Donnerstag, 21. Juni 2012

Kapitalismus der Dinge

reblog von: http://keimform.de/2012/kapitalismus-der-dinge/

Kapitalismus der Dinge

Für mich waren die Commons in vielerlei Hinsicht eine Erleuchtung. Wenn Commons nicht bloß eine »Sache« ist, sondern vor allen die soziale Art und Weise, eine »Sache« herzustellen und zu erhalten, dann gilt das auch für die kapitalistische Elementareinheit, die Ware. Auch die Ware liegt nicht bloß im Regal und wartet darauf gekauft zu werden, sondern sie steht für die soziale Beziehung, die erforderlich ist, sie herzustellen (um Erhalten geht es selten).
Wenn das so ist, dann müsste man die »Sozialität« den Waren oder den Commons als Sachen auch ansehen. Sie müssten die sozialen Beziehungen, die »in sie geflossen sind« auch in ihrer Gestalt zeigen, dachte ich mir. Es ist so. Auf drastische Weise zeigt das der Film Behind the Screen.


Wieso soll man den Handy- und Computer-Waren ihre »Sozialität« ansehen, sie sehen doch im allgemeinen ganz schick aus, oder? Eben. So wie über die unmenschlichen Arbeitsbedingungen der Mantel des Schweigens gedeckt wird, erhält die Ware eine schickes Outfit. Do not open! Nicht hingucken und nicht reingucken.

Was man sieht, wenn man mal hinguckt

… davon handelt der Film Behind the Screen. Er zeigt die zwei Seiten der Warenproduktion: vor der Nutzung durch einen Käufer und danach. Vor der Nutzung geht es um werbewirksame Leistung und Outfit. Für Handys und Computer werden weltweit seltene Rohstoffe eingekauft, die unter für Mensch und Umwelt unvollstellbar zerstörerischen Methoden gewonnen werden. Der Zusammenbau erfolgt in abgeschotteten Fabriken, die nur dann Schlagzeilen machen, wenn die Selbstmordrate der Arbeiterinnen ein gewisses Maß überschreitet.
Und schließlich das Ende der Waren. Ungefähr drei Viertel des Elektronikschrotts landet im Süden — deklariert als Gebrauchtgeräte, denn Müllexport ist verboten. Kinder brennen aus dem Schrott einige Metalle heraus, Kupfer und anderes, und setzen dabei Gifte frei, die sie töten werden: »Eine Menge der Kinder, die hier arbeiten, werden ihren 20. Geburtstag wohl nicht erleben«. Auch das zeigt der Film.

Was man sieht, wenn man reinguckt

… dazu muss man schon den eigenen Blick schärfen. Sieht ja alles so schick aus, auch unter der Haube. Doch was sehen wir dort: Extrem hohe Integration der kleinsten Bauteile. Die Ware ist ein monolithischer Klotz. Unreparierbar mit in der Regel inkompatiblen Komponenten, sobald man die Grenzen des Geräts verlässt, und das soll auch so sein. Neukaufen bringt Profit, nicht selbst reparieren. Modularität, Kompatiblität, Interkonnektivität, Langlebigkeit, Wiederverwendbarkeit, Recyclebarkeit sind Fremdworte.
Ökonomen nennen die gemacht-unerwünschten Effekte Externalitäten. In Wikipedia-Worten sind es die »unkompensierten Auswirkungen ökonomischer Entscheidungen auf unbeteiligte Marktteilnehmer«. Unkompensiert, eine Verniedlichung, die das gängige Denkmuster zeigt. Denn wäre durch Kompensation etwas gewonnen? Wenn die Umwelt bereits zerstört ist und die Menschen schwer erkrankt oder gestorben sind? Sicher könnte man etwas »ausbessern« und »helfen«, im Nachhinein, aber eine Lösung wäre das nicht, eher eine Befestigung des schlechten Zustands.
Eine Lösung braucht eine neue Produktionsweise. Doch dieser Gedanke liegt völlig ausserhalb des ökonomischen Denkens. Wie eine Produktionsweise ohne destruktive Externalitäten aussehen kann, habe ich anderswo vorgestellt.
Für mich haben die Commons einen wichtigen Beitrag geleistet, um zu verstehen, dass es nicht reicht, innerhalb der bestehenden Produktionsweise andere Waren herzustellen, sondern dass die Produktion von Waren selbst das Problem ist. Warenproduktion ist nicht neutral, sondern sie verkörpert im unmittelbaren stofflichen Sinne — in den Produktionsmitteln und den Produkten — wozu sie dient: aus Geld mehr Geld zu machen. Der Film Behind the Screen liefert das (unkommentierte) Anschauungsmaterial.
Warenproduktion ist getrennte Privatproduktion. Diese Trennung erzeugt die Externalitäten, unter denen wir letztlich alle leiden (unbesehen der erheblichen Unterschiede). Commons bedeuteten im Kern Aufhebung der Trennung und Vermittlung der unterschiedlichen Bedürfnisse bevor produziert wird. Das ist ein Unterschied ums Ganze. Diese Potenz der Commons gilt es allerdings erst noch zu entfalten, aber sie wird auch weltweit immer mehr erkannt.

