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Donnerstag, 29. September 2016

The Choice is Ours (2016) by The Venus Project



Produced/Directed by Roxanne Meadows and Joel Holt
Script by Roxanne Meadows
Editor Joel Holt, assisted by Roxanne Meadows & Nathaniel Dinwiddie
Original Score by Kat Apple

This film series explores many aspects of our society. To rethink what is possible in our world, we need to consider what kind of world we want to live in. Although we refer to it as civilization, it is anything but civilized. Visions of global unity & fellowship have long inspired humanity, yet the social arrangements up to the present have largely failed to produce a peaceful and productive world. While we appear to be technically advanced, our values and behaviors are not. The possibility of an optimistic future is in stark contrast to our current social, economic, and environmental dilemmas. The Choice Is Ours includes interviews with notable scientists, media professionals, authors, and other thinkers exploring the difficulties we face.

Part I provides an introduction and overview of cultural & environmental conditions that are untenable for a sustainable world civilization. It explores the determinants of behavior to dispel the myth of “human nature”, while demonstrating how environment shapes behavior. The science of behavior is an important - yet largely missing - ingredient in our culture.

Part II questions the values, behaviors, and consequences of our social structures, and illustrates how our global monetary system is obsolete and increasingly insufficient to meet the needs of most people. Critical consideration of the banking, media, and criminal justice systems reveals these institutions for what they really are: tools of social control managed by the established political and economic elite. If we stay the present course, the familiar cycles of crime, economic booms & busts, war, and further environmental destruction are inevitable.

Part III explains the methods and potential of science. It proposes solutions that we can apply at present to eliminate the use of non-renewable sources of energy. It depicts the vision of The Venus Project to build an entirely new world from the ground up: a “redesign of the culture”, where all enjoy a high standard of living, free of servitude and debt, while also protecting the environment.

Part IV explains how it is not just architecture and a social structure that is in desperate need of change, but our values which have been handed down from centuries ago. They too need to be updated to our technological age, which has the potential to eliminate our scarcity-driven societies of today. Our problems are mostly of our own making, but we can still turn things around before the point of no return. It’s not too late for an optimistic outlook on the fantastic possibilities that lie before us.

Jacque Fresco-Futurist, Industrial Designer, Social Engineer, Founder of The Venus Project

Jeffery A. Hoffman Ph.D - Prof. Aeronautics & Astronautics MIT, Former NASA Astronaut

Henry Schlinger, Ph.D., BCBA-D - Prof. Psychology CAL State University

Abby Martin - Journalist & Host "The Empire Files"

Karen Hudes - Economist, Lawyer, World Bank Whistleblower

Erin Ade - Reporter & Host "Boom Bust" – RT

Paul Wright - Founder & Director of Human Rights Defense Center, Editor of Prison Legal News, Author

Dylan Ratigan - Author & TV Host "The Dylan Ratigan Show"

Mark Jacobson, Ph.d - Prof. Civil & Env. Engineering, Stanford University. www.thesolutionsproject.org

Erik Brynjolfsson, Ph.D - Prof. of Management-MIT Sloan School of Management, Dir. MIT Initiative on the Digital Economy, Author

Lawrence M. Krauss, Ph.D - Foundation Prof. School of Earth and Space Exploration, and director of Origins Project, Arizona State University. Author "A Universe from Nothing".

Paul Hewitt - Author "Conceptual Physics"

Roxanne Meadows - Co-Founder The Venus Project

*special thanks also to Alexander "Obraz" ...Obraz.io who created the many 2d motion depictions (plus the sound fx!) of concepts such as the "hamburgers and fried chicken" segment and many others which are Alexander's inimitable work style and atteniton to details where we needed very specific illustrations of key points.

The Venus Project proposes an alternative vision of what the future can be if we apply what we already know in order to achieve a sustainable new world civilization. It calls for a straightforward redesign of our culture in which the age-old inadequacies of war, poverty, hunger, debt and unnecessary human suffering are viewed not only as avoidable, but as totally unacceptable. Anything less will result in a continuation of the same catalog of problems inherent in today's world.
Learn more at www.thevenusproject.com

