Posts mit dem Label fashion werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label fashion werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 29. November 2012

Modetrends in Europa, Tote in Bangladesch

original: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/nach-brand-in-textilfabrik-modetrends-in-europa-tote-in-bangladesch-1.1533689

Bangladesch Tausende protestieren nach Feuer in Textilfabrik

(Video: Reuters, Foto: AP)
Die Frauen nähen wie Getriebene, sie werden beleidigt, sexuell belästigt, geschlagen. Die Textilproduktion für westliche Konzerne in Billiglohnländern fußt auf der Ausbeutung von Frauen. Wenn Menschen bei der Herstellung von Billigtextilien sterben wie jetzt in Bangladesch, ist der Aufschrei jedes Mal groß. Doch an der Situation ändert sich nichts.
Von Karin Steinberger und Stefan Weber
 
Jetzt werden wieder alle aufschreien. So wie im September 2012, als in Pakistan zwei Fabriken abbrannten und mehr als 300 Menschen in den Trümmern erstickten. Es sind immer die gleichen Bilder: verschmurgelte Nähmaschinen, Männer, die mit bloßen Händen nach ihren Frauen oder Töchtern graben. Es sind immer die gleichen Probleme: abgesperrte Notausgänge, vergitterte Fenster, gefälschte Sicherheitszertifikate, korrupte Fabrikbesitzer. Es sind immer die gleichen Ausreden: der Druck der Weltwirtschaft.
Jetzt kommen die Bilder also aus Bangladesch. Jetzt graben die Männer in Savar nach den Resten ihrer Frauen, sammeln Sandalen und bunte Schals aus der Asche. Mehr als 112 Menschen sind am Wochenende in der Tazreen-Fashion-Fabrik gestorben, in der jeden Monat eine Million T-Shirts, 800.000 Polo-Shirts und 300.000 Fleecejacken produziert wurden, unter anderem für C&A, Carrefour, Kik und Walmart. Fliederfarben, orange, wie es die Branche gerade wünscht. Jeder neue Trend in Europa bedeutet, dass die Frauen in Bangladesch Überstunden machen.
In Bangladesch trauerten sie, Nationalflaggen im ganzen Land wurden auf Halbmast gesetzt, in den Tempeln beteten die Menschen, Politiker sagten, was zu sagen ist. Dann schlug die Trauer um in Wut. Tausende Arbeiter gingen in den vergangenen Tagen auf die Straße, bewarfen Fabrikgebäude mit Steinen, zerstörten Autos und blockierten Straßen. Hunderte Fabriken wurden geschlossen.

Ein Mindestlohn von 46 Euro im Monat

Es herrscht eine Stimmung wie im Sommer 2010, als Zehntausende durch die Straßen der Hauptstadt Dhaka zogen und für eine bessere Bezahlung in der Branche demonstrierten. Damals kämpften sie für einen Mindestlohn von 5000 Taka im Monat, 46 Euro. Sie hatten es satt, mit einem Drittel davon abgespeist zu werden. Sie hatten es satt, ihr Leben zu riskieren für so wenig Geld. Nichts hatte man von ihnen gehört in all den Jahren, nichts gelesen außer dem kleinen Schild hinten in zahllosen T-Shirts und Hosen, in Millionen von knappen Sommerkleidchen und dicken Winterpullovern: Made in Bangladesch.
Jetzt standen sie auf der Straße, die meisten von ihnen Frauen. Mit glitzernden Ohrringen und golddurchwirkten Saris. Es war das erste Mal, dass sie aufbegehrten. Die Fabrikdirektoren jammerten, dass sie die Forderungen ihrer westlichen Auftraggeber nicht werden erfüllen können. Es gab Verletzte, Tote. Dann war wieder Ruhe.

 

Bangladesch Erneut Brand in einer Textilfabrik

Nur drei Tage nach dem tödlichen Großbrand in einer Textilfabrik ist in einem weiteren Betrieb in Bangladesch ein Feuer ausgebrochen. Derweil gingen Tausende Arbeiter auf die Straße, um ihrer Wut über den verheerenden Großbrand vom Wochenende Luft zu machen.
Millionen von Menschen arbeiten in den Bekleidungsfabriken Bangladeschs. Die Textilindustrie ist der wichtigste Industriezweig des Landes. Knapp zehn Prozent aller Textilimporte von Europa kommen aus Bangladesch, das nach China und der Türkei der drittgrößte Exporteur von Kleidung nach Europa ist. In einer Umfrage unter den Einkaufschefs großer Modeunternehmen nannten mehr als drei Viertel der Befragten Bangladesch als das am stärksten aufstrebende Einkaufsland für Textil. Aber zu welchem Preis?