Montag, 11. Juni 2012

Commons. Für eine neue Politik jenseits von Markt und Staat



Und hier das ganze Buch online: http://ginger-and-lemon.ch/media/uploads/2012-04-buch-2012-04-buch-commons.pdf
 
Bei Immunität gegen die handelsübliche Medizin hilft auch eine höhere Dosierung nicht. Die Behandlung muss neu gedacht, das Medikament neu entwickelt werden.

Tatsächlich scheint Ressourcenübernutzung gegen 'mehr Markt' ebenso immun wie gegen 'mehr Staat'. Sozialem Ausschluss beugt der Markt ohnehin nicht vor. Und dem Staat gehen inmitten massiver Krisen die Handlungsspielräume aus. Wir brauchen nicht mehr vom Gleichen, sondern eine politische Programmatik und Kultur jenseits eingefahrener Gleise. Wir brauchen einen Abschied vom Markt-Staat-Duopol, ein alternatives ökonomisches Betriebssystem, eine andere politische Kultur und ein Denken in neuen Kategorien. Doch jeder Übergang zu einem neuen Paradigma setzt voraus, dass genügend Menschen aktiv Teil der Geschichte werden und sich diese neuen Kategorien in ihrer Lebenspraxis aneignen.

90 Autorinnen und Autoren aus aller Welt zeigen, dass dieses Umdenken schwierig, aber möglich ist - in Theorie und Praxis. Der aktuelle Sammelband "Commons. Für eine neue Politik jenseits von Markt und Staat" spiegelt die Aktualität der Commonsdebatte und macht Mut, Neues zu probieren, und Lust auf "commoning".

Mit einer Einführung von Silke Helfrich, Commons Strategies Group und Mit-Herausgeberin des Buches „Commons. Für eine neue Politik jenseits von Markt und Staat", anschließend diskutieren miteinander und mit ihnen

Dr. Hermann E. Ott, MdB Bündnis 90/Die Grünen und

Fabio Reinhardt, Mitglied Abgeordnetenhaus Berlin, Piratenpartei

Moderation: Julia Gechter, Filmemacherin

Zum Buch: http://www.boell.de/publikationen/publikationen-commons-fuer-eine-neue-politi...