Sonntag, 1. Juni 2014

Afrika - Der ausgeraubte Kontinent




Als im Jahr 2000 die Kupferpreise auf dem Weltmarkt am Boden waren, sah sich das verschuldete Sambia gezwungen, seine Kupferminen zu verkaufen. Als die Kupferpreise dann wieder stiegen, konnte Sambia von dem sensationellen Preisanstieg von über 350 Prozent nicht mehr profitieren. Diese Gewinne macht nun "Glencore". Deren Geschäftsführer Ivan Glasenberg hat sich im Schweizer Örtchen Rüschlikon niedergelassen. Durch Glasenbergs Zuzug nimmt der Ort nun so viel Steuern ein, dass der Steuersatz gesenkt wurde. Die Dokumentation beleuchtet die Hintergründe und Zusammenhänge, die dazu führten, dass der Großkonzern "Glencore" solch wirtschaftliche Macht erringen konnte.
Rüschlikon ist ein idyllisches Dorf in der Schweiz, im Kanton Zürich. Die Bewohner führen dort ein geruhsames Leben ohne Stress und Hektik. Hier ist die Welt noch in Ordnung, Hunger und Armut sind nahezu unbekannt. Und Arbeitslosigkeit und soziale Probleme eher eine Seltenheit. Der Wohlstand der Gemeinde wurde durch den Zuzug von Herrn Ivan Glasenberg enorm vermehrt. Denn Ivan Glasenberg ist nicht irgendjemand. Er ist Geschäftsführer des Rohstoffgiganten "Glencore". Sein Konzern machte 2011 einen Nettoumsatz von 9,6 Milliarden Dollar. Das immense Steueraufkommen von Neubürger Glasenberg spülte Millionen von Dollar in die Kassen der Finanzbehörden in Rüschlikon, so dass sich der Bürgermeister gezwungen sah, den Steuersatz im Dorf drastisch zu senken. "Man hätte ja viel zu viel Geld, man könne das ja gar nicht alles ausgeben", stellte Bürgermeister Bernard Elsener fest.
Aber woher kommt der immense Reichtum von Herrn Glasenberg? Ein Blick nach Sambia bringt Licht in das finanzielle Dickicht der vielschichtigen Steuermanipulationen. Sambia ist reich an Bodenschätzen und hat das weltweit drittgrößte Kupfervorkommen. Aber die Bürger in Sambia bekommen von den hohen Erträgen aus ihren in internationalem Besitz befindlichen Kupferminen nichts zu sehen. Sie leben in größter Armut: 60 Prozent der Bevölkerung stehen weniger als ein Dollar pro Tag zur Verfügung und etwa 80 Prozent haben keine Arbeit. Wie ist so etwas möglich?
Ein Blick zurück in das Jahr 2000 gibt Aufschluss: Als die Kupferpreise auf dem Weltmarkt am Boden lagen, und die Rettungsaktion durch die Weltbank und den Internationalen Währungsfonds scheiterten, drohte Sambia der Untergang. Der fast bankrotte Staat musste in die unmoralischen Kredit-Bedingungen einwilligen, die den Verkauf der Kupferminen verlangten, um nicht total unterzugehen. Diese Bedingungen fügten Sambia herbe Verluste zu.
"2006 lag der gesamte Wert der sambischen Exporte bei drei Milliarden Dollar", erklärt die ehemalige Untersuchungsrichterin und Europapolitikerin Eva Joly. "Die Steuereinnahmen, die Sambia davon zurückbekommen hat, betrugen jedoch nur 50 Millionen Dollar." Als die Kupferpreise auf dem Weltmarkt dann wieder anstiegen, konnte Sambia, von dem sensationellen Preisanstieg von über 350 Prozent nicht mehr profitieren.
Der Film "Afrika - Der ausgeraubte Kontinent" deckt die undurchsichtigen und inhumanen Geschäftspraktiken von Ivan Glasenberg und seinen Geschäftspartnern auf, beleuchtet die Hintergründe und Zusammenhänge, die dazu führten, dass der Großkonzern "Glencore" diese wirtschaftliche Macht erringen konnte. Die Dokumentation zeigt aber auch, wie ein Staat erpresst wird und die Bevölkerung von Sambia hungern muss, damit die Menschen im reichen Rüschlikon weiterhin in einem Finanzparadies leben können. Fraglich bleibt letztendlich, wer die moralische Verantwortung für solches Geschäftsgebaren trägt.

Samstag, 7. April 2012

WWF mit Monsanto



Der Pakt mit dem Panda

Die Dokumentation will die Geheimnisse des WWF ergründen. Sie wird zur einer Reise ins Herz des grünen Empire und sie erschüttert den Glauben an den Panda.

Dienstag, 21. Juni 2011

Der Grieche, der alles blockiert

Von Kai Strittmatter

Tages Anzeiger, 21.6.2011

Es ist erst etwas mehr als eineinhalb Jahre her, dass die griechische Politik auf den Kopf gestellt wurde. Das Land bekam Ende 2009 einen neuen Premier namens Georgios Papandreou und die vom Wähler mit Schmach und Schande in die Opposition geprügelte konservative Nea Dimokratia (ND) einen neuen Parteiführer, Antonis Samaras. Damals, als die Ahnung von der Katastrophe noch von der Hoffnung des Neuanfangs begleitet war, da erschien in der Zeitung «Kathimerini» ein Porträt der beiden Politiker, und überschrieben war es: «Besser wird es nicht». Papandreou und Samaras – beide ausgestattet mit der besten Ausbildung an US-Elite-Universitäten, die Geld kaufen kann. Beide zu Hause in der Welt, beide verwurzelt in Griechenland. «Angesichts unserer Probleme», schrieb die Zeitung, «ist der Aufstieg der beiden Politiker das Beste, was wir erwarten durften.»

Im Sommer 2011 ist klar: Beide Männer haben im Angesicht der Krise versagt. Dem Premier spricht zwar keiner den guten Willen ab, jedoch die Kraft und die Durchsetzungsstärke. Papandreou hat gezögert, besänftigt und auf Zeit gespielt, wo Menschen und Märkte klares und starkes Handeln sehen wollten. Und Antonis Samaras? Er hat sich seinem Land in der Zeit höchster Not verweigert. Er blockiert und sabotiert, wo Nation und Europa ein gemeinsames Handeln von Regierung und Opposition sehen wollen.Samaras hat es geschafft, sich im letzten Jahr als Muster jenes verantwortungslosen und selbstsüchtigen Politikertypus zu etablieren, der Griechenland die Krise erst beschert hat. Seine Weigerung, die Sparpolitik mitzutragen, lässt Konservative in ganz Europa mittlerweile um Fassung ringen.

