day slavery, with some workers having their pay withheld for complaining. Conditions appear to have deteriorated further as the collapse of the Spanish property boom has driven thousands of migrants from construction to horticulture to look for work.
The Guardian's findings include:
• Migrant workers from Africa living in shacks made of old boxes and plastic sheeting, without sanitation or access to drinking water.
• Wages that are routinely less than half the legal minimum wage.
• Workers without papers being told they will be reported to the police if they complain.
• Allegations of segregation enforced by police harassment when African workers stray outside the hothouse areas into tourist areas.
The situation of migrants working in the tomato, pepper, cucumber and courgette farms of Almeria is so desperate that the Red Cross has been handing out free food to thousands of them. Its local co-ordinator described conditions as "inhuman". Anti-Slavery International said the Guardian's evidence was "deeply disturbing", and raised the "spectre of de facto state sanctioning of slavery in 21st century Europe".
Mohammed's story is typical of thousands of Africans working under the sweltering heat of plastic greenhouses.
He arrived illegally in southern Spain from Morocco in 2004 to work in the hothouses, having paid €1,000 to smugglers to bring him in a fishing boat. He said back then he could earn €30 for an eight-hour day. Now he's lucky to get €20 a day.
The legal minimum wage for a day's work is currently more than €44, but the economic crisis has created a newly enlarged surplus of migrants desperate for work, enabling farmers to slash wages.
Mohammed's home is a shack in the hothouse area that runs into the tourist town of Roquetas de Mar on the Costa del Sol. It is crudely knocked together from the wooden pallets used to transport the crops and covered with a layer of old agricultural plastic. There is no drinking water or sanitation.
There are 100 or so shacks like this next to Mohammed's. Jobs are sporadic, and come not with contracts but by the day or even by the hour. Sometimes, when he and his compatriots have been without work for weeks, there is no food, unless the Red Cross makes one of its food parcel deliveries. "We live like animals scavenging. No work, no money, no food," he said.
Jawara came from Gambia in 2008 with 85 others who were packed like cargo on a small fishing boat. He felt lucky to have survived the trauma of the journey; some of those with him drowned or died on the boat. Released from detention after 40 days to go and find work, he now lives with 10 others from Sub-Saharan Africa in an abandoned farm building among the hothouses near the Almerian market town San Isidro.
The men sleep in the part that still has the semblance of a roof. They are crammed into three small rooms that are sour with the smell of dampness and stale food, the walls blackened by the camping stove they use to cook. The bathroom is the outbuilding next door, its roof long gone and its bricks reduced to rubble. The sitting room is a salvaged sofa leaning against broken walls. There is no sanitation here either and the men live in between the farm jobs they find on the tomato crop, charity handouts and Red Cross parcels.
Jawara came to San Isidroto to join his brother and had just three months of reunion with him before his brother died from kidney problems. Without papers, they had been too frightened to go to the doctor and they couldn't afford medicines. His father died too while he has been away. Like many of those we interviewed Jawerea spoke of his shame at the conditions, the racism he encountered everywhere and how little they are now paid. He did not want to be filmed in case his family back home saw how he lived.
Sang, also from Gambia, considers himself relatively well off sharing an abandoned farmhouse with about 40 others from west Africa. A local farmer rents it to them illegally, as although it has a roof and electricity, it has no running water.
In addition to rent, the migrants must pay €600 a month to have a tanker deliver water to an old borehole in the yard. Sang, who has been supporting about 30 family members in Gambia with his wages, has also been reduced to working a few hours at a time on the salad harvest in the past year, as the recession hit.
Almeria used to be Spain's poorest region but the boom in horticulture since the late 1980s has helped transform the area, which sits just behind the Costa del Sol. Although British holidaymakers rarely see it, less than a mile from the tourist hotels on the beach a vast industrial landscape of plastic hothouses has taken over 400 square km of the coastal plain.
The trade in vegetables grown in the region meets UK demand for all year-round fresh salad. It is worth €2bn a year to the Spanish economy, according to José Ángel Aznar, professor of applied economics at the university of Almeria. Nearly all the leading retailers across northern Europe, including British supermarkets, source salad crops from the region when their own season ends. They buy at auction from the co-operatives to which the farmers belong.
But the boom has only been possible thanks to migrants. The hothouses have needed a large supply of cheap labour that can be turned on and off at a moment's notice. The work is irregular and arduous, and with temperatures reaching 40C-45C is unattractive to the local population. So it has sucked in thousands of illegal workers, first from Morocco, then from eastern Europe and sub-Saharan Africa.
Estimates of the total number working in the hothouses vary, but Juan Carlos Checa, researcher in social anthropology at the university, put the number of migrant workers in April 2010 at 80,000-90,000.
Spitou Mendy, who was himself an illegal migrant from Senegal until he gained his papers in an amnesty, now helps run Sindicato de Obreros del Campo (SOC), a small union for migrants. He thinks the numbers have swollen to more than 100,000 due to the recession.
The Spanish government allows those who can prove they have worked for more than three years to apply to become regularised and many have done so, but tens of thousands are still in Almeria illegally, making them easy to exploit. Conditions that were already appalling have deteriorated further in the past two years, according to Mendy.
Farmers argue that the supermarkets have squeezed their margins even harder during the downturn, while costs for fuel and fertiliser have gone up. They have no choice but to cut wages, which is the one element of their production costs they can control. Farmers trying to employ people legally and at the proper rate find it hard to compete or make a profit.
In Mendy's eyes the conditions are slavery. "You don't find the sons of Spain in the hothouses, only the blacks and people from former colonies," he says. "The farmers only want an unqualified, malleable workforce, which costs absolutely nothing. Only one part of the business is benefiting from this. It's the big agribusiness that wins. It's the capitalists that win. And humanity is killed that way. This is slavery in Europe. At the door to Europe, there is slavery as if we were in the 16th century."
