Donnerstag, 25. Oktober 2012
Unser täglich Gift
Alternative Links:
http://streamcloud.eu/i4xter97i3cq/sitin-unsertaeggift-xvid.avi.html
http://youtu.be/rAJv9m4eZcg
"Mit kaum etwas befasst sich die moderne Gesellschaft so obsessiv wie mit ihrem Essen. Ein Dokumentarfilm über Pestizide in Lebensmitteln will erklären, wie krank uns unsere Nahrung macht.
Als Arte vor drei Jahren die Dokumentation Monsanto - Mit Gift und Genen zeigte, stellten die Senderstrategen des Kulturkanals einen erstaunlichen Effekt fest. 1,8 Millionen Menschen sahen zunächst die Fernsehausstrahlung in Frankreich und Deutschland. In den folgenden sieben Tagen jedoch - so lange stehen Filme bei Arte in der Mediathek - wurde die Doku über den umstrittenen Hersteller von genverändertem Saatgut noch einmal 217586 Mal im Internet abgerufen. Ein erstaunlicher Wert für das sehr spezielle Thema.
Die Autorin Marie-Monique Robin will in ihrem Dokumentarfilm Unser täglich Gift das Thema "vom Acker des Bauern bis zum Teller des Verbrauchers" untersuchen. Schon mit ihrem Film über den Genmais Monsanto erregte sie viel Aufsehen. (© dpa)
Aufmerksam registrierte man beim Sender auch im Mai 2010 das große Interesse an einem Film über das Bienensterben. Mehr als eine halbe Million Menschen schalteten in Deutschland ein. Nun zeigt der französisch-deutsche Kanal erneut eine Dokumentation über Umweltgifte. Autorin Marie-Monique Robin hat sich drei Jahre nach ihrem Film über Monsanto mit chemischen Zusatzstoffen in unserer Nahrung auseinandergesetzt - also mit Pestiziden, Weichmachern, Farbstoffen, Geschmacksverstärkern.
Mit kaum etwas befasst sich die moderne Gesellschaft so obsessiv wie mit ihrem Essen - und es ist eine Geschichte der Beunruhigung. Fast fünfzig Jahre ist es her, dass der Familienvater Nicolas seinem Ärger Luft machte, in einem Schwarzweißfilm des Wissenschaftsjournalisten Jean Lallier zum Thema Ernährung. Eine Szene aus Le Pain et le Vin de l'an 2000 sieht man am Anfang von Robins Film.
Nicolas ist das Oberhaupt einer französischen Musterfamilie, aber während seine Frau und seine zwei Kinder am gedeckten Tisch brav essen, schimpft er nur vor sich hin. Er hat gehört, dass die Industrie nun auch noch ein Mittel entdeckt hat, das sein Brot besonders weich machen soll. Die Äpfel mit Insektiziden bespritzt und dann auch noch die Farbstoffe im Wein - oh là là! Es reicht ihm langsam. Nicolas findet, dass Studien gestartet werden sollten, um zu untersuchen, ob diese vielen Zusatzstoffe nicht gefährlich sind. "Wir müssten Experten dazu befragen."
Das war 1964 ein aufklärerischer Film, aber seine Fragen sind immer noch aktuell. Welche Auswirkungen haben Farbstoffe oder Rückstände von Pestiziden auf die Gesundheit? Bio-Boom, die Existenz einer Organisation wie Foodwatch und unzählige Magazinveröffentlichungen zu Ernährung, Allergien und anderen Krankheiten sprechen für das große Misstrauen in der Gesellschaft beim Thema Lebensmittelsicherheit.
Marie-Monique Robin gilt als engagierte Rechercheurin, die Provokationen nicht scheut; angreifbar hat sie sich 1995 mit einem Film über Organhandel gemacht, bei dem Details nicht stimmten. Für ihre Dokumentation Unser täglich Gift hat sie zwei Jahre lang in Europa, Nordamerika und Asien recherchiert. Ihr Film ist trotz des komplexen Themas sehr anschaulich: Fachbegriffe, Definitionen, Formeln und Zahlen weiß die Autorin zu erklären, und sie mischt die Daten mit Zeichnungen und historischem Filmmaterial. Sie demonstriert sozusagen Verständlichkeit als Mittel der Glaubwürdigkeit - umso dubioser wirkt da das Schweigen mancher Hersteller."