Spross einer wohlhabenden Familie

«Wir wollen morgen keine Ruinen regieren», rief ND-Chef Samaras am Sonntag seinen Parteifreunden zu, bevor er verkündete, die ND werde der Regierung am Dienstag das Misstrauen aussprechen. «Diese Regierung hat das Land schon genug destabilisiert.»Aber wie hiess noch einmal die Partei, die Griechenland bis 2009 regierte? Die die griechische Version der Klientelpolitik und Kleptokratie zwar nicht erfunden hatte, die sie aber auf die Spitze trieb? Die mit kriminellem Schlendrian 2007 und 2009 tatenlos zwei tödlichen Waldbrandkatastrophen zusah? Die die an Brüssel gesendeten Budgetzahlen fälschte? Die im letzten Jahr ihrer Regierung noch einmal schnell mehrere Zehntausend unkündbare Beamtenstellen schuf für Vettern, Onkel, Töchter und Parteifreunde? Genau: Nea Dimokratia. Und wie hiess noch einmal der letzte Kulturminister dieser Partei? Genau: Antonis Samaras.Wie so viele der griechischen Politiker ist auch Samaras Spross einer wohlhabenden Familie. Aussenminister war er schon einmal, von 1989 bis 1992, damals ritt er ultranationalistische Attacken gegen den Nachbarn Mazedonien. Die Wahl zum Parteivorsitzenden gewann er im November 2009 gegen die einstige Aussenministerin Dora Bakoyannis.

Er versprach der ND damals, er werde sie bald zurück an die Regierung führen, als Premier Papandreou ihm letzte Woche jedoch eine Regierung der nationalen Einheit anbot, da liess er ihn auflaufen. Zuvor, sagte Samaras, müsse das Sparpaket neu ausgehandelt werden – wohlwissend, dass EU und IWF dem nie zustimmen würden. Am Donnerstag, einen Tag vor dem Gipfel der Staats- und Regierungschefs, reist Samaras nach Brüssel, dort werden die konservativen Parteifreunde von der Europäischen Volkspartei den Griechen noch einmal ins Gebet nehmen: Wieso, fragen viele, schaffen die Griechen nicht, was Portugiesen und Iren gelang, nämlich ein einiges Vorgehen von Opposition und Regierung in der Krise?

Im Nationaltrikot ins Ausland

Bislang zeigt Samaras kein Anzeichen des Einlenkens, trotzig verkündete er, er reise nur «im Nationaltrikot» ins Ausland. Letzte Woche sah eine griechische Umfrage seine ND erstmals seit 2009 vor der regierenden Pasok. Aber das ist ein schaler Triumph. In derselben Umfrage sagten vier von fünf Griechen, sie trauten weder der Regierung noch der Opposition. Die endgültige Diskreditierung der politischen Klasse, sie ist auch ein Werk des Antonis Samaras.

Donnerstag, 31. März 2011

Durch die Höllenkreise des Kongo

Tages Anzeiger, 31.März 2011

Von Martin Ebel

Ein Land so gross wie Westeuropa, verheert vom Krieg: Andrea Böhms meisterhafte Reportage berichtet von katastrophalen Zuständen, aber auch von tatkräftigen, mutigen Menschen.

Einen Pulitzer-Preis für Reportagen gibt es im deutschsprachigen Raum nicht. Sonst wäre Andrea Böhms Buch ein heisser Kandidat dafür. Die Journalistin, Mitglied des politischen Ressorts der «Zeit», hat etwas getan, was in der aktualitätsversessenen Hektik des Berufsalltags kaum noch möglich scheint: Sie ist drangeblieben. An einem unbequemen Thema. Über Jahre, mit Ausdauer und Aufwand, konsequent und empathisch.

Auf eigene Faust erforscht

Von 2002 bis 2010 ist sie immer wieder in den Kongo gereist, in eines der kaputtesten Länder der Welt. 1900 mal 2100 Kilometer in der Fläche, bettelarm – auf dem Human-Development-Index der UNO steht es auf dem vorletzten Platz. Und war in den letzten 15 Jahren Schauplatz zweier verheerender Kriege mit fünf Millionen Toten und einer viel grösseren Zahl an Verstümmelten, Vergewaltigten, Traumatisierten. Dabei ist das Land reich an Bodenschätzen: Gold und Diamanten, Kupfer, Kobalt und Seltene Erden. Aber die haben erst die belgischen Kolonialherren ausgebeutet, dann die einheimischen Ausbeuter: die Regimes von Mobutu und von Kabila (dem Älteren). Sie steckten die Profite in die eigene Tasche oder bezahlten damit die ausländischen Truppen, die ihre brüchige Herrschaft gegen Aufständische oder andere Ausländer verteidigen sollten. Der ganze Osten ist immer noch unsicheres Gebiet; Rebellen, Banden, aber auch reguläre Armeeeinheiten (der Übergang ist fliessend) überfallen, wenn der Sold ausbleibt, einfach ein Dorf.

Der Kongo: ein Horror, der das normale europäische Verständnis und Einfühlungsvermögen weit übersteigt. Andrea Böhm hat sich ihm immer wieder ausgesetzt. Nicht im Schlepptau und Schutz internationaler Organisationen, sondern auf eigene Faust, mit Fahrern, Lotsen und Vermittlern – hier ein Pfarrer, dort eine Krankenschwester, hier ein Menschenrechtsaktivist. Sie ist nach Mbuji-Mayi gefahren, eine Millionenstadt in der Provinz Kasai, wo Halbwüchsige mit blossen Händen nach Diamanten graben; nach Butembo im Osten, wo sie einen mysteriösen «Kindergeneral» gesucht und gefunden hat; nach Bukavu in ein Spital, in dem vergewaltigte Frauen behandelt werden; nach Kamituga in der Provinz Süd-Kivu, wo sie einen Kandidaten fürs Nationalparlament auf dem Wahlkampf begleitete.