Nach Angaben der "Kampagne für Saubere Kleidung" starben in Bangladesch seit 2006 mehr als 470 Menschen bei Bränden in Textilfabriken. Die Sicherheitsmaßnahmen aber sind meist noch genau so lausig wie schon immer. Elektrokabel hängen ungeschützt von der Decke, Notausgänge sind verschlossen, wenn es überhaupt welche gibt. Fenster sind vergittert. Übungen zum Brandschutz? Meist unbekannt.
Gisela Burckhardt von der "Kampagne für Saubere Kleidung" kämpft seit Jahren für bessere Arbeitsbedingungen, für eine bessere Bezahlung und für bessere Sicherheitsmaßnahmen in der Branche. Sie hat Diagramme erstellen lassen, in denen gezeigt wird, wie sich der Preis der Kleider zusammensetzt: 50 Prozent Gewinn und Kosten des Einzelhandels, 25 Prozent Markenwerbung, 13 Prozent Fabrikkosten, 11 Prozent Transport und Steuern. Und nur ein Prozent Lohnkosten.
Vor ein paar Jahren hat sie Arbeiterinnen aus Bangladesch nach Deutschland eingeladen. Sie sollten der Ausbeutung ein Gesicht geben und den deutschen Käufern zeigen, wer den Preis zahlt für Kleidungsstücke, die so billig sind, dass man sich schämen muss.
Suma Sarker stand in ihrem glitzernden Gewand im Neonlicht eines Kik-Discounters in Mannheim und fuhr mit der Hand über die bunten Nähte kleiner Kinderhosen. Winzige Reisverschlüsse, zierliche Hosentaschen. 60 bis 70 dieser Taschen näht sie in der Stunde. Dann sah sie das Preisschild: 4,99 Euro. Und konnte es selbst nicht glauben, wie billig ihre Arbeit ist.
Die Frauen nähen wie Getriebene. Und auch das: Sie werden beleidigt, sexuell belästigt, geschlagen. Wer einer Gewerkschaft beitritt, riskiert es, den Job zu verlieren. Gisela Burckhardt kennt das schon, wenn ihre Telefone nicht mehr stillstehen nach einer Katastrophe wie dieser. Und in der Zeit dazwischen? Hat sie Mühe, das Thema zu den Menschen zu bringen.

Brandschutzabkommen werden von H&M und Gap verhindert

Sie sagt: "Es ist dringend notwendig, das Brandrisiko branchenweit zu bekämpfen. Nur wenn man Gewerkschaften vor Ort mit einbindet, wird sich etwas ändern." Immerhin: Tchibo und die US-Bekleidungsfirma PVH, zu der Marken wie Tommy Hilfiger und Calvin Klein gehören, haben ein Brandschutzabkommen mit Arbeitnehmervertretern vereinbart.
Es kann allerdings erst in Kraft treten, wenn mindestens vier große Modefirmen mitmachen. Firmen wie H&M und Gap weigern sich bis jetzt. Gisela Burckhardt hofft nun auf Metro (Real, Kaufhof) und Lidl. Beide hat die "Kampagne für Saubere Kleidung" vor kurzem aufgefordert, das Brandschutzabkommen zu unterzeichnen. Bis jetzt - keine Antwort.
Das Problem ist nicht, dass es keine Zertifizierungssysteme gibt. Im Gegenteil. Allein deutschen Unternehmen stehen etwa 80 verschiedene Instrumente zur Verfügung. Viele Firmen haben außerdem selbst einen Code of Conduct oder Compliance-Richtlinien festgelegt. Aber Aufträge werden von Subunternehmer zu Subunternehmer weitergereicht. Die wenigsten Firmen kennen ihre Lieferkette. Gisela Burckhardt macht das wütend, wie sich die große Firmen seit Jahren herausreden. Sie will verhindern, dass es so ist wie immer: Es werden alle aufschreien.
Aber passieren wird - nichts.

Dienstag, 27. September 2011

Wie öko und fair ist die Outdoor-Branche?

Von: http://reset.to/blog/rank-brand-wie-oeko-und-fair-ist-die-outdoor-branche

Outdoor-Firmen werben mit Bildern von wilder und romantischer Natur, mit bunt gekleideten Menschen in unberührten Landschaften. Dabei kümmern sich viele  Outdoor-Hersteller nicht um den Erhalt einer solchen Natur, die doch die Grundlage der ganzen Branche ist: Schuhe, Jacken, Rucksäcke, Kletter- und Skiausrüstungen bestehen aus aufwändig hergestellten Materialien, die kaum recycelt werden und nicht selten auf den Sondermüll gehören.

Und neben dem fehlenden Umweltbewusstsein ist auch die soziale Performance eher traurig: Die Outdoor-Industrie steht nicht gerade für gut bezahlte Mitarbeiter und faire Arbeitsbedingungen.