Quelle Süddeutsche
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Donnerstag, 20. September 2012
Goldman Sachs - Eine Bank lenkt die Welt
Die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs ist in den letzten Jahren zum Symbol für Maßlosigkeit und ausufernde Spekulationen im Finanzbereich geworden. Ihre Geschäfte mit der Zahlungsunfähigkeit amerikanischer Privathaushalte haben sie zwar an den Rand des Bankrotts gebracht, aber letztlich wurde sie dank ihrer politischen Verbindungen vor dem Aus bewahrt. Auch gegen den Euro soll Goldman Sachs spekuliert haben und an der Wirtschaftskrise Griechenlands nicht unbeteiligt sein.
Der Dokumentarfilm gibt Einblicke in die Mechanismen der finanziellen und politischen Machenschaften der Bank.
Seit fünf Jahren steht die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs für sämtliche Exzesse und Entgleisungen der Finanzspekulation. Durch hochspekulative Geschäfte mit der Zahlungsunfähigkeit der amerikanischen Privathaushalte konnte sich die Bank an der aktuellen Finanzkrise bereichern und wurde dank ihrer politischen Verbindungen selbst vor dem Bankrott bewahrt. Als die amerikanische Krise über den Atlantik nach Europa schwappte, wurde Goldman Sachs zu einem der Protagonisten der Euro-Krise: Die Bank soll gegen die europäische Einheitswährung spekuliert und die griechische Staatsschuldenbilanz mit Hilfe komplexer und undurchsichtiger Währungsgeschäfte geschönt haben. Als die europäischen Regierungen nacheinander dem Zorn der Wähler zum Opfer fielen, nutzte Goldman Sachs die Gunst der Stunde, um ihr komplexes Einflussgeflecht auf den alten Kontinent auszuweiten.
Goldman Sachs ist mehr als eine Bank. Sie ist ein unsichtbares Imperium, dessen Vermögen mit 700 Milliarden Euro das Budget des französischen Staates um das Zweifache übersteigt. Sie ist ein Finanzimperium auf der Sonnenseite, das die Welt mit seinen wilden Spekulationen und seiner Profitgier in ein riesiges Kasino verwandelt hat. Mit weltweit einzigartigen Verflechtungen und einem Heer aus 30.000 Bankern konnte Goldman Sachs auch in den letzten fünf Krisenjahren kräftige Gewinne einstreichen, seine Finanzkraft weiter ausbauen, seinen Einfluss auf die Regierungen stärken und sich vonseiten der amerikanischen und europäischen Justiz völlige Straffreiheit zusichern.
Das Geschäftsgebaren der Bank ist überaus diskret. Ihr Einfluss reicht weit in den Alltag der Bürger hinein - vom Facebook-Börsengang über die Ernennung des Präsidenten der Europäischen Zentralbank bis hin zum Lobbying gegen die Regulierung des Finanzsektors. Der Arm der Bank ist lang, und sie befindet sich stets auf der Gewinnerseite.
Der Dokumentarfilm gibt Einblicke in die Mechanismen der finanziellen und politischen Machenschaften der Bank.
Seit fünf Jahren steht die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs für sämtliche Exzesse und Entgleisungen der Finanzspekulation. Durch hochspekulative Geschäfte mit der Zahlungsunfähigkeit der amerikanischen Privathaushalte konnte sich die Bank an der aktuellen Finanzkrise bereichern und wurde dank ihrer politischen Verbindungen selbst vor dem Bankrott bewahrt. Als die amerikanische Krise über den Atlantik nach Europa schwappte, wurde Goldman Sachs zu einem der Protagonisten der Euro-Krise: Die Bank soll gegen die europäische Einheitswährung spekuliert und die griechische Staatsschuldenbilanz mit Hilfe komplexer und undurchsichtiger Währungsgeschäfte geschönt haben. Als die europäischen Regierungen nacheinander dem Zorn der Wähler zum Opfer fielen, nutzte Goldman Sachs die Gunst der Stunde, um ihr komplexes Einflussgeflecht auf den alten Kontinent auszuweiten.