500 Stimmen gegen ein Dach

Dieser Jean-Claude Kibala ist eine der vielen farbigen Figuren, denen wir bei der Lektüre begegnen. Ein schwarzer Ingenieur, der sich im Exil, im deutschen Troisdorf, eine Existenz aufgebaut hatte, plötzlich aber von Heimweh und Wahlkampffieber ergriffen wurde und nun von Dorf zu Dorf fährt, im Gepäck T-Shirts aus China, Schultafeln und Fussball-Trikots. «Die Leute jubelten und hielten die Hand auf. Das Übliche», kommentiert Andrea Böhm. Nicht ungewöhnlich auch, dass der Kandidat 15 junge Mütter freikauft, die im Krankenhaus festgehalten werden, weil sie ihre Geburtskosten nicht bezahlen können. Oder dass ein Methodistenpfarrer 500 Stimmen anbietet – gegen ein neues Wellblechdach für seine Kirche.

Kibala verliert zwar die Wahl, wird aber Vizegouverneur der ganzen Provinz. Sein Jahresbudget: 10 Millionen Dollar, so viel, wie die Kleinstadt Troisdorf für die Sanierung ihrer Sportanlagen ausgegeben hat. Kibalas täglicher Kampf um ein Stück mehr Recht, Ordnung, Legalität, Sicherheit, gegen die schreiende Armut, die Korruption; die kleinen Fortschritte und die ständigen Rückschläge, «dieser ganze alltägliche Kreislauf des Irrsinns»: Das ist, wenn Böhm es beschreibt, zum Lachen und zum Weinen zugleich. Denn der Autorin ist es nicht darum zu tun, ein Schreckenskabinett möglichst spektakulär auszustatten und dem Lustschauder des westlichen Lesers feilzubieten. Sie verschweigt nichts – aber sie konzentriert sich auf Menschen, die in all dem Elend mehr wollen als «se débrouiller», sich durchwursteln: die etwas bewegen wollen. Wie Honorine Munyole, eine Polizeimajorin, «klein, gedrungen, markantes Kinn, breites Kreuz, kräftige Stimme, dazu ein hennagefärbter Lockenkopf», die in Bukavu Vergewaltigungsopfer betreut – in einer Polizeistation, der es an allem fehlt, an Streifenwagen, Computern, Funkgeräten, Aktenordnern, sogar an Papier.Oder Félicien Mbikayi, der die wilden «Creuseurs» in der grössten Diamantenmine der Provinz Kasai zu überzeugen versucht, sich von ihren blutsaugerischen «Sponsors» zu lösen und zu Genossenschaften zusammenzuschliessen. Andrea Böhm begleitet ihn in die Mondlandschaft des «Polygon», wo sich konzessionierte und wilde Schürfer Schusswechsel liefern, und in die «freie» Zone daneben: «Hier wurde nicht geschossen, hier starb man leise.» In 30 Meter tiefen Löchern, wenn die Wände einstürzten oder die Sauerstoffzufuhr unterbrochen wurde. Munyole oder Mbikayi versuchen das Unmögliche – weil die Alternative, die Hoffnungslosigkeit, für sie keine ist. Man liest das mit Staunen, wachsendem Respekt und etwas Beschämung.

Ein Überangebot an Hilfe

Andrea Böhm ist mutig, aufmerksam und professionell. Sie ist aber auch hochreflektiert, was die Gefahren des eigenen Berufsstandes angeht. Immer ist sie bemüht, den Versuchungen des Voyeurismus nicht nachzugeben. Als die Massenvergewaltigungen im Ost-Kongo in die Schlagzeilen gerieten – endlich hatten die Journalisten in dieser Region ein Thema gefunden, das das westliche Publikum interessierte –, wurde das Panzi-Spital in Bukavu zu einer «Pilgerstätte der Empathie». Auch Promis gaben sich dort die Ehre. In Bukavu, lesen wir, gibt es heute ein Überangebot an Hilfe für Vergewaltigungsopfer. Aber, wie ein Gesprächspartner trocken bemerkt, viele nicht vergewaltigte Kongolesen, die auf andere Weise traumatisiert sind.

Dieses Land wächst jedem Beobachter über den Kopf. Andrea Böhm aber hat ihren Stoff – das, was sie sagen und zeigen will – souverän im Griff. Dazu gehört auch die ganze schauerliche neuere Geschichte des riesigen Landes, das der belgische König Leopold II. über zwanzig Jahre wie eine Privatkolonie betrieb, was ein Viertel der Bevölkerung das Leben kostete: vermutlich das grausamste Kolonialregime, das es je gab. Andrea Böhm erinnert an den schwarzen Missionar William Henry Sheppard, der die Gräueltaten dokumentierte und für einen internationalen Aufschrei sorgte.

Auch die Schweiz verdiente mit

Sie erinnert an Patrick Lumumba, den ersten frei gewählten Regierungschef des unabhängigen Kongo, der 1961, mit Billigung Belgiens und der USA, von eigenen Landsleuten gefoltert und ermordet wurde. Sie lobt den ersten UNO-Einsatz von 1960 bis 1964, der das Land vorläufig befriedete und ein Auseinanderfallen verhinderte, und begleitet auch mit Sympathie einen Trupp pakistanischer Blauhelme, die heute im Ostkongo auf verlorenem Posten stehen. Sie vergisst aber auch nicht, dass die beiden Kongo-Kriege (1996/97 und 1998–2003) eine direkte Folge des Völkermordes in Ruanda waren, an der die internationale Gemeinschaft Mitschuld trägt.