Cherif, who used to be a teacher of French and German in Senegal but now supports two children on what he earns picking tomatoes a few days a month, has found farmers only too happy to take advantage of illegal workers. "You have to shut your mouth about the conditions. It's very, very hot; there's no water to drink and it's back-breaking. They pay me only €20-€25 a day and I don't feel free. The police watch me if I go to the wrong places."
Like many we spoke to, Cherif had experience of farmers refusing to pay for work that had been done. "One farmer didn't want to pay me and another African. He owed me €200. The other man had a fight with him and got his money but I didn't want to fight. So I walked to his house every day for two months until he gave it to me, but even then he shortchanged me by €5."
Tensions between migrants and local communities have been growing in recent months. SOC fears a repeat of the violence and rioting that occurred in 2000, in the horticultural town of El Ejido. Mendy explained that they had seen the warning signs in San Isidro last October when a farmer was murdered in his hothouse store and locals immediately pointed the finger at migrants. Thousands protested in the streets following his funeral, brandishing racist placards picturing Africans as black sheep and saying: "Immigrants: behave or get out". It later transpired that the police were investigating the farmer's links to organised crime.
Most of the time the two communities are completely segregated, however. The only black people seen in tourist areas are a few hawkers selling trinkets on the beaches, while Africans and Moroccans live hidden away in slums among the hothouses. They come into the agricultural towns at daybreak to queue by main roads for casual work, but are expected to melt away afterwards. Several of those we interviewed described being harassed by police if they strayed outside the hothouse areas at other times.
Sister Purification, or Puri, as she is known, is one of four Catholic nuns from the order of the Merciful Sisters of Charity who live in San Isidro. She recalled how the first black Africans had come to the town in 2002.
The detention centres in the Canaries that received migrants arriving illegally in boats from Africa were full. In order to process new arrivals, the Spanish authorities began flying those already there out to mainland airports to disperse them to areas where labour was needed. They hired a coach to take about 30 Africans from Madrid airport to the centre of San Isidro, where the driver was instructed to open the doors in Plaza Colonización, the main square, and simply release them. "That was the first time black people came here.
"The government gave them absolutely nothing; no money, no papers, nothing, just told them, off you go. No one here knew they were coming. The local authorities washed their hands of them. The people in the town didn't want anything to do with them. We had no idea what to do," Puri explained.
In the end, the nuns took the African men to a disused hothouse. Others began arriving and started building cardboard hovels under its dilapidated structure, until more than 300 people were living there in a makeshift slum without sanitation. "The conditions were terrible, horrible, not human," Puri recalled.
As more and more people came, the nuns began to worry about health problems. They found TB, Aids and hepatitis among the migrants, but knew they couldn't get proper medical help. They began taking those who were ill to abandoned farmhouses nearby to isolate them from the rest. "We didn't have the means to provide more. The government was doing next to nothing."
Then in September 2005 a huge fire broke out. Hundreds of Africans were driven out of the slum as the plastic burned. The fire brigade and police arrived, but once the fire was out they just left again and refused to help, according to Puri.
The nuns used their own small cars to begin distributing about 300 plus men, to places they knew migrants were already sheltering in the area – in old farm buildings and underground wells. But by 2am, there were still 120 men with nowhere to go and it was decided that they should sleep in the main square, with the nuns accompanying them for solidarity. "We were there three days. The town did nothing. The government did nothing. I was crying with rage, with impotence and with indignation," says Puri.
Today the nuns run a feeding centre where they hand out food and clothes to migrants. They have more than 4,000 recipients registered on their computer in this one small agricultural community of 7,000 inhabitants alone.
"There have been five deaths of migrants in the last year here from traffic accidents at night," Puri added. "About 18 months ago an African worker died in one of the hothouses – he had fallen into the water tank and couldn't get out. There was no punishment for the farmer, no police questions," Puri told us. "I am very conscious what we are doing is not a real solution. But they know that at least if they are sick or desperate, we are here to hold their hand."
The conditions are not just confined to Almeria. As the olive harvest was about to begin just before last Christmas in the region of Jaén, thousands of migrants moved there desperately trying to find work. With no money and no shelter, most were being fed once a day at a centre run by the Red Cross. They were allowed to stay at the centre for three days but then had to leave. Most were sleeping rough. Those with papers could apply for a free bus pass at the Red Cross centre each morning to get themselves to the olive groves to tout for work.
The Red Cross in Jaen did not return our calls but its co-ordinator in Almeria, Francisco Vicente, said it estimates that there are between 15,000 and 20,000 homeless migrants in his province alone, of which some 5,000 live in abandoned houses and shacks without running water or electricity. "These are more 'established' communities, which the Red Cross can at least reach. But the others are spread throughout town, sleeping near bank cash machines, or just on the streets. This is not human," he added.
Mendy told us there was a conspiracy of silence about the conditions. "Everyone knows this system exists, this is untamed neoliberalism. But people have closed their ears to it."
Vincente agreed: "This is being hidden, people are not interested in making this public. I am not referring to only politicians. Sometimes it's the society itself – the people – who don't stand up," he told us.
The Spanish government's ministry of interior was asked for comment but failed to respond.
Anti-Slavery International's director, Aidan McQuade, said: "The evidence obtained by the Guardian suggests we could be seeing the emergence of a new form of slavery, which is deeply disturbing.
"The fact that the Spanish authorities have moved irregular migrants to areas of the country where labour is needed and also where migrant workers are routinely paid half the legal minimum wage and threatened with deportation for complaining about their working conditions, establishes a prima facie case of official collusion in the trafficking of migrant workers to the agricultural farms of southern Spain.
"This raises the spectre of de facto state sanctioning of slavery in 21st century Europe."
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Donnerstag, 31. März 2011
Durch die Höllenkreise des Kongo
Tages Anzeiger, 31.März 2011
Von Martin Ebel
Ein Land so gross wie Westeuropa, verheert vom Krieg: Andrea Böhms meisterhafte Reportage berichtet von katastrophalen Zuständen, aber auch von tatkräftigen, mutigen Menschen.