Goldman Sachs ist mehr als eine Bank. Sie ist ein unsichtbares Imperium, dessen Vermögen mit 700 Milliarden Euro das Budget des französischen Staates um das Zweifache übersteigt. Sie ist ein Finanzimperium auf der Sonnenseite, das die Welt mit seinen wilden Spekulationen und seiner Profitgier in ein riesiges Kasino verwandelt hat. Mit weltweit einzigartigen Verflechtungen und einem Heer aus 30.000 Bankern konnte Goldman Sachs auch in den letzten fünf Krisenjahren kräftige Gewinne einstreichen, seine Finanzkraft weiter ausbauen, seinen Einfluss auf die Regierungen stärken und sich vonseiten der amerikanischen und europäischen Justiz völlige Straffreiheit zusichern.
Das Geschäftsgebaren der Bank ist überaus diskret. Ihr Einfluss reicht weit in den Alltag der Bürger hinein - vom Facebook-Börsengang über die Ernennung des Präsidenten der Europäischen Zentralbank bis hin zum Lobbying gegen die Regulierung des Finanzsektors. Der Arm der Bank ist lang, und sie befindet sich stets auf der Gewinnerseite.
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Dienstag, 4. September 2012
Das Geheimnis des Bienensterbens
2006 machte die Nachricht aus den USA Schlagzeilen, Milliarden von Bienen seien verendet. Viele Bienenzüchter fanden leere Bienenstöcke vor. Die US-Regierung beauftragte eine Gruppe von Wissenschaftlern mit der Untersuchung dieses mysteriösen Sterbens, das sogleich einen eigenen Namen bekam: Colony Collapse Disorder (CCD; auf Deutsch: "Völkerkollaps"). Über die Ursachen gibt es bisher nur Vermutungen - Genmutation, neue Pestizide, Mobilfunkstrahlungen, ein Virus -, aber keine endgültige Erkenntnis. Seit vier Jahren investieren Regierungen und verschiedene wissenschaftliche Einrichtungen beachtliche Mittel in die Erforschung und mögliche Beseitigung der Ursache dieser programmierten Katastrophe. Hat die Wissenschaft eine Antwort gefunden? Kann sie die Bienen überhaupt retten?
Um diese Fragen zu beantworten, verfolgte der Dokumentarfilm "Das Geheimnis des Bienensterbens" die Arbeit verschiedener Wissenschaftlerteams, die mit unterschiedlichen Hypothesen die Ursachen der weltweiten Bedrohung der Honig- und Wildbienen zu verstehen versuchen. Der Film geht auch der Frage nach, wie es zu den radikalen Veränderungen im Verhältnis von Mensch und Biene kam, das sich lange Zeit im Gleichgewicht befand. Lange bevor das Colony Collapse Disorder in die Schlagzeilen geriet, hatten Wissenschaftler und Bienenzüchter den Schwund der Bienen und anderer Bestäuber festgestellt.
Bisher gibt es keine genauen Diagnosen der Wissenschaftler. Aber selbst wenn die Forschung die Ursachen dingfest macht, ist damit noch kein Heilmittel gefunden. Die Wissenschaft bleibt machtlos, solange landwirtschaftliche Produktionsmethoden nicht hinterfragt und verändert werden. Aber ist die Menschheit bereit, sich dieser Herausforderung zu stellen?
(Frankreich, Kanada, 2010, 89mn) ARTE F
Alternativer Link: https://www.youtube.com/watch?v=jL1e5v83EDI
Samstag, 4. August 2012
Bodenschätze: Wie Glencore Afrika ausnimmt
repost: http://beobachter.ch.msn.com/natur/bodensch%c3%a4tze-wie-glencore-%e2%80%a8afrika-ausnimmt
von: Martin Vetterli, Beobachter, Zuletzt aktualisiert: 30.07.2012
von: Martin Vetterli, Beobachter, Zuletzt aktualisiert: 30.07.2012
Bodenschätze: Wie Glencore Afrika ausnimmt
Entwicklungsländer exportieren immer mehr
Bodenschätze.
Doch reich werden damit nur die weltweit tätigen
Rohstoffkonzerne.
Zum Beispiel der Schweizer Riese Glencore im Kongo.
Meinrad SchadeWillis D.