Auch darum geht es der Autorin: Der Kongo ist nicht ein schwarzes Loch, das uns nichts angeht. Er war schon immer im Fadenkreuz der Weltpolitik. Die Atombombe, die Hiroshima traf, wurde mit Uran aus dem Kongo angereichert. Mobutu wollte in den 70er-Jahren mit einer deutschen Firma ein eigenes Raketenprogramm aufziehen. Die gigantischen Profite der Rohstoffausbeutung wurden über Schweizer Konten verschoben. Und so weiter: Andrea Böhms grossartige Reportage führt in eine fremde, erschreckende Welt – in der auch wir unsere Finger drinhaben.

Dienstag, 22. März 2011

Dirty Pretty Things (2002)



Vor fast zehn Jahren hat sich Stephan Frears in seinem Film 'Dirty Pretty Things' einem ähnlichen Thema angenommen wie Alejandro González Iñárritu in seinem neuen Film 'Biutiful'. Im Gegensatz zu 'Biutiful' spielt der Film nicht in Barcelona sondern in der Unterwelt Londons.

Audrey Tatou hat hier kein fabelhaftes Schicksal wie als Amélie, sondern kämpft als illegale türkische Einwandererin ums Überleben. Organhandel, sexuelle Belästigung, illegale Nähereien – das alles findet im Herzen Londons im Untergrund statt, und doch mittendrin in der Gesellschaft. Die Szenerie und Kamera sind nicht so kompromisslos schmutzig wie bei 'Biutiful', aber die Gefühle die der Film zurücklässt sind ähnliche.

Beide Filme werfen Fragen auf: Ist die Welt in der wir leben unveränderbar schlecht? Können wir etwas ändern? Wie? Müssen wir nicht endlich handeln? Wie geht der Einzelne mit seiner Ohnmacht um, ein passiver Profiteur dieses Systems zu sein?

Keine dieser Fragen beantworten die beiden Filme, die Fragen und vorallem die Lösungen sind auch bei weitem zu komplex. Aber wichtig ist, dass wir uns diesen Fragen stellen und Massnahmen treffen, wie wir im kleinen Versuchen können gegen das Unrecht anzukämpfen. (nb)

BIUTIFUL — Von Alejandro González Iñárritu



In seinem neuen Film verstrickt der mexikanische Regisseur Iñárritu die Einzelschicksale seiner bitterarmen Protagonisten aus den Elendsvierteln Barcelonas. Im Zentrum steht der Spanier Uxbal, Vater zweier Kinder für die er das Sorgerecht hat, weil die Mutter manisch-depressiv ist. Uxbal vermittelt zwischen korrupten Polizisten, chinesischen Produzenten von Billigwaren und illegalen Afrikanischen Strassenhändlern, die die Sachen an Touristen und Einheimische verkaufen und nebenbei mit Drogen handeln. Uxbal, der mit seinen Kindern selber von der Hand in den Mund lebt, spielt in diesem schmutzigen Spiel eine zwiespältige Rolle – einerseits versucht er die Lebensbedingungen der Immigranten im Rahmen des möglichen zu verbessern und ihnen zu helfen, andererseits profitiert er als Spanier von ihrer Ohnmacht als Papierlose.

Der Film zeigt, wie jedes Glied in der Kette dieser unglücklichen Allianz dazu verdammt ist, das Spiel mitzuspielen – um die eigene Haut und die seiner nächsten zu retten, und sei es nur bis zum nächsten Tag. Bis zum Schluss bleibt der Film brutal realistisch, Atempausen gibt es kaum, das Entsetzen über die grenzenlose Armut fernab des touristischen Barcelonas hält stets an. Zwar trägt Iñárritu bisweilen dick auf was die inhaltliche Dichte angeht – Armut, tote Immigranten, Homosexualität, Bipolare Störungen, Untreue, Gewalt am eigenen Kind, Drogen, Übersinnliches, Krebs, brutale Polizisten, Vater-Sohn-Beziehungen...kein Thema wird ausgelassen. Trotzdem, man glaubt ihm, dass dies alles wahr ist und sich täglich überall auf der Welt immer und immer wieder abspielt, dass keine Grausamkeit hier nicht der Realität entsprechen könnte.

Durch diese geballte Ladung an mensch-gemachtem Leid wird man unweigerlich auf sich selber zurückgeworfen und das Wissen darum, dass die, denen es gut geht, wenn auch nicht immer bewusst oder böswillig, auf den gebückten Rücken der Unterdrückten gehen. Unser Wohlstand ist keineswegs saubererer Herkunft als vor 100 Jahren: nach wie vor leben Abermillionen sklavenähnlich unter unwürdigen Bedingungen und produzieren Konsumgüter für die, die es sich leisten können. Einjeder in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft für sich uns seine Kinder. Ob wir wollen oder nicht, wir sind Teil des Ganzen.

Iñárritu hat mit seinem Film das geschafft, was heute selten passiert: dass ein Grossteil der Zuschauer nach Filmende während des Abspanns sitzen blieb, von der Wucht all des Elends unweigerlich in den Kinosessel gedrückt. (nb)

Freitag, 4. März 2011

Zuma vergeudet Steuergelder

Scharfe Kritik der südafrikanischen Opposition

NZZ, 3.3.2011

Thomas Knemeyer, Kapstadt

Der südafrikanische Präsident Zuma betont, sein Land könne überhaupt nicht mit Tunesien verglichen werden. Aber Verschwendung und Korruption lassen Zweifel an der Stabilität Südafrikas aufkommen.