Einen Pulitzer-Preis für Reportagen gibt es im deutschsprachigen Raum nicht. Sonst wäre Andrea Böhms Buch ein heisser Kandidat dafür. Die Journalistin, Mitglied des politischen Ressorts der «Zeit», hat etwas getan, was in der aktualitätsversessenen Hektik des Berufsalltags kaum noch möglich scheint: Sie ist drangeblieben. An einem unbequemen Thema. Über Jahre, mit Ausdauer und Aufwand, konsequent und empathisch.
Auf eigene Faust erforscht
Von 2002 bis 2010 ist sie immer wieder in den Kongo gereist, in eines der kaputtesten Länder der Welt. 1900 mal 2100 Kilometer in der Fläche, bettelarm – auf dem Human-Development-Index der UNO steht es auf dem vorletzten Platz. Und war in den letzten 15 Jahren Schauplatz zweier verheerender Kriege mit fünf Millionen Toten und einer viel grösseren Zahl an Verstümmelten, Vergewaltigten, Traumatisierten. Dabei ist das Land reich an Bodenschätzen: Gold und Diamanten, Kupfer, Kobalt und Seltene Erden. Aber die haben erst die belgischen Kolonialherren ausgebeutet, dann die einheimischen Ausbeuter: die Regimes von Mobutu und von Kabila (dem Älteren). Sie steckten die Profite in die eigene Tasche oder bezahlten damit die ausländischen Truppen, die ihre brüchige Herrschaft gegen Aufständische oder andere Ausländer verteidigen sollten. Der ganze Osten ist immer noch unsicheres Gebiet; Rebellen, Banden, aber auch reguläre Armeeeinheiten (der Übergang ist fliessend) überfallen, wenn der Sold ausbleibt, einfach ein Dorf.
Der Kongo: ein Horror, der das normale europäische Verständnis und Einfühlungsvermögen weit übersteigt. Andrea Böhm hat sich ihm immer wieder ausgesetzt. Nicht im Schlepptau und Schutz internationaler Organisationen, sondern auf eigene Faust, mit Fahrern, Lotsen und Vermittlern – hier ein Pfarrer, dort eine Krankenschwester, hier ein Menschenrechtsaktivist. Sie ist nach Mbuji-Mayi gefahren, eine Millionenstadt in der Provinz Kasai, wo Halbwüchsige mit blossen Händen nach Diamanten graben; nach Butembo im Osten, wo sie einen mysteriösen «Kindergeneral» gesucht und gefunden hat; nach Bukavu in ein Spital, in dem vergewaltigte Frauen behandelt werden; nach Kamituga in der Provinz Süd-Kivu, wo sie einen Kandidaten fürs Nationalparlament auf dem Wahlkampf begleitete.
500 Stimmen gegen ein Dach
Dieser Jean-Claude Kibala ist eine der vielen farbigen Figuren, denen wir bei der Lektüre begegnen. Ein schwarzer Ingenieur, der sich im Exil, im deutschen Troisdorf, eine Existenz aufgebaut hatte, plötzlich aber von Heimweh und Wahlkampffieber ergriffen wurde und nun von Dorf zu Dorf fährt, im Gepäck T-Shirts aus China, Schultafeln und Fussball-Trikots. «Die Leute jubelten und hielten die Hand auf. Das Übliche», kommentiert Andrea Böhm. Nicht ungewöhnlich auch, dass der Kandidat 15 junge Mütter freikauft, die im Krankenhaus festgehalten werden, weil sie ihre Geburtskosten nicht bezahlen können. Oder dass ein Methodistenpfarrer 500 Stimmen anbietet – gegen ein neues Wellblechdach für seine Kirche.
Kibala verliert zwar die Wahl, wird aber Vizegouverneur der ganzen Provinz. Sein Jahresbudget: 10 Millionen Dollar, so viel, wie die Kleinstadt Troisdorf für die Sanierung ihrer Sportanlagen ausgegeben hat. Kibalas täglicher Kampf um ein Stück mehr Recht, Ordnung, Legalität, Sicherheit, gegen die schreiende Armut, die Korruption; die kleinen Fortschritte und die ständigen Rückschläge, «dieser ganze alltägliche Kreislauf des Irrsinns»: Das ist, wenn Böhm es beschreibt, zum Lachen und zum Weinen zugleich. Denn der Autorin ist es nicht darum zu tun, ein Schreckenskabinett möglichst spektakulär auszustatten und dem Lustschauder des westlichen Lesers feilzubieten. Sie verschweigt nichts – aber sie konzentriert sich auf Menschen, die in all dem Elend mehr wollen als «se débrouiller», sich durchwursteln: die etwas bewegen wollen. Wie Honorine Munyole, eine Polizeimajorin, «klein, gedrungen, markantes Kinn, breites Kreuz, kräftige Stimme, dazu ein hennagefärbter Lockenkopf», die in Bukavu Vergewaltigungsopfer betreut – in einer Polizeistation, der es an allem fehlt, an Streifenwagen, Computern, Funkgeräten, Aktenordnern, sogar an Papier.Oder Félicien Mbikayi, der die wilden «Creuseurs» in der grössten Diamantenmine der Provinz Kasai zu überzeugen versucht, sich von ihren blutsaugerischen «Sponsors» zu lösen und zu Genossenschaften zusammenzuschliessen. Andrea Böhm begleitet ihn in die Mondlandschaft des «Polygon», wo sich konzessionierte und wilde Schürfer Schusswechsel liefern, und in die «freie» Zone daneben: «Hier wurde nicht geschossen, hier starb man leise.» In 30 Meter tiefen Löchern, wenn die Wände einstürzten oder die Sauerstoffzufuhr unterbrochen wurde. Munyole oder Mbikayi versuchen das Unmögliche – weil die Alternative, die Hoffnungslosigkeit, für sie keine ist. Man liest das mit Staunen, wachsendem Respekt und etwas Beschämung.