Vaughn
Das Operationsfeld sind Staaten, die so schwach und korrupt sind, dass sie keine Gegenwehr leisten. Dort lassen Männer wie Glencore-Chef Ivan Glasenberg Erze in rauen Mengen abbauen. Die Milliardengewinne versteuern sie aber andernorts, wo die Steuersätze gegen null tendieren. Auf der Strecke bleiben Länder wie die Demokratische Republik Kongo, eines der ärmsten Länder der Welt. Auf dem Wohlstandsbarometer der Uno steht es auf Rang 187 von 187, auf dem Korruptionsindex auf Platz 168 von 182.
Für Entwicklungspolitiker ist der Kongo ein Alptraum. Nach drei Bürgerkriegen ist die Infrastruktur zerstört, der Staat ein Wrack. Vier von fünf Kongolesen leben von weniger als 20 Rappen am Tag. Vier von fünf haben keinen Zugang zu medizinischer Versorgung. Vier von fünf sind unterernährt. Die Jugendarbeitslosigkeit beträgt 70 Prozent. Jedes achte Kind stirbt vor dem ersten Geburtstag, eines von vier besucht die Schule. Das Land zählt 10'000 Festnetzanschlüsse – und 71 Millionen Einwohner.
Meinrad SchadeWillis D.
Vaughn
Auch die Gewinne werden exportiert: Kupfermine im Kongo
Glencore weiss, wie man Steuern umgeht
Dabei ist der Kongo mit Bodenschätzen gesegnet: Gold, Diamanten und das für die Computerindustrie wichtige Erz Coltan. In der Südprovinz Katanga liegen 80 Prozent der Kobalt- und 10 Prozent der weltweiten Kupferreserven. Vor 30 Jahren stammten 70 Prozent der Steuereinnahmen der Provinz aus dem Bergbau, 2006 waren es noch 7 Prozent. In Katanga baut auch der Zuger Branchengigant Glencore Kupfer ab. Sein Konzerngewinn liegt aktuell bei 4,1 Milliarden Dollar. Die Steuerquote ist ein Witz. 2010 fiel sie unter zehn Prozent – dank einer Unternehmensstrategie, die konsequent auf Steuervermeidung zielt.
Wie Glencore vorgeht, haben die christlichen Hilfswerke Fastenopfer und Brot für alle im Kongo recherchiert. Das erstaunliche Ergebnis: Die dortigen Glencore-Firmen schreiben rote Zahlen. Den Gewinn streichen die Glencore-Filialen ein, die Büros in Steuerparadiesen haben.
Die Hilfswerke werfen dem Rohstoffmulti vor, den Kongo in den letzten zwei Jahren um bis zu 196 Millionen Dollar geprellt zu haben. Gelder, die das Land für den Wiederaufbau dringend nötig hätte. Glencore verwendet es lieber anders. Etwa, um die Manager des Bergbaukonzerns Xstrata mit einem 370-Millionen-Franken-Almosen für eine Fusion gefügig zu machen. Das Vorhaben wurde Ende Juni vertagt; der Staatsfonds von Qatar, zweitgrösster Xstrata-Aktionär, will mehr Geld sehen.
Auch die kongolesische Glencore-Filiale Kamoto Copper Company (KCC) schreibt Verlust – zumindest offiziell. Laut einem Firmeninsider deklarierte sie 2011 gegenüber dem kongolesischen Staat 225 Millionen Dollar Verlust – eine Zahl, die sie nie öffentlich machte. Gemäss dem konsolidierten Bericht der Mutterfirma verdiente KCC aber 110 Millionen.
Die Gewinne flossen durch das Glencore-Firmensystem ab. Das funktioniert, weil KCC zu drei Vierteln fünf Glencore-Töchtern gehört, die eins gemeinsam haben: einen Firmensitz in einer Steueroase. Diese fünf sind im Besitz der in Toronto kotierten Katanga Mining. Die wiederum ist zu 75 Prozent in Glencore-Hand (siehe nachfolgende Grafik).
Meinrad SchadeWillis D.
Vaughn
Die Minenfirma Kamoto Copper Company weist gegenüber dem kongolesischen Staat Verluste aus – und muss deshalb nur ein Promille des Umsatzes versteuern. Die Gewinne streichen Glencore-Filialen in Steueroasen und der Mutterkonzern in der Schweiz ein.