Der südafrikanische Präsident Jacob Zuma hat bestritten, dass Südafrika in einigen Jahren eine ähnliche Revolte erleben könnte, wie sie jetzt arabische Länder erfasst hat. In seinem Land, sagte Zuma, werde niemand unterdrückt, jeder habe das Recht auf Meinungsfreiheit und freie Stimmabgabe. «Es wird in Südafrika niemals einen Umsturz wie in Tunesien geben. Dies ist unmöglich», erklärte Zuma.

Kritik Moeletsi Mbekis

Der südafrikanische Präsident reagierte damit auf eine Warnung des Regierungskritikers Moeletsi Mbeki, der ein Bruder des früheren Präsidenten Thabo Mbeki ist. Moeletsi Mbeki hatte in einem aufsehenerregenden Artikel im Februar erklärt, in etwa einem Jahrzehnt werde dem Staat das Geld ausgehen. Der seit 1994 regierende African National Congress (ANC) habe vor vier Jahren die Lebensmittelsicherheit des Landes preisgegeben, für Millionen von Einwanderern die Grenzen geöffnet und eine unbezahlbare Kultur des Anspruchsdenkens gefördert. Der Staat verteile gut dotierte Arbeitsplätze an Parteigänger des ANC und besänftige Millionen von Armen mit Wohlfahrtsgeschenken.

Die jüngsten Wirtschaftszahlen untermauern diese Sorge. Von 50 Millionen Südafrikanern haben nur 13 Millionen einen Job; von ihnen finden 4 Millionen im informellen Sektor ein bescheidenes Auskommen. Auf 6 Millionen erfasste Steuerzahler kommen in diesem Jahr bereits 15 Millionen Empfänger von Sozialleistungen, die meisten von ihnen Eltern, die Kindergeld erhalten. Der Staat verteilt das Geld mit vollen Händen. Beamte beziehen deutlich höhere Gehälter, als in der Privatwirtschaft für vergleichbare Tätigkeiten gezahlt werden.

Auf der höchsten staatlichen Ebene herrschen phantastische Zustände. In Zumas Regierung tummeln sich 68 Minister und Staatssekretäre, von denen jeder im Schnitt umgerechnet jährlich 150 000 Franken verdient. Aber damit ist die Largesse des ANC noch längst nicht erschöpft. Wie die oppositionelle Democratic Alliance akribisch aufzählt, hat der Staat seit Zumas Amtsantritt im Mai 2009 nicht weniger als 3,82 Milliarden Rand verschleudert, verschwendet oder verschenkt, umgerechnet rund 510 Millionen Franken. Auf der Website everyrandcounts.org lässt sich Punkt für Punkt nachlesen, wie Unsummen vergeudet werden. Für neue Dienstwagen der Minister lässt der Staat 69 Millionen Rand springen. Unterhalb der Kategorie «Luxusklasse A1» geht es nicht. Damit sind unter anderem Mercedes der S-Klasse und Topmodelle von Audi und Land Rover gemeint.

Viel Geld für Hotelaufenthalte

Zuma hat auch verlangt, dass für seine drei First Ladies - Zuma ist praktizierender Polygamist - in allen neun Provinzen des Landes ständig eine Limousine zur Verfügung stehe. Die fünf offiziellen Residenzen des Präsidenten werden innerhalb der nächsten drei Jahre für 191 Millionen Rand renoviert, obwohl das vor sechs Jahren von seinem Amtsvorgänger Mbeki schon einmal vorgenommen wurde. Überhaupt genügen ein paar Risse in einer ministeriellen Residenz - und schon wird die Villa als baufällig deklariert. Der Minister lebt dann monatelang in der Suite eines Luxushotels. Kostenpunkt für Renovationen und Hotelaufenthalte: 167 Millionen.

Jeder Minister hat Anspruch auf zwei Residenzen - eine in Kapstadt, wo das Parlament tagt, eine in Pretoria, dem Regierungssitz. Das streng abgeschirmte Regierungsviertel in Pretoria heisst Bryntirion. Hier werden Zuma und seine Minister bedient und bewacht. Demnächst sollen sie das exklusive Areal auch im Krankheitsfall nicht mehr verlassen müssen. Das Militär wurde soeben beauftragt, bis 2013 für 63 Millionen ein Spital zu errichten. das nur für die Elite zuständig ist. Alles in allem, kündigte der Finanzminister in der vergangenen Woche an, werde man in Bryntirion in den kommenden drei Jahren 356 Millionen Rand ausgeben.

Bezeichnenderweise geniesst der Sicherheitsaspekt Vorrang. Minister im friedlichen Südafrika werden heutzutage ungleich besser geschützt als ihre Vorgänger vor 25 Jahren, als bürgerkriegsähnliche Zustände die Grossstädte des Landes erschütterten. Selbstgefällig und frei von Gewissensbissen rücken Provinzpremiers und Minister grosse und völlig überflüssige Anzeigen in Südafrikas Zeitungen ein. Es handelt sich meistens um eitle Selbstbeweihräucherungen, allerdings mit 20 Millionen Rand vom Steuerzahler finanziert. Für üppige Empfänge, Partys und fragwürdige Konferenzen werden weitere 161 Millionen berappt. Dazu gehört selbstverständlich immer ein reichhaltiges Buffet.