Ein Überangebot an Hilfe
Andrea Böhm ist mutig, aufmerksam und professionell. Sie ist aber auch hochreflektiert, was die Gefahren des eigenen Berufsstandes angeht. Immer ist sie bemüht, den Versuchungen des Voyeurismus nicht nachzugeben. Als die Massenvergewaltigungen im Ost-Kongo in die Schlagzeilen gerieten – endlich hatten die Journalisten in dieser Region ein Thema gefunden, das das westliche Publikum interessierte –, wurde das Panzi-Spital in Bukavu zu einer «Pilgerstätte der Empathie». Auch Promis gaben sich dort die Ehre. In Bukavu, lesen wir, gibt es heute ein Überangebot an Hilfe für Vergewaltigungsopfer. Aber, wie ein Gesprächspartner trocken bemerkt, viele nicht vergewaltigte Kongolesen, die auf andere Weise traumatisiert sind.
Dieses Land wächst jedem Beobachter über den Kopf. Andrea Böhm aber hat ihren Stoff – das, was sie sagen und zeigen will – souverän im Griff. Dazu gehört auch die ganze schauerliche neuere Geschichte des riesigen Landes, das der belgische König Leopold II. über zwanzig Jahre wie eine Privatkolonie betrieb, was ein Viertel der Bevölkerung das Leben kostete: vermutlich das grausamste Kolonialregime, das es je gab. Andrea Böhm erinnert an den schwarzen Missionar William Henry Sheppard, der die Gräueltaten dokumentierte und für einen internationalen Aufschrei sorgte.
Auch die Schweiz verdiente mit
Sie erinnert an Patrick Lumumba, den ersten frei gewählten Regierungschef des unabhängigen Kongo, der 1961, mit Billigung Belgiens und der USA, von eigenen Landsleuten gefoltert und ermordet wurde. Sie lobt den ersten UNO-Einsatz von 1960 bis 1964, der das Land vorläufig befriedete und ein Auseinanderfallen verhinderte, und begleitet auch mit Sympathie einen Trupp pakistanischer Blauhelme, die heute im Ostkongo auf verlorenem Posten stehen. Sie vergisst aber auch nicht, dass die beiden Kongo-Kriege (1996/97 und 1998–2003) eine direkte Folge des Völkermordes in Ruanda waren, an der die internationale Gemeinschaft Mitschuld trägt.
Auch darum geht es der Autorin: Der Kongo ist nicht ein schwarzes Loch, das uns nichts angeht. Er war schon immer im Fadenkreuz der Weltpolitik. Die Atombombe, die Hiroshima traf, wurde mit Uran aus dem Kongo angereichert. Mobutu wollte in den 70er-Jahren mit einer deutschen Firma ein eigenes Raketenprogramm aufziehen. Die gigantischen Profite der Rohstoffausbeutung wurden über Schweizer Konten verschoben. Und so weiter: Andrea Böhms grossartige Reportage führt in eine fremde, erschreckende Welt – in der auch wir unsere Finger drinhaben.
Von Martin Ebel
Ein Land so gross wie Westeuropa, verheert vom Krieg: Andrea Böhms meisterhafte Reportage berichtet von katastrophalen Zuständen, aber auch von tatkräftigen, mutigen Menschen.
Einen Pulitzer-Preis für Reportagen gibt es im deutschsprachigen Raum nicht. Sonst wäre Andrea Böhms Buch ein heisser Kandidat dafür. Die Journalistin, Mitglied des politischen Ressorts der «Zeit», hat etwas getan, was in der aktualitätsversessenen Hektik des Berufsalltags kaum noch möglich scheint: Sie ist drangeblieben. An einem unbequemen Thema. Über Jahre, mit Ausdauer und Aufwand, konsequent und empathisch.
Auf eigene Faust erforscht
Von 2002 bis 2010 ist sie immer wieder in den Kongo gereist, in eines der kaputtesten Länder der Welt. 1900 mal 2100 Kilometer in der Fläche, bettelarm – auf dem Human-Development-Index der UNO steht es auf dem vorletzten Platz. Und war in den letzten 15 Jahren Schauplatz zweier verheerender Kriege mit fünf Millionen Toten und einer viel grösseren Zahl an Verstümmelten, Vergewaltigten, Traumatisierten. Dabei ist das Land reich an Bodenschätzen: Gold und Diamanten, Kupfer, Kobalt und Seltene Erden. Aber die haben erst die belgischen Kolonialherren ausgebeutet, dann die einheimischen Ausbeuter: die Regimes von Mobutu und von Kabila (dem Älteren). Sie steckten die Profite in die eigene Tasche oder bezahlten damit die ausländischen Truppen, die ihre brüchige Herrschaft gegen Aufständische oder andere Ausländer verteidigen sollten. Der ganze Osten ist immer noch unsicheres Gebiet; Rebellen, Banden, aber auch reguläre Armeeeinheiten (der Übergang ist fliessend) überfallen, wenn der Sold ausbleibt, einfach ein Dorf.
Der Kongo: ein Horror, der das normale europäische Verständnis und Einfühlungsvermögen weit übersteigt. Andrea Böhm hat sich ihm immer wieder ausgesetzt. Nicht im Schlepptau und Schutz internationaler Organisationen, sondern auf eigene Faust, mit Fahrern, Lotsen und Vermittlern – hier ein Pfarrer, dort eine Krankenschwester, hier ein Menschenrechtsaktivist. Sie ist nach Mbuji-Mayi gefahren, eine Millionenstadt in der Provinz Kasai, wo Halbwüchsige mit blossen Händen nach Diamanten graben; nach Butembo im Osten, wo sie einen mysteriösen «Kindergeneral» gesucht und gefunden hat; nach Bukavu in ein Spital, in dem vergewaltigte Frauen behandelt werden; nach Kamituga in der Provinz Süd-Kivu, wo sie einen Kandidaten fürs Nationalparlament auf dem Wahlkampf begleitete.