Zehn Konzerne, 6000 Tochterfirmen
Die Glencore-Filialen hängen eng zusammen. So arbeitet die Zuger Katanga Mining Services für KCC. Dafür kassierte sie einen beträchtlichen Teil der 202,8 Millionen Dollar (2010: 111,5 Millionen), die das Minenunternehmen für «andere Serviceleistungen» ausweist. Ob diese zu marktüblichen Preisen verrechnet werden, lässt sich kaum überprüfen. Das gilt auch für die letztes Jahr bezahlten 208,3 Millionen Dollar Zinsen (2010: 190,2 Millionen), die KCC verschiedenen Glencore-Töchtern zahlte.
Im Kongo, wo die Unternehmenssteuern 30 Prozent betragen, fallen nur Verluste an. Versteuern muss KCC gemäss Minengesetz so nur ein Promille des Umsatzes. Zudem kann sie ihre Milliardeninvestitionen beschleunigt abschreiben und Verluste über fünf Jahre von späteren Gewinnen abziehen: 2008 beendete die Firma mit einem Minus von 1,25 Milliarden Dollar. Der Kupferpreis war eingebrochen, die Erträge sanken, man stufte den Wert der Kupferreserven ab, schob Projekte auf die lange Bank. Der Buchverlust ist eine Garantie, dass KCCs Steuerlast leicht bleibt.
Steuersparen mit komplexen Firmenstrukturen gehört zum Geschäft der Rohstoffbranche. Den zehn grössten Konzernen gehören 6038 Tochterfirmen. Jede dritte hat den Firmensitz in einer Steueroase. Bei Glencore ist fast die Hälfte der 46 Töchter in einem Steuertiefstland zu Hause.
Fastenopfer und Brot für alle vermuten auch, dass Glencore die Umsatzzahlen im Kongo manipuliert. Mutanda Mining, die andere Glencore-Minengesellschaft vor Ort, wies für 2011 eine Produktionsmenge von 63'700 Tonnen Kupfer aus. Eine Quelle, die die Zahlen kennen muss, sagt: Es waren 10'000 Tonnen mehr. Der Kongo verurteilte Katanga Mining Anfang Mai zu Steuernachzahlungen und einer Busse von 14,5 Millionen Dollar. Die Firma hatte im ersten Quartal zu tiefe Kupferexporte angegeben.
Laut den Hilfswerken beschäftigt KCC zudem im Kongo 136 Ausländer zu 100 Prozent – diese besitzen aber Beraterverträge ausländischer Glencore-Filialen. Für die Angestellten der perfekte Deal. Sie müssen im Kongo deutlich weniger als die sonst fälligen 25 Prozent an den Staat abliefern. Auch damit entgehen dem Land Millionen.
Der Kongo ist nicht das einzige Land, in dem Glencore aggressiv Steuern optimiert. Im benachbarten Sambia wies ihre Minengesellschaft Mopani zwischen 2000 und 2008 konstant Verluste aus. Externe Prüfer entdeckten Unregelmässigkeiten, etwa aufgeblasene Betriebskosten. Jetzt ermittelt eine Kommission des britischen Parlaments.
Für Glencore ist trotzdem «nicht nachvollziehbar», auf welcher Grundlage die Vorwürfe der beiden Hilfsorganisationen basieren. «Glencore hält sich an sämtliche Steuer- und anderen Vorschriften der Demokratischen Republik Kongo», teilt Sprecher Bernhard Schmid dem Beobachter mit. KCC und Mutanda hätten letztes Jahr dem Kongo 166 Millionen Dollar Steuern abgeliefert. Und die Steuerleistungen würden «in den nächsten Jahren substantiell wachsen, weil das gegenwärtig hohe Investitionsniveau entsprechende Einnahmen zu generieren beginnt». Auch habe die Zahl ausländischer Mitarbeiter «signifikant abgenommen». Man versuche, «wo immer möglich kongolesische Staatsangehörige zu beschäftigen».
USA und EU handeln, die Schweiz wartet ab
Die Konsequenzen aggressiver Steuervermeidung spüren alle Förderländer. Obwohl sich der Preis von Gold, Silber und Nickel verdreifachte, jener von Kupfer, Platin und Zinn auf das Vierfache kletterte, Blei fünfmal teurer wurde, blieben ihre Einnahmen zwischen 2003 und 2008 praktisch gleich. Laut Schätzungen der OECD entgehen den Entwicklungsländern jährlich 160 Milliarden Dollar Steuereinnahmen. Das ist deutlich mehr als die 125 Milliarden, die alle OECD-Länder zusammen in die Entwicklungszusammenarbeit investieren.