Montag, 21. Mai 2012

Willkommen im Hype-Kapitalismus

Der Facebook-Börsengang war vor allem heisse Luft. Die Episode ist das Symptom eines Systems, das vom Hurra-Geschrei seiner Bewunderer und Profiteure lebt. Die grosse Glocke übertönt die Dauerkrise. Die Medien überschlugen sich: Lohnschreiber tippten sich die Finger wund, TV-Reporter berichteten aufgeregt und live von der Börse und durch das Internet stapfte allenthalben der Firmengründer als Leitfigur: Hereinspaziert zum Hype-Kapitalismus, wie er sich beim insgesamt doch eher laschen Börsengang von Facebook manifestierte und als weiteres Anzeichen für die systemische Krise des geltenden Wirtschaftsmodells zu deuten ist. Denn der Hype-Kapitalismus lebt vom übertünchenden Hurra-Geschrei seiner Bewunderer und Profiteure und paart sich mit den spekulativen Auswüchsen eines Finanz- und Bankenwesens, das in den Worten des ehemaligen US-Notenbankchefs Paul Volcker seit der Einführung des Bankomaten nichts mehr erschaffen hat, was der Allgemeinheit wirklich gedient hätte. Das geschäftige Gewusel des Hype-Kapitalismus wird zudem untermalt von kultischen Elementen, wie sie etwa bei der Vorstellung eines neuen iPads oder iPhone zu beobachten sind: Die Bühne wird zum Geschäftsmodell, der Entrepreneur zum Magier. Kapitalismus als prickelnde Unterhaltung Die wachsende und für das Funktionieren von Demokratien tödliche soziale Ungleichheit übersieht der Hype-Kapitalismus geflissentlich. Ihm geht es zuvorderst um prickelnde Unterhaltung sowie die Verklärung der «Job Creators» als Schaffer von Arbeitsplätzen und mithin Helden, deren Steuerlast möglichst niedrig sein muss und denen Angestellte und Bürger gefälligst auf den Knien zu danken haben. Verglichen damit war der amerikanische Kapitalismus der fünfziger Jahre allemal erfolgreicher, allerdings mit Spitzensteuersätzen von rund 90 Prozent und einer gewerkschaftlich organisierten Arbeiterschaft, die am Segen wachsender Produktiviät teilhaben durfte und eben jene Mittelklasse konstituierte, die zunehmend ausfranst. Die Schreihälse sind am Zug Aber jetzt sind eben die Schreihälse am Zug, deren Modell vor allem einer grossen Glocke bedarf, an die möglichst lautstark alles gehängt wird, was sich vergolden oder versilbern lässt. Dass die Facebook-Aktie am Freitag an der New Yorker Börse wie ein alter Plastikeimer in der Brandung dümpelte, wird dem Hype-Kapitalismus ebensowenig Abbruch tun wie ein mögliches Absacken des Zuckerberg-Papiers, wenn zuerst die Leerverkäufer antreten und danach die Facebook-Insider ihre Aktien auf den Markt werfen. Immerhin unterhielt die New Yorker Show am Freitag prächtig und lenkte obendrein von der allgemeinen Dauerkrise ab, obschon wir uns ausgiebiger mit Mark Zuckerbergs Hochzeit hätten befassen sollen und weniger mit seinem Börsengang. Die Verehlichung des Facebook-Gründers war schliesslich real und greifbar und wirklich. Ein Kommentar von Martin Kilian, Washington. Aktualisiert am 20.05.2012, Tages-Anzeiger online

Mittwoch, 9. Mai 2012

Spekulation mit Lebensmitteln Allianz als Hungermacher

Spekulation mit Lebensmitteln Allianz als Hungermacher 09.05.2012, 10:53 
Von Michael Bauchmüller und Alexander Hagelüken