500 Stimmen gegen ein Dach
Dieser Jean-Claude Kibala ist eine der vielen farbigen Figuren, denen wir bei der Lektüre begegnen. Ein schwarzer Ingenieur, der sich im Exil, im deutschen Troisdorf, eine Existenz aufgebaut hatte, plötzlich aber von Heimweh und Wahlkampffieber ergriffen wurde und nun von Dorf zu Dorf fährt, im Gepäck T-Shirts aus China, Schultafeln und Fussball-Trikots. «Die Leute jubelten und hielten die Hand auf. Das Übliche», kommentiert Andrea Böhm. Nicht ungewöhnlich auch, dass der Kandidat 15 junge Mütter freikauft, die im Krankenhaus festgehalten werden, weil sie ihre Geburtskosten nicht bezahlen können. Oder dass ein Methodistenpfarrer 500 Stimmen anbietet – gegen ein neues Wellblechdach für seine Kirche.
Kibala verliert zwar die Wahl, wird aber Vizegouverneur der ganzen Provinz. Sein Jahresbudget: 10 Millionen Dollar, so viel, wie die Kleinstadt Troisdorf für die Sanierung ihrer Sportanlagen ausgegeben hat. Kibalas täglicher Kampf um ein Stück mehr Recht, Ordnung, Legalität, Sicherheit, gegen die schreiende Armut, die Korruption; die kleinen Fortschritte und die ständigen Rückschläge, «dieser ganze alltägliche Kreislauf des Irrsinns»: Das ist, wenn Böhm es beschreibt, zum Lachen und zum Weinen zugleich. Denn der Autorin ist es nicht darum zu tun, ein Schreckenskabinett möglichst spektakulär auszustatten und dem Lustschauder des westlichen Lesers feilzubieten. Sie verschweigt nichts – aber sie konzentriert sich auf Menschen, die in all dem Elend mehr wollen als «se débrouiller», sich durchwursteln: die etwas bewegen wollen. Wie Honorine Munyole, eine Polizeimajorin, «klein, gedrungen, markantes Kinn, breites Kreuz, kräftige Stimme, dazu ein hennagefärbter Lockenkopf», die in Bukavu Vergewaltigungsopfer betreut – in einer Polizeistation, der es an allem fehlt, an Streifenwagen, Computern, Funkgeräten, Aktenordnern, sogar an Papier.Oder Félicien Mbikayi, der die wilden «Creuseurs» in der grössten Diamantenmine der Provinz Kasai zu überzeugen versucht, sich von ihren blutsaugerischen «Sponsors» zu lösen und zu Genossenschaften zusammenzuschliessen. Andrea Böhm begleitet ihn in die Mondlandschaft des «Polygon», wo sich konzessionierte und wilde Schürfer Schusswechsel liefern, und in die «freie» Zone daneben: «Hier wurde nicht geschossen, hier starb man leise.» In 30 Meter tiefen Löchern, wenn die Wände einstürzten oder die Sauerstoffzufuhr unterbrochen wurde. Munyole oder Mbikayi versuchen das Unmögliche – weil die Alternative, die Hoffnungslosigkeit, für sie keine ist. Man liest das mit Staunen, wachsendem Respekt und etwas Beschämung.
Ein Überangebot an Hilfe
Andrea Böhm ist mutig, aufmerksam und professionell. Sie ist aber auch hochreflektiert, was die Gefahren des eigenen Berufsstandes angeht. Immer ist sie bemüht, den Versuchungen des Voyeurismus nicht nachzugeben. Als die Massenvergewaltigungen im Ost-Kongo in die Schlagzeilen gerieten – endlich hatten die Journalisten in dieser Region ein Thema gefunden, das das westliche Publikum interessierte –, wurde das Panzi-Spital in Bukavu zu einer «Pilgerstätte der Empathie». Auch Promis gaben sich dort die Ehre. In Bukavu, lesen wir, gibt es heute ein Überangebot an Hilfe für Vergewaltigungsopfer. Aber, wie ein Gesprächspartner trocken bemerkt, viele nicht vergewaltigte Kongolesen, die auf andere Weise traumatisiert sind.
Dieses Land wächst jedem Beobachter über den Kopf. Andrea Böhm aber hat ihren Stoff – das, was sie sagen und zeigen will – souverän im Griff. Dazu gehört auch die ganze schauerliche neuere Geschichte des riesigen Landes, das der belgische König Leopold II. über zwanzig Jahre wie eine Privatkolonie betrieb, was ein Viertel der Bevölkerung das Leben kostete: vermutlich das grausamste Kolonialregime, das es je gab. Andrea Böhm erinnert an den schwarzen Missionar William Henry Sheppard, der die Gräueltaten dokumentierte und für einen internationalen Aufschrei sorgte.
Auch die Schweiz verdiente mit
Sie erinnert an Patrick Lumumba, den ersten frei gewählten Regierungschef des unabhängigen Kongo, der 1961, mit Billigung Belgiens und der USA, von eigenen Landsleuten gefoltert und ermordet wurde. Sie lobt den ersten UNO-Einsatz von 1960 bis 1964, der das Land vorläufig befriedete und ein Auseinanderfallen verhinderte, und begleitet auch mit Sympathie einen Trupp pakistanischer Blauhelme, die heute im Ostkongo auf verlorenem Posten stehen. Sie vergisst aber auch nicht, dass die beiden Kongo-Kriege (1996/97 und 1998–2003) eine direkte Folge des Völkermordes in Ruanda waren, an der die internationale Gemeinschaft Mitschuld trägt.