Gegen diese Form der Steuerflucht gäbe es ein wirksames Mittel: transparentere Konzernrechnungen. Müssten die Firmen wichtige Kennziffern wie Umsatz, Gewinn, Steuerkosten länderweise ausweisen, kämen unsaubere Steuerpraktiken eher ans Licht. Wenn etwa eine auf den Bahamas beheimatete Tochterfirma ohne Personal 10 Prozent des Konzerngewinns erzielt, liegt der Verdacht nahe, dass es sich um eine Briefkastenfirma handelt.
In den USA und in der EU gibt es Anstrengungen, dieses «Country-by-Country-Reporting» einzuführen, die Schweiz wartet jedoch ab. Glencore hält solche Pläne gar für «nicht nützlich». Die Kosten für eine Rechnungslegung nach Ländern stünden in keinem Verhältnis zum Erkenntnisgewinn, sagt ihr oberster Steuerexperte Tim Scott.
Ganz anders sieht es Andreas Missbach von der Erklärung von Bern: «Entwicklungsländer brauchen mehr als nur ausländische Hilfe, um dauerhafte Fortschritte in der Armutsbekämpfung zu machen. Sie müssen rasch ihre Steuereinnahmen erhöhen und den Kapitalabfluss eindämmen.» Steueroptimierung à la Glencore sei nur möglich, solange jede Tochterfirma separat besteuert werde. «Die Fiktion der Selbständigkeit verkennt, dass viele dieser Konstrukte einzig dem Zweck dienen, die Steuerzahlungen der Muttergesellschaft zu drücken.»
François Mercier von Fastenopfer sagt: «Wir wollen mit neuen Rechnungslegungsvorschriften ein Stück Transparenz schaffen.» Wenn klar werde, wie transnationale Konzerne Gewinne ins Ausland schaffen, könnten betroffene Länder besser reagieren – und etwa die Exporte stärker besteuern. «Wir sagen nicht, die Rohstoffkonzerne müssten raus aus dem Kongo. Sie sollen dort nur endlich fair Steuern zahlen.»
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Donnerstag, 21. Juni 2012
Kapitalismus der Dinge
reblog von: http://keimform.de/2012/kapitalismus-der-dinge/
Kapitalismus der Dinge
Von Stefan Meretz
Für mich waren die Commons in vielerlei Hinsicht eine Erleuchtung. Wenn Commons nicht bloß eine »Sache« ist, sondern vor allen die soziale Art und Weise, eine »Sache« herzustellen und zu erhalten, dann gilt das auch für die kapitalistische Elementareinheit, die Ware. Auch die Ware liegt nicht bloß im Regal und wartet darauf gekauft zu werden, sondern sie steht für die soziale Beziehung, die erforderlich ist, sie herzustellen (um Erhalten geht es selten).
Wenn das so ist, dann müsste man die »Sozialität« den Waren oder den Commons als Sachen auch ansehen. Sie müssten die sozialen Beziehungen, die »in sie geflossen sind« auch in ihrer Gestalt zeigen, dachte ich mir. Es ist so. Auf drastische Weise zeigt das der Film Behind the Screen.
Wieso soll man den Handy- und Computer-Waren ihre »Sozialität« ansehen, sie sehen doch im allgemeinen ganz schick aus, oder? Eben. So wie über die unmenschlichen Arbeitsbedingungen der Mantel des Schweigens gedeckt wird, erhält die Ware eine schickes Outfit. Do not open! Nicht hingucken und nicht reingucken.
Und schließlich das Ende der Waren. Ungefähr drei Viertel des Elektronikschrotts landet im Süden — deklariert als Gebrauchtgeräte, denn Müllexport ist verboten. Kinder brennen aus dem Schrott einige Metalle heraus, Kupfer und anderes, und setzen dabei Gifte frei, die sie töten werden: »Eine Menge der Kinder, die hier arbeiten, werden ihren 20. Geburtstag wohl nicht erleben«. Auch das zeigt der Film.