Gefährliches Spiel

Schliesslich bleibt man auch alten Weggefährten aus dunklen Widerstandszeiten dankbar. Kuba wurde die Restschuld von 1,4 Milliarden Rand erlassen. Der «African Renaissance Fund» erhielt 770 Millionen - zu welchem Zweck, ist unklar geblieben. In der armen Provinz Ostkap mangelt es unterdessen an Schulbroten, es drohen erneut Stromausfälle, und die Warteliste beim sozialen Wohnungsbau geht in die Hunderttausende. Moeletsi Mbeki meint, die Chefs des ANC seien wie Kinder, die mit einer Handgranate spielten. Eines Tages werde sie explodieren.

Dienstag, 1. März 2011

Die Irrungen des Jean Ziegler

Von Matthias Chapman.

Tages Anzeiger, 28.02.2011

Die Bekanntschaft mit Muammar al-Ghadhafi wird zur Belastung für den Genfer Professor. Dass es so weit kommen konnte, liegt an krassen Fehleinschätzungen in früheren Jahren.

«Muammar al-Ghadhafi ist kein nach Willkür schaltender Charakter. Er ist rational, zweckgerichtet, vernunftgeleitet»: Was Jean Ziegler noch im Sommer 2008 von sich gab, tönt heute wie ein Hohn.

Ein zorniger Kritiker

Jean Ziegler (76) studierte Jura, Politologie und Soziologie in Bern, Genf, Paris und New York. Er sass für die Sozialdemokraten im Nationalrat und war bis 2002 Professor für Soziologie an der Universität Genf und ständiger Gastprofessor an der Sorbonne in Paris. Von 2000 bis 2008 war er UNO-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung. Ungeachtet internationaler und nationaler Kritik wurde er 2008 von der Schweiz als Mitglied des beratenden Ausschusses des Menschenrechtsrats in Genf vorgeschlagen und gewählt. Sein jüngstes Buch «Der Hass auf den Westen» erscheint nächsten Monat als Taschenbuch im Goldmann-Verlag. (tim)

Was hat dieser Mann nicht gepoltert gegen das «Böse» in dieser Welt. Gegen die israelischen «Besatzer», gegen den Kapitalismus und überhaupt gegen den «Westen», der eine Mitschuld am Elend in der Dritten Welt trage. Jean Ziegler hat sich auch nie gescheut, die angeblichen und tatsächlichen Missetäter beim Namen zu nennen. Hans W. Kopp nannte er einen «Geier», Augusto Pinochet einen Faschisten. Und das sind nur zwei Beispiele, für die er später von Gerichten zu Schadenersatzzahlungen verurteilt wurde. Sein loses Mundwerk kam ihn teuer zu stehen. «Ich habe mehr als sechs Millionen Franken Schulden», sagte er jüngst in einem Interview mit der «Zeit».

Was ihn jetzt noch teurer zu stehen kommen könnte, ist seine Nähe zum wild gewordenen libyschen Machthaber Muammar al-Ghadhafi. Nicht Geld kostet ihn das, aber seinen Ruf. Bis anhin hatte der frühere Nationalrat und Genfer Professor sowohl Anhänger als auch Gegner. Erstere drohen ihm nun abhandenzukommen. Der Grund liegt auf der Hand: Ziegler war im Palast des Revolutionsführers ein gern gesehener Gast. Das waren zwar auch andere. Was bei Ziegler aber immer noch mitspielte: Man hatte das Gefühl, die beiden unterhielten eine speziell nahe Beziehung.

Immer wieder von Ghadhafi eingeladen

Sieben Mal sei er bei Ghadhafi gewesen, sagte Ziegler noch im August 2009. Die 40-Jahr-Feier im September gleichen Jahres kam noch dazu. Inzwischen sind Ziegler die Reisen zum Diktator offenbar nicht mehr in so guter Erinnerung. «Fünf, sechsmal», erklärte der Genfer nun am Samstag im Interview mit dem «Tages-Anzeiger». Nicht nur, dass sich der bekennende Sozialist bis vor wenigen Jahren noch einladen liess. Zur Gesinnung des Gewaltherrschers gab Ziegler noch lange Zwiespältiges von sich. «Ghadhafi ist politisch ein Genie», sagte er zum Beispiel noch vor einem Jahr. Die Frage war, wie sich der Revolutionsführer im Kampf der Stämme an der Macht halten könne.

Auch in der Affäre um die Verhaftung von Hannibal Ghadhafi in Genf schien Ziegler nicht die richtigen Worte zu finden: «Sicher ist, dass die Genfer Polizei viel zu heftig reagiert hat», erklärte er dazu.

«Ghadhafi ist kein nach Willkür schaltender Charakter»

Die aber vielleicht krasseste Fehleinschätzung lieferte der Genfer in einem Interview mit dem «SonntagsBlick» vom Juli 2008 ab. «Das von den meisten westlichen Medien verbreitete Bild eines unbeherrschten Potentaten ist nach meinem Eindruck total falsch. Muammar al-Ghadhafi ist kein nach Willkür schaltender Charakter. Er ist rational, zweckgerichtet, vernunftgeleitet.» Die letzten Tage haben auf bittere Weise das Gegenteil bewiesen.

«Saif al-Islam ist die Chance für Libyen und den Rest der Welt»

Es lassen sich beliebig weitere Beispiele nennen, die Ziegler bezüglich Libyen im Zwielicht zeigen. Etwa den 2002 zugesprochenen – aber vom Genfer angeblich abgelehnten – Ghadhafi-Menschenrechtspreis. Oder die im aktuellen Kontext fatale Fehleinschätzung zu Said al-Ghadhafi: «Saif ist fasziniert vom Westen und überzeugt davon, dass er das Land modernisieren muss», so Ziegler noch vor einem Jahr. Und: «Saif al-Islam ist die Chance für Libyen und den Rest der Welt.» In den letzten Tagen hat Saif sein hässliches Gesicht gezeigt.