Auch darum geht es der Autorin: Der Kongo ist nicht ein schwarzes Loch, das uns nichts angeht. Er war schon immer im Fadenkreuz der Weltpolitik. Die Atombombe, die Hiroshima traf, wurde mit Uran aus dem Kongo angereichert. Mobutu wollte in den 70er-Jahren mit einer deutschen Firma ein eigenes Raketenprogramm aufziehen. Die gigantischen Profite der Rohstoffausbeutung wurden über Schweizer Konten verschoben. Und so weiter: Andrea Böhms grossartige Reportage führt in eine fremde, erschreckende Welt – in der auch wir unsere Finger drinhaben.
Dienstag, 22. März 2011
Manufactured landscapes — von Jennifer Baichwal
Regie: Jennifer Baichwal
Mit: Edward Burtynsky
Die kanadische Regisseurin Jennifer Baichwal begleitet den Fotografen Edward Burtynsky bei seiner Arbeit als Dokumentarist 'menschgemachter Landschaften'. Burtynsky hatte anfänglich Mienen in Kanada fotografiert, wobei er sich für die durch den Menschen veränderte Landschaft interessierte. Seine künstlerische Arbeit weitete sich darauf in andere Teile der Welt aus: er fotografierte durch Chemikalien verfärbte Flüsse, Strände voll havarierter Schiffe oder riesige Fabrikhallen.
Die Anfanssequenz des Films, eine mehrminütige Kamerafahrt (des kanadisch-schweizerischen Kameramanns Peter Mettler) durch eine chinesische Produktionshalle ohne einen einzigen Schnitt macht die unfassbare Dimension dieser Produktionsstätten bewusst. China als Werkbank der Welt steht im Zentrum des Films. Ein Film, der im Zuschauer fast schon körperlich Sprachlosigkeit und Grauen hervorruft. Wie betäubt ist man sich nach diesem Film bewusst: an jedem Stecker den man im Haushalt verwendet, jedem Nasenspray, jedem Computer den man kauft, klebt Blut und Schweiss anderer Menschen und leidet die Umwelt.
Wenn man den Film gesehen hat, fragt man sich einmal mehr: wie können wir uns und die Welt retten? Ist es schon zu spät? Wann endlich wachen wir auf? Und was sind die Alternativen, wenn man versuchen will, den Teufelskreis zumindest teilweise zu durchbrechen? (nb)
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Dirty Pretty Things (2002)
Vor fast zehn Jahren hat sich Stephan Frears in seinem Film 'Dirty Pretty Things' einem ähnlichen Thema angenommen wie Alejandro González Iñárritu in seinem neuen Film 'Biutiful'. Im Gegensatz zu 'Biutiful' spielt der Film nicht in Barcelona sondern in der Unterwelt Londons.
Audrey Tatou hat hier kein fabelhaftes Schicksal wie als Amélie, sondern kämpft als illegale türkische Einwandererin ums Überleben. Organhandel, sexuelle Belästigung, illegale Nähereien – das alles findet im Herzen Londons im Untergrund statt, und doch mittendrin in der Gesellschaft. Die Szenerie und Kamera sind nicht so kompromisslos schmutzig wie bei 'Biutiful', aber die Gefühle die der Film zurücklässt sind ähnliche.
Beide Filme werfen Fragen auf: Ist die Welt in der wir leben unveränderbar schlecht? Können wir etwas ändern? Wie? Müssen wir nicht endlich handeln? Wie geht der Einzelne mit seiner Ohnmacht um, ein passiver Profiteur dieses Systems zu sein?
Keine dieser Fragen beantworten die beiden Filme, die Fragen und vorallem die Lösungen sind auch bei weitem zu komplex. Aber wichtig ist, dass wir uns diesen Fragen stellen und Massnahmen treffen, wie wir im kleinen Versuchen können gegen das Unrecht anzukämpfen. (nb)
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BIUTIFUL — Von Alejandro González Iñárritu
In seinem neuen Film verstrickt der mexikanische Regisseur Iñárritu die Einzelschicksale seiner bitterarmen Protagonisten aus den Elendsvierteln Barcelonas. Im Zentrum steht der Spanier Uxbal, Vater zweier Kinder für die er das Sorgerecht hat, weil die Mutter manisch-depressiv ist. Uxbal vermittelt zwischen korrupten Polizisten, chinesischen Produzenten von Billigwaren und illegalen Afrikanischen Strassenhändlern, die die Sachen an Touristen und Einheimische verkaufen und nebenbei mit Drogen handeln. Uxbal, der mit seinen Kindern selber von der Hand in den Mund lebt, spielt in diesem schmutzigen Spiel eine zwiespältige Rolle – einerseits versucht er die Lebensbedingungen der Immigranten im Rahmen des möglichen zu verbessern und ihnen zu helfen, andererseits profitiert er als Spanier von ihrer Ohnmacht als Papierlose.
Der Film zeigt, wie jedes Glied in der Kette dieser unglücklichen Allianz dazu verdammt ist, das Spiel mitzuspielen – um die eigene Haut und die seiner nächsten zu retten, und sei es nur bis zum nächsten Tag. Bis zum Schluss bleibt der Film brutal realistisch, Atempausen gibt es kaum, das Entsetzen über die grenzenlose Armut fernab des touristischen Barcelonas hält stets an. Zwar trägt Iñárritu bisweilen dick auf was die inhaltliche Dichte angeht – Armut, tote Immigranten, Homosexualität, Bipolare Störungen, Untreue, Gewalt am eigenen Kind, Drogen, Übersinnliches, Krebs, brutale Polizisten, Vater-Sohn-Beziehungen...kein Thema wird ausgelassen. Trotzdem, man glaubt ihm, dass dies alles wahr ist und sich täglich überall auf der Welt immer und immer wieder abspielt, dass keine Grausamkeit hier nicht der Realität entsprechen könnte.