Ökonomen nennen die gemacht-unerwünschten Effekte Externalitäten. In Wikipedia-Worten sind es die »unkompensierten Auswirkungen ökonomischer Entscheidungen auf unbeteiligte Marktteilnehmer«. Unkompensiert, eine Verniedlichung, die das gängige Denkmuster zeigt. Denn wäre durch Kompensation etwas gewonnen? Wenn die Umwelt bereits zerstört ist und die Menschen schwer erkrankt oder gestorben sind? Sicher könnte man etwas »ausbessern« und »helfen«, im Nachhinein, aber eine Lösung wäre das nicht, eher eine Befestigung des schlechten Zustands.
Eine Lösung braucht eine neue Produktionsweise. Doch dieser Gedanke liegt völlig ausserhalb des ökonomischen Denkens. Wie eine Produktionsweise ohne destruktive Externalitäten aussehen kann, habe ich anderswo vorgestellt.
Für mich haben die Commons einen wichtigen Beitrag geleistet, um zu verstehen, dass es nicht reicht, innerhalb der bestehenden Produktionsweise andere Waren herzustellen, sondern dass die Produktion von Waren selbst das Problem ist. Warenproduktion ist nicht neutral, sondern sie verkörpert im unmittelbaren stofflichen Sinne — in den Produktionsmitteln und den Produkten — wozu sie dient: aus Geld mehr Geld zu machen. Der Film Behind the Screen liefert das (unkommentierte) Anschauungsmaterial.
Warenproduktion ist getrennte Privatproduktion. Diese Trennung erzeugt die Externalitäten, unter denen wir letztlich alle leiden (unbesehen der erheblichen Unterschiede). Commons bedeuteten im Kern Aufhebung der Trennung und Vermittlung der unterschiedlichen Bedürfnisse bevor produziert wird. Das ist ein Unterschied ums Ganze. Diese Potenz der Commons gilt es allerdings erst noch zu entfalten, aber sie wird auch weltweit immer mehr erkannt.
Wenn das so ist, dann müsste man die »Sozialität« den Waren oder den Commons als Sachen auch ansehen. Sie müssten die sozialen Beziehungen, die »in sie geflossen sind« auch in ihrer Gestalt zeigen, dachte ich mir. Es ist so. Auf drastische Weise zeigt das der Film Behind the Screen.
Wieso soll man den Handy- und Computer-Waren ihre »Sozialität« ansehen, sie sehen doch im allgemeinen ganz schick aus, oder? Eben. So wie über die unmenschlichen Arbeitsbedingungen der Mantel des Schweigens gedeckt wird, erhält die Ware eine schickes Outfit. Do not open! Nicht hingucken und nicht reingucken.
Was man sieht, wenn man mal hinguckt
… davon handelt der Film Behind the Screen. Er zeigt die zwei Seiten der Warenproduktion: vor der Nutzung durch einen Käufer und danach. Vor der Nutzung geht es um werbewirksame Leistung und Outfit. Für Handys und Computer werden weltweit seltene Rohstoffe eingekauft, die unter für Mensch und Umwelt unvollstellbar zerstörerischen Methoden gewonnen werden. Der Zusammenbau erfolgt in abgeschotteten Fabriken, die nur dann Schlagzeilen machen, wenn die Selbstmordrate der Arbeiterinnen ein gewisses Maß überschreitet.Und schließlich das Ende der Waren. Ungefähr drei Viertel des Elektronikschrotts landet im Süden — deklariert als Gebrauchtgeräte, denn Müllexport ist verboten. Kinder brennen aus dem Schrott einige Metalle heraus, Kupfer und anderes, und setzen dabei Gifte frei, die sie töten werden: »Eine Menge der Kinder, die hier arbeiten, werden ihren 20. Geburtstag wohl nicht erleben«. Auch das zeigt der Film.