Die Finanzwelt muss sich seit kurzem mit einem heiklen Thema befassen: Spekulation mit Nahrungsmitteln. Nun klagt die Entwicklungshilfeorganisation Oxfam die Allianz an. Der deutsche Versicherungskonzern verstärke den Hunger in der Welt. Geht es nach der Entwicklungshilfeorganisation Oxfam, wird es für den Allianz-Vorstand an diesem Mittwoch ungemütlich. Bei der Hauptversammlung in München werden kritische Aktionäre beantragen, den Vorstand nicht zu entlasten. Der Grund: Das Unternehmen spekuliere mit Nahrungsmitteln - und zwar wie kein zweiter deutscher Konzern. Die Finanzwelt muss sich seit dem vergangenen Herbst mit dem heiklen Thema befassen. Damals beschrieb ein Bericht der Organisation Foodwatch den Zusammenhang zwischen Nahrungsmittelspekulation und Hungersnöten. Als Nummer fünf im globalen Rohstoffhandel stand seinerzeit vor allem die Deutsche Bank am Pranger, die daraufhin zumindest zusagte, die fragwürdigen Geschäfte zu überprüfen. "Mit Besorgnis verfolgt auch die Deutsche Bank, dass immer wieder Menschen unter Nahrungsmittelknappheit leiden müssen", schrieb das Geldhaus wenige Monate später. Weitere "börsengehandelte Anlageprodukte auf der Basis von Grundnahrungsmitteln" würden nicht aufgelegt, so lange eigene Untersuchungen der Bank nicht abgeschlossen seien. Sie sind im Gange. Doch eine Studie von Oxfam, die der Süddeutschen Zeitung vorliegt, rückt nun auch den Münchner Allianz-Konzern in den Fokus. Nach Recherchen der Organisation handelt der Versicherer wie kein zweites deutsches Unternehmen an Warenterminbörsen mit Nahrungsmitteln. In fünf Fonds setze das Unternehmen demnach auf steigende Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse, insbesondere über die zum Konzern gehörende Kapitalanlage-Gesellschaft Pimco. Der Studie zufolge hatte die Allianz 2011 mehr als 6,2 Milliarden Euro in solche Fonds investiert, die Deutsche Bank knapp 4,6 Milliarden Euro. In einem globalen Markt, den Analysten auf rund 70 Milliarden Euro schätzen, kämen allein diese beiden Geldinstitute auf einen Anteil von rund 14 Prozent. Manche Anbieter haben die Reißleine gezogen Der Zusammenhang zwischen Termingeschäften und Hunger ist für Oxfam evident. Der Handel mit Agrar-Rohstoffderivaten stieg - einer Barclays-Untersuchung zufolge - von neun Milliarden Dollar im Jahr 2003 auf 99 Milliarden Dollar acht Jahre später. Schon ohne solche Geschäfte sei die Nahrungsmittelproduktion in armen Ländern in den vergangenen Jahren deutlich erschwert worden, schreibt Oxfam - sei es durch den Klimawandel, sei es wegen der Vertreibung von Kleinbauern durch Großinvestoren oder sei es aufgrund der zunehmenden Erzeugung von Biokraftstoffen auf Flächen, die vormals Nahrungsmittel abwarfen.Manche Anbieter haben die Reißleine gezogen Dadurch werde der Markt insgesamt instabiler, die Preise schwankten stärker. "Genau darauf wetten Nahrungsmittelspekulanten", heißt es in der Oxfam-Studie (Titel: "Mit Essen spielt man nicht"): "Sie beschleunigen existierende Trends und treiben Preisaufschläge auf die Spitze." Die Folge für die Ärmsten sei zwangsläufig Hunger. "Menschen in armen Ländern geben bis zu 80 Prozent ihres Einkommens für Nahrungsmittel aus", sagt Frank Braßel, Leiter der Oxfam-Kampagne. Die seien "den Preissprüngen durch die Spekulation mit Nahrungsmitteln schutzlos ausgeliefert". Die deutsche Finanzwirtschaft reagiert unterschiedlich auf die Vorwürfe. Während die Deutsche Bank zwar prüft, aber ansonsten bestehende Fonds einstweilen weiterlaufen lässt, haben die Deka-Fonds im vorigen Monat die Reißleine gezogen. Zwar seien die Auswirkungen noch nicht "hinreichend und abschließend" geklärt, argumentierte die Sparkassen-Finanzgruppe - allerdings gebe es auch keine Entwarnung. Weswegen sich die Deka aus dem Geschäft mit Grundnahrungsmitteln wie Weizen und Soja bis Ende des Jahres zurückziehe. Ein Allianz-Sprecher erklärt zu den Vorwürfen, Ursachen der hohen Nahrungsmittelpreise seien vor allem Bevölkerungswachstum, Klimawandel, politische Krisen oder Biosprit - und nicht der Derivatehandel. Für den Oxfam-Mann Braßel ist das kein Argument: "Viele der Gründe, warum Menschen hungern, können wir nicht beeinflussen. Aber die Spekulation mit Nahrungsmitteln könnten wir sofort stoppen." Aus Sicht der Allianz stellen sich die Dinge anders dar. Der Finanzkonzern investiere weniger als ein Prozent seiner Anlagen in Nahrungsmittelderivate. "Unsere Fonds setzen dabei nicht gezielt auf steigende Preise", sagt ein Sprecher, an den Finanzmärkten lasse sich ja auch auf fallende Preise setzen. Außerdem betont die Allianz, dass sie Geld in Hersteller von Düngemitteln oder Maschinen investiert - und die würden die Produktion von Nahrungsmitteln ankurbeln und den Hunger begrenzen. Kein Wunder, dass der Konzern die Oxfam-Forderung ablehnt, die Spekulation mit Nahrungsmitteln zu stoppen: "Ein Ausstieg steht zurzeit nicht zur Debatte."

sueddeutsche.de wirtschaft

Montag, 30. April 2012

Good Food - Bad Food

Good Food Bad Food – Anleitung für eine bessere Landwirtschaft ist eine französische Dokumentation von Coline Serreau aus dem Jahr 2010.

Im Film werden Experten, Biologen und Landwirte befragt, die alle dasselbe Ziel verfolgen: eine Optimierung der Böden und die Wiederherstellung der Saatenvielfalt zum Schutz der Umwelt und für gesündere Lebensmittel. Die Protagonisten in Serreaus Film kämpfen nach Aussage des Films dagegen, "dass die Erde durch chemische Dünger und Pestizide vergiftet wird, dass das Saatgutangebot durch multinationale Konzerne auf ein Minimum beschränkt und die Bauern durch die Abhängigkeit zu diesen Konzernen oft in den Ruin getrieben werden."

Samstag, 7. April 2012

WWF mit Monsanto



Der Pakt mit dem Panda

Die Dokumentation will die Geheimnisse des WWF ergründen. Sie wird zur einer Reise ins Herz des grünen Empire und sie erschüttert den Glauben an den Panda.