Rank a Brand bewertet Outdoor-Hersteller
Wer sich informieren möchte, wo die verschiedenen Marken in punkto Umweltschutz, CO2-Ausstoss und Arbeitsrechte stehen, der findet auf den Seiten von Rank a Brand Bewertungen einzelner Outdoor-Hersteller. Auf Rank a Brand können Konsumenten vergleichen, wie transparent, grün und sozialverträglich eine Marke ist. Und sich dann für die Richtige entscheiden.

Für die "Ausstatter für Naturerlebnisse" sieht es so aus:

Von den bewerteten Marken (Nomad, Timberland, Patagonia, Vaude, Mammut, Jack Wolfskin, Fjällräven, North Face, Salewa, Icebreaker, Berghaus) ist keine im grünen Bereich. Das heißt, keiner der Hersteller hat mehrheitlich positive Bewertungen in den drei Bereichen Klimaschutz, Umweltschutz und faire Arbeitsbedingungen. Eingeschränkt empfehlenswert sind Patagonia, Nomad und Timberland, die immerhin partiell gut bis sehr gut abschneiden.

Patagonia versucht mit sogenannten "Footprint Chronicles" den ökologischen Fussabdruck jedes Produkts für den Käufer nachvollziehbar zu machen. Ein guter Ansatz, allerdings fehlen klare Angaben zur Umsetzung des Ziels, CO2 weiter zu reduzieren. Laut Patagonia sind 100% der verwendeten Baumwolle aus ökologischer Herstellung, außerdem wird versucht, viele Materialien zu recyceln (Baumwolle, Nylon u.a.). Patagonia hat sich viel vorgenommen, doch Zahlen werden auf der Internetseite nicht dokumentiert. Der Hersteller ist Mitglied in der Fair Labor Association und zahlt Mindestlöhne, die maximale Arbeitszeit liegt allerdings bei 60 Stunden.

Nomads bessere Performance liegt im Bereich der Arbeitsrechte und des fairen Handels. Nomad ist Mitglied bei MADE-BY und produziert in Niedrig-Risko-Ländern. Im Bereich Klima- und Umweltschutz schneidet der Hersteller allerdings schlecht ab.

Timberland hat eine sehr gute Performance beim Klimaschutz: Die Emissionen der Flüge der Beschäftigten werden neutralisiert. Auf der Seite finden sich Ergebnisse und Ziele zur weiteren Reduktion der CO2-Emissionen. Im Bereich der Arbeitsrechte zahlt Timberland wenigstens ein Minimum an Lohn und eine begrenzt die Arbeitszeit. Timberland verwendet zwar Biobaumwolle, unklar ist allerdings zu welchem Anteil. Das gibt keine Punkte.

Bei den anderen Herstellern steht es schlecht um die soziale und ökologische Performance. Wer sich genauer informieren möchte findet bei Rank a Brand eine Übersicht.

„Image und Realität der Outdoor-Branche klaffen zum Teil schmerzhaft auseinander“, so Kirsten Clodius von der Kampagne für Saubere Kleidung. „Statt nachhaltiger sozialer Entwicklung wird allzu oft nachhaltige Ausbeutung praktiziert.“
Es tut sich was in der Outdoor-Branche
Doch es gibt Hoffnung: Jack Wolfskin hat Anfang Juli seinen Beitritt zur Fair Wear Foundation erklärt, die sich für eine effektive Verbesserung von Arbeitsbedingungen einsetzt. Vaude möchte bis 2015 Europas ökologischster Outdoor-Ausrüster  werden; im Moment enthält die Kollektion Sommer 2011 nach eigenen Angaben bereits zu 16 % sogenannte Green Shape Produkte. Das sind Produkte, die aus mindestens 90% Biobaumwolle, recycelten Materialien oder der Holzfaser Tencel bestehen, mit dem umweltfreundlichen Färbeverfahren VAUDE eColour gefärbt wurden oder dem weltweit strengsten textilen Umweltstandard bluesign entsprechen. Auf der Sportartikel-Fachmesse ISPO wurde VAUDE mit zwei Auszeichnungen bedacht: dem Eco Responsibility Award 2011 für das Zelt Blue One als umweltfreundlichstes Produkt und in der Kategorie Company colution als nachhaltigstes Unternehmen. Eine Bewertung von Vaude findest Du auch bei Rank a Brand.

Fazit: Die Outdoor-Branche bewegt sich langsam, aber sie bewegt sich. Und jede unserer  Kaufentscheidungen kann dazu beitragen, der Branche den Schubser in die richtige Richtung zu geben.


Handeln

Projektempfehlungen

Rank a Bran
Auf der Website von Rank a Brand können Konsumenten vergleichen, wie transparent, grün und sozialver
Weiterlesen

Weiterführende Links
Lernfähige Outdoor-Branche
Outdoor-Mode: Nix sozial gerecht
Cleanclothes.org
Kampagne für Saubere Kleidung
Rank a Brand