Was man sieht, wenn man reinguckt
… dazu muss man schon den eigenen Blick schärfen. Sieht ja alles so schick aus, auch unter der Haube. Doch was sehen wir dort: Extrem hohe Integration der kleinsten Bauteile. Die Ware ist ein monolithischer Klotz. Unreparierbar mit in der Regel inkompatiblen Komponenten, sobald man die Grenzen des Geräts verlässt, und das soll auch so sein. Neukaufen bringt Profit, nicht selbst reparieren. Modularität, Kompatiblität, Interkonnektivität, Langlebigkeit, Wiederverwendbarkeit, Recyclebarkeit sind Fremdworte.Ökonomen nennen die gemacht-unerwünschten Effekte Externalitäten. In Wikipedia-Worten sind es die »unkompensierten Auswirkungen ökonomischer Entscheidungen auf unbeteiligte Marktteilnehmer«. Unkompensiert, eine Verniedlichung, die das gängige Denkmuster zeigt. Denn wäre durch Kompensation etwas gewonnen? Wenn die Umwelt bereits zerstört ist und die Menschen schwer erkrankt oder gestorben sind? Sicher könnte man etwas »ausbessern« und »helfen«, im Nachhinein, aber eine Lösung wäre das nicht, eher eine Befestigung des schlechten Zustands.
Eine Lösung braucht eine neue Produktionsweise. Doch dieser Gedanke liegt völlig ausserhalb des ökonomischen Denkens. Wie eine Produktionsweise ohne destruktive Externalitäten aussehen kann, habe ich anderswo vorgestellt.
Für mich haben die Commons einen wichtigen Beitrag geleistet, um zu verstehen, dass es nicht reicht, innerhalb der bestehenden Produktionsweise andere Waren herzustellen, sondern dass die Produktion von Waren selbst das Problem ist. Warenproduktion ist nicht neutral, sondern sie verkörpert im unmittelbaren stofflichen Sinne — in den Produktionsmitteln und den Produkten — wozu sie dient: aus Geld mehr Geld zu machen. Der Film Behind the Screen liefert das (unkommentierte) Anschauungsmaterial.
Warenproduktion ist getrennte Privatproduktion. Diese Trennung erzeugt die Externalitäten, unter denen wir letztlich alle leiden (unbesehen der erheblichen Unterschiede). Commons bedeuteten im Kern Aufhebung der Trennung und Vermittlung der unterschiedlichen Bedürfnisse bevor produziert wird. Das ist ein Unterschied ums Ganze. Diese Potenz der Commons gilt es allerdings erst noch zu entfalten, aber sie wird auch weltweit immer mehr erkannt.
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Montag, 11. Juni 2012
Commons. Für eine neue Politik jenseits von Markt und Staat
Und hier das ganze Buch online: http://ginger-and-lemon.ch/media/uploads/2012-04-buch-2012-04-buch-commons.pdf
Bei Immunität gegen die handelsübliche Medizin hilft auch eine höhere Dosierung nicht. Die Behandlung muss neu gedacht, das Medikament neu entwickelt werden.
Tatsächlich scheint Ressourcenübernutzung gegen 'mehr Markt' ebenso immun wie gegen 'mehr Staat'. Sozialem Ausschluss beugt der Markt ohnehin nicht vor. Und dem Staat gehen inmitten massiver Krisen die Handlungsspielräume aus. Wir brauchen nicht mehr vom Gleichen, sondern eine politische Programmatik und Kultur jenseits eingefahrener Gleise. Wir brauchen einen Abschied vom Markt-Staat-Duopol, ein alternatives ökonomisches Betriebssystem, eine andere politische Kultur und ein Denken in neuen Kategorien. Doch jeder Übergang zu einem neuen Paradigma setzt voraus, dass genügend Menschen aktiv Teil der Geschichte werden und sich diese neuen Kategorien in ihrer Lebenspraxis aneignen.
90 Autorinnen und Autoren aus aller Welt zeigen, dass dieses Umdenken schwierig, aber möglich ist - in Theorie und Praxis. Der aktuelle Sammelband "Commons. Für eine neue Politik jenseits von Markt und Staat" spiegelt die Aktualität der Commonsdebatte und macht Mut, Neues zu probieren, und Lust auf "commoning".
Mit einer Einführung von Silke Helfrich, Commons Strategies Group und Mit-Herausgeberin des Buches „Commons. Für eine neue Politik jenseits von Markt und Staat", anschließend diskutieren miteinander und mit ihnen
Dr. Hermann E. Ott, MdB Bündnis 90/Die Grünen und
Fabio Reinhardt, Mitglied Abgeordnetenhaus Berlin, Piratenpartei
Moderation: Julia Gechter, Filmemacherin
Zum Buch: http://www.boell.de/publikationen/publikationen-commons-fuer-eine-neue-politi...
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Dienstag, 5. Juni 2012
The radical revolution
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