Es gibt genug Gründe, Ziegler als Freund Ghadhafis zu verdächtigen. Die französische Zeitung «Le Monde» beschrieb ihn gar als «Pantoffellecker» des libyschen Machthabers. Medienunternehmer Roger Schawinski schrieb es am Wochenende in seinem offenen Brief so: «Du warst während Jahrzehnten ein Sympathisant und ein Werbeträger dieses brutalen Diktators.»

Ziegler kämpft um Imagekorrektur

Ziegler ist unter Druck. In mehreren Interviews in den letzten Tagen kämpft er gegen das ihm unliebige Image. «Ich muss jetzt einmal etwas klarstellen (…) das ist Blödsinn», erklärte er im «Tages-Anzeiger». Oder: «Ich bitte Sie – Ghadhafi ist nie mein Freund gewesen. Er hat meine Bücher auf Arabisch gelesen», im «SonntagsBlick». Allein, die Kurskorrektur will nicht recht gelingen.

Quelle: Tagesanzeiger.ch/Newsnetz

Montag, 28. Februar 2011

Jean Ziegler Interview in der "Zeit"

Ein sehr aufbauendes Interview mit Jean Ziegler in der ZEIT, über die Globalisierung, die Schweiz, sein Leben, die Begegnung mit Sartre und Che usw:
HIER GEHTS ZUM INTERVIEW http://www.zeit.de/2011/01/DOS-Ziegler

"Ein historisch korruptes Alpenalbanien!"

"Meine Privilegien sind eine Waffe, die man mir in die Hand gegeben hat. Also muss ich sie im Namen der Unterdrückten nutzen."

"Ein Kind, das heute an Hunger stirbt, wird ermordet."

"Ich ging zu meinem Vater und fragte: Warum sind die so arm und wir so reich? Und mein Vater, der Calvinist, sagte: »Mein Sohn, mach deine Sach. Die Welt kannst du nicht ändern.«"

"Ich begriff: Der Mensch ist, was er tut. Nichts anderes."

...

Freitag, 25. Februar 2011

Private Gefängnisse und Kriminalisierung

Diverse Artikel zur Gefägnisindustrie und der fortschreitenden Kriminalisierung:

"...Pikant ist besonders, dass Conahan als Vorsitzender Richter das Jugendgefängnis des County 2002 [extern] schließen ließ und den zwei Unternehmen mit einem "Placement Guarantee Agreement"dabei half, Verträge mit dem County zu schließen. Bei einigen zumindest floss das Geld abhängig von der Zahl der inhaftierten Jugendlichen...."
- http://www.heise.de/tp/r4/artikel/29/29778/1.html

"Eine aktuelle US-Studie stellt fest: Je mehr Geld in den Strafvollzug gesteckt wird, um so mehr Strafgefangene werden frisch eingeliefert"
- http://www.heise.de/tp/r4/artikel/26/26902/1.html

"Ganz unumstritten ist der Expansionsdrang allerdings nicht: Die US-Gefängnisindustrie hat kräftig an der neuen Gesetzesvorlage mitgestrickt. "Die Konzerne arbeiten eng mit der republikanischen Partei zusammen, um härtere Strafgesetze durchzusetzen", sagt Phil Mattera vom Forschungsinstitut Grassroots in Washington, der an einer Studie über CCA beteiligt war. "
- http://www.welt.de/print-welt/article183181/Gefaengnis_AG.html

"... Die Aussichten auf alles, was eine Verbindung von Knast und Geld denkbar und möglich macht, sind - daran ließ niemand einen Zweifel - glänzend..."

"Dass es zunehmend nur noch um Profite geht, zeigt auch die Tatsache, dass die Kriminalitätsraten in den USA seit 10 Jahren kontinuierlich fallen: Ohne Gefangene lohnt sich das Geschäft nicht. Der Staat und seine Behörden müssen offenbar für Nachschub sorgen. Das Erschreckende, aber auch Erhellende an der Gefängnismesse in Philadelphia ist dabei, dass Firmenvertreter, Staatsbürokraten und Wärter diese Tatsachen ganz offen aussprechen, ohne moralische Bedenken oder gar Angst zu haben."
- http://www.heise.de/tp/r4/artikel/9/9354/1.html

heikler Wikileaks Insider-Artikel aus der Kinderpornoszene:
"Verurteilte Kriminelle zu produzieren IST EIN HOCH RENTABLER WIRTSCHAFTSZWEIG geworden und es muessen immer mehr Kriminelle produziert werden damit der Rubel auch richtig kraeftig rollt. Es gibt sehr glaubhafte Geruechte von Schmiergelder die von den Knastbetreibern an Staatsanwaelte und Richter zahlen, sog. Praemien fuer neue Verurteilungen die einen Knastaufenthalt als Folge haben. Also muss man bloss nicht zu pingelig werden bei Ermittlungen, schon gar keine qualifizierten Beamte anstellen damit man auch immer genuegend Nachschub im Knast hat UND VOR ALLEM MUSS MAN EIN MAXIMUM KRIMINALISIEREN."
- http://www.wikileaks.ch/wiki/Einblicke_in_die_Kinderpornoszene über https://scusiblog.org/?p=530
Dabei ist Punkt 6 interessant bezüglich der Kriminialisierung von Minderjährigen.