Durch diese geballte Ladung an mensch-gemachtem Leid wird man unweigerlich auf sich selber zurückgeworfen und das Wissen darum, dass die, denen es gut geht, wenn auch nicht immer bewusst oder böswillig, auf den gebückten Rücken der Unterdrückten gehen. Unser Wohlstand ist keineswegs saubererer Herkunft als vor 100 Jahren: nach wie vor leben Abermillionen sklavenähnlich unter unwürdigen Bedingungen und produzieren Konsumgüter für die, die es sich leisten können. Einjeder in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft für sich uns seine Kinder. Ob wir wollen oder nicht, wir sind Teil des Ganzen.
Iñárritu hat mit seinem Film das geschafft, was heute selten passiert: dass ein Grossteil der Zuschauer nach Filmende während des Abspanns sitzen blieb, von der Wucht all des Elends unweigerlich in den Kinosessel gedrückt. (nb)
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Sonntag, 20. März 2011
Das Sieben-Milliarden-Problem
NZZ Folio 03/11
Wie viele Menschen kann die Erde verkraften? Wie lange kann Wachstum noch unser Ziel sein? Werden wir eher ums Öl Kriege führen oder ums Wasser?
Von Wolf Schneider
Noch in diesem Jahr wird die Erde sieben Milliarden Menschen tragen – eine Milliarde mehr als vor nur zwölf Jahren und fast viermal so viel als zu der Zeit, als die Greise von heute zur Schule gingen. Kann unser Planet ein solches Gedränge ertragen? Er könnte es, wenn die reichen Völker ihre Ansprüche drastisch senkten und die armen nicht versuchten, zu ihnen aufzuschliessen. Aber ebendies wollen sie natürlich.
Schon weniger Kinder pro Frau
Die Bevölkerungsexplosion begann mit dem Sieg über die Säuglingssterblichkeit. Leopold Mozart musste es noch als normal empfinden, dass fünf seiner sieben Kinder starben. Dann rang das Abendland die Seuchen nieder – und binnen zweier, dreier Generationen gewöhnten sich die Eltern an, nur noch zwei oder drei Kinder in die Welt zu setzen.
In Asien ist Ähnliches im Gange. Zudem hält China an seiner Ein-Kind-Politik fest; sie hat der Welt nach chinesischer Schätzung 400 Millionen weitere Chinesen erspart.
Im schwarzen Afrika dagegen sind fünf Kinder pro Frau noch die Regel. Da nun die meisten überleben, hat sich die Bevölkerung des Kontinents in den letzten hundert Jahren verachtfacht – auf eine Milliarde.
Doch die Menschen werden mehr
Auch wenn im Weltmassstab die Zahl der Kinder pro Frau schon sinkt: die Weltbevölkerung wird noch weiter wachsen. Denn die Geburtenfreudigkeit der letzten Jahrzehnte hat 1,8 Milliarden Frauen, viel mehr als je zuvor, ins gebärfähige Alter gebracht. Etwa 9 Milliarden Menschen um das Jahr 2050, schätzt die Uno – dann hoffentlich nicht noch mehr.
Davor aber steht ein neues Problem: Die Milliarden der während des Babybooms Geborenen werden alt, erreichen überdies ein höheres Alter als ihre Eltern – und müssen von einer sinkenden Zahl von Arbeitsfähigen versorgt werden. In China spricht man vom «2:5-Problem»: Jedes Ehepaar hat für sein Kind und seine vier Eltern aufzukommen.
Nur bescheidener werden sie nicht
2010 produzierte ein Deutscher, in Geldwert umgerechnet, dreissigmal so viel wie ein Inder. Mit Riesenschritten holt Indien auf, mit entsprechendem Mehrverschleiss an Rohstoffen und steigender Mehrproduktion an Dreck und Gift. Selbstverständlich aber beten die Reichen weiter ihren Fetisch «Wachstum» an. Niemand mutet ihnen zu, dass sie für jedes Auto, das in Indien neu zugelassen wird, eines von ihren verschrotten müssten – wenn die Überlastung der Atmosphäre nicht noch verschlimmert werden soll.
Ein Auto auf zwei Menschen, das ist in den reichen Ländern üblich; und da sie gleichzeitig die Umwelt schonen wollen, haben sie sich den ökologischen Wahnsinn des Biosprits ausgedacht: Energie aus Weizen, Mais, Palmöl und Zuckerrohr! Aus den 250 Kilo Weizen, die einen Menschen ein Jahr lang sättigen könnten, werden 100 Liter Biosprit – etwas mehr als eine Tankfüllung für unsere dringend benötigten Geländewagen. Eine Milliarde Menschen leiden Hunger – in Brasilien werden Wälder abgeholzt für Zuckerrohr.
Der Endkampf um Wasser und Öl
Dabei verfeuert die Menschheit weiter Tag für Tag 25 Millionen Tonnen Kohle und Öl, und die letzten grossen Ölvorräte liegen in der heissesten Krisenregion der Erde. Experten streiten sich, ob ein Krieg ums Öl früher oder später ausbrechen wird als die befürchteten Kriege ums Wasser: Fast eine Milliarde Menschen haben nicht genug und eine weitere Milliarde nur schmutziges zur Verfügung.
Was wir zu viel haben, ist Müll – am schlimmsten in der fast unzerstörbaren Form von Plastic; 60 Millionen Flaschen täglich verbrauchen allein die USA. Zwischen Hawaii und Kalifornien treibt die «grosse pazifische Müllsuppe»: Plasticabfälle, 1500 Kilometer im Durchmesser und bis zu 10 Meter dick.
Adieu, Abendland!
In der Verschwendung sind sie führend – in der Weltbevölkerung geht der Anteil der Abendländer mit Riesenschritten zurück. 1890 hatte Asien dreimal so viele Einwohner wie Europa westlich von Russland – heute das Siebenfache. In Afrika wohnten damals halb so viele Menschen wie hier – heute fast doppelt so viele. 90 Millionen in Äthiopien, 150 Millionen in Nigeria!
Als Vermächtnis des Abendlands bleibt der Menschheit die Gesinnung: «Macht euch die Erde untertan!» Ihr seid die Herren – die Erde hat sich zu fügen! Doch sie fügt sich nicht. Irgendwann muss die Unendlichkeit unserer Ansprüche an der Endlichkeit der Erde zerschellen. Hoffen wir, dass die Menschheit daraus Konsequenzen zieht – vor 2050.
Wolf Schneider ist Schriftsteller; er lebt in Starnberg (D).
Wie viele Menschen kann die Erde verkraften? Wie lange kann Wachstum noch unser Ziel sein? Werden wir eher ums Öl Kriege führen oder ums Wasser?
Von Wolf Schneider
Noch in diesem Jahr wird die Erde sieben Milliarden Menschen tragen – eine Milliarde mehr als vor nur zwölf Jahren und fast viermal so viel als zu der Zeit, als die Greise von heute zur Schule gingen. Kann unser Planet ein solches Gedränge ertragen? Er könnte es, wenn die reichen Völker ihre Ansprüche drastisch senkten und die armen nicht versuchten, zu ihnen aufzuschliessen. Aber ebendies wollen sie natürlich.
Schon weniger Kinder pro Frau
Die Bevölkerungsexplosion begann mit dem Sieg über die Säuglingssterblichkeit. Leopold Mozart musste es noch als normal empfinden, dass fünf seiner sieben Kinder starben. Dann rang das Abendland die Seuchen nieder – und binnen zweier, dreier Generationen gewöhnten sich die Eltern an, nur noch zwei oder drei Kinder in die Welt zu setzen.
In Asien ist Ähnliches im Gange. Zudem hält China an seiner Ein-Kind-Politik fest; sie hat der Welt nach chinesischer Schätzung 400 Millionen weitere Chinesen erspart.
Im schwarzen Afrika dagegen sind fünf Kinder pro Frau noch die Regel. Da nun die meisten überleben, hat sich die Bevölkerung des Kontinents in den letzten hundert Jahren verachtfacht – auf eine Milliarde.
Doch die Menschen werden mehr
Auch wenn im Weltmassstab die Zahl der Kinder pro Frau schon sinkt: die Weltbevölkerung wird noch weiter wachsen. Denn die Geburtenfreudigkeit der letzten Jahrzehnte hat 1,8 Milliarden Frauen, viel mehr als je zuvor, ins gebärfähige Alter gebracht. Etwa 9 Milliarden Menschen um das Jahr 2050, schätzt die Uno – dann hoffentlich nicht noch mehr.
Davor aber steht ein neues Problem: Die Milliarden der während des Babybooms Geborenen werden alt, erreichen überdies ein höheres Alter als ihre Eltern – und müssen von einer sinkenden Zahl von Arbeitsfähigen versorgt werden. In China spricht man vom «2:5-Problem»: Jedes Ehepaar hat für sein Kind und seine vier Eltern aufzukommen.
Nur bescheidener werden sie nicht
2010 produzierte ein Deutscher, in Geldwert umgerechnet, dreissigmal so viel wie ein Inder. Mit Riesenschritten holt Indien auf, mit entsprechendem Mehrverschleiss an Rohstoffen und steigender Mehrproduktion an Dreck und Gift. Selbstverständlich aber beten die Reichen weiter ihren Fetisch «Wachstum» an. Niemand mutet ihnen zu, dass sie für jedes Auto, das in Indien neu zugelassen wird, eines von ihren verschrotten müssten – wenn die Überlastung der Atmosphäre nicht noch verschlimmert werden soll.
Ein Auto auf zwei Menschen, das ist in den reichen Ländern üblich; und da sie gleichzeitig die Umwelt schonen wollen, haben sie sich den ökologischen Wahnsinn des Biosprits ausgedacht: Energie aus Weizen, Mais, Palmöl und Zuckerrohr! Aus den 250 Kilo Weizen, die einen Menschen ein Jahr lang sättigen könnten, werden 100 Liter Biosprit – etwas mehr als eine Tankfüllung für unsere dringend benötigten Geländewagen. Eine Milliarde Menschen leiden Hunger – in Brasilien werden Wälder abgeholzt für Zuckerrohr.
Der Endkampf um Wasser und Öl
Dabei verfeuert die Menschheit weiter Tag für Tag 25 Millionen Tonnen Kohle und Öl, und die letzten grossen Ölvorräte liegen in der heissesten Krisenregion der Erde. Experten streiten sich, ob ein Krieg ums Öl früher oder später ausbrechen wird als die befürchteten Kriege ums Wasser: Fast eine Milliarde Menschen haben nicht genug und eine weitere Milliarde nur schmutziges zur Verfügung.
Was wir zu viel haben, ist Müll – am schlimmsten in der fast unzerstörbaren Form von Plastic; 60 Millionen Flaschen täglich verbrauchen allein die USA. Zwischen Hawaii und Kalifornien treibt die «grosse pazifische Müllsuppe»: Plasticabfälle, 1500 Kilometer im Durchmesser und bis zu 10 Meter dick.
Adieu, Abendland!
In der Verschwendung sind sie führend – in der Weltbevölkerung geht der Anteil der Abendländer mit Riesenschritten zurück. 1890 hatte Asien dreimal so viele Einwohner wie Europa westlich von Russland – heute das Siebenfache. In Afrika wohnten damals halb so viele Menschen wie hier – heute fast doppelt so viele. 90 Millionen in Äthiopien, 150 Millionen in Nigeria!
Als Vermächtnis des Abendlands bleibt der Menschheit die Gesinnung: «Macht euch die Erde untertan!» Ihr seid die Herren – die Erde hat sich zu fügen! Doch sie fügt sich nicht. Irgendwann muss die Unendlichkeit unserer Ansprüche an der Endlichkeit der Erde zerschellen. Hoffen wir, dass die Menschheit daraus Konsequenzen zieht – vor 2050.
Wolf Schneider ist Schriftsteller; er lebt in Starnberg (